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Corona macht’s möglich: Schule kommt im digitalen Zeitalter an

Die Schule kommt im digitalen Zeitalter an.Foto: pixabay.com

Schule in Zeiten der Corona-Krise ist alles andere als alltäglich. Seit Montag gehen weitere Klassen unter strengen Hygiene- und Abstandsregeln in die Schule. Bislang wurden bereits die Abschlussklassen in der Schule unterrichtet.

Fast alle Klassen müssen aufgeteilt werden, da nur maximal 15 Schüler in einem Klassenraum unterrichtet werden dürfen.

In der Freiherr-vom-Stein-Schule einigten sich die Lehrer darauf, die Klassen jeweils in Wochenblöcken und in zwei Schichten zu unterrichten. Die anderen Schüler lernen weiterhin zu Hause. „Wir halten dieses Konzept für pädagogisch sinnvoll, weil die Kinder dann mehrere Tage hintereinander zur Schule kommen und die Situation nicht täglich wechselt“, sagt Schulleiterin Sara Morawietz. Sie sei sich bewusst, dass die unterschiedlichen Schulmodelle für Eltern mit Kindern an mehreren Schulen mit unterschiedlichen Unterrichtszeiten eine zusätzliche Herausforderung ist. Dafür werden laut Morawietz Kinder in der Betreuung derzeit gebührenfrei betreut, selbst wenn sie normalerweise nicht für die Betreuung angemeldet sind.

In der laufenden Woche werden in der Eppsteiner Gesamtschule morgens von 7.45 bis 11.05 Uhr die beiden fünften Realschulklassen, die Abschlussklassen und die Integrationsklasse unterrichtet, nachmittags von 12 bis 15.15 Uhr kommen die H7, die H8 und die Gymnasialklassen der achten Jahrgangsstufe. In der kommenden Woche kommen die Gymnasiasten der fünften Klasse wieder zur Schule, in der Woche darauf die 6. und danach die 7. Klassen. Die zusätzlichen Busfahrten für diesen Zwei-Schichtbetrieb seien mit dem MTV abgesprochen, sagte Morawietz.

Die täglichen vier Unterrichtsstunden konzentrieren sich auf die Hauptfächer, die zweite Fremdsprache, zwei Stunden Gesellschaftslehre und zwei Stunden Naturwissenschaften.

„Wir haben uns als Ziel gesetzt, dass alle Klassen bis zum Ende des Schuljahres noch mindestens acht Unterrichtstage in der Schule verbringen“, sagt die Schulleiterin. Täglich kommen so zwischen 120 und 150 der insgesamt rund 710 Schülerinnen und Schüler in die Schule und werden pro Klasse auf je zwei Räume aufgeteilt und von zwei Lehrern unterrichtet.

Die Schüler zu Hause erhalten ihre Aufgaben per E-Mails, haben aber inzwischen weitere virtuelle Möglichkeiten, um mit dem Lehrer zu kommunizieren. Das Medienzentrum des MTK stellt beispielsweise die neue Webkonferenzplattform „BigBlueButton“ zur Verfügung. Gleichzeitig planen Land und Bund, Geld für Familien zum Kauf von Tablets zur Verfügung zu stellen, die sich keine eigenen Geräte leisten können. „Den Bedarf können wir aber erst ermitteln, wenn die Bedingungen dafür feststehen“, sagt Morawietz.

Bei allen Schwierigkeiten bewirke die Corona-Krise zumindest eine gute Sache, meint die Schulleiterin: „Die Schulen kommen endlich im digitalen Zeitalter an.“ Die Freiherr-vom-Stein-Schule sei zwar mit White-Boards in den Klassenräumen schon gut ausgestattet, aber künftig werde es neue Schulportale und Unterrichtsplattformen geben, die die Schüler digital zu Hause nutzen können.

Das sieht Eike Unnewehr, der Vorsitzende des Schulelternbeirats, ähnlich. Die Ausstattung der Schule sei gut und ermögliche die Nutzung digitaler Medien im Unterricht, aber bisher gebe es keine Regelung über Zugriffsbedingungen, Lizenzen oder welche Plattformen Lehrer und Schüler nutzen können. Er begrüßt es, dass der Main-Taunus-Kreis derzeit einen Medienentwicklungsplan für seine Schulen aufstellt. Dieser Plan, so Johannes Latsch, Pressesprecher des Main-Taunus-Kreises, bildet den Rahmen für die digitale Weiterentwicklung in den Klassenräumen.

Die Zeit bis zur Freigabe der Module will der Main-Taunus-Kreis zur Schulung der Lehrer nutzen.

Das beste Programm, die effektivste Plattform ist jedoch nur so gut, wie die technischen Voraussetzungen. Der MTK plant die Anbindung sämtlicher Schulen im Kreis an ein Glasfasernetz mit bis zu 1000 Mbit/s. Die derzeitige Kupferverbindung bietet maximal ein Zehntel dieser Leitung. Der Kreis will dafür Fördermittel nutzen und verhandelt über den kreisweiten Ausbau dieses Netzes.

Die Gesamtkosten liegen voraussichtlich bei 9 Millionen Euro. Davon trägt der Kreis rund 900 000 Euro, der Löwenanteil kommt von Land und Bund. Da es ein Gesamtpaket ist, für das die Verhandlungen noch laufen, könne der Kreis für einzelne Schulen derzeit noch keine Kosten und einen Zeitplan nennen, führte Latsch aus.

In der Freiherr-vom-Stein-Schule ist derzeit die Schulbücherei täglich von 10 bis 12 Uhr geöffnet, Mensa und Cafeteria bleiben geschlossen. Auch Musik- und Sportunterricht fallen weiterhin aus. Die Sporthalle wird zum Prüfungsraum umfunktioniert. Die Hausmeister haben Tische und Stühle mit ausreichend Abstand für die 46 Prüflinge des Realschulzweiges aufgebaut. Die 28 Hauptschüler schreiben ihre Abschlussprüfung in zwei Klassenräumen im Hauptgebäude. Mindestens bis zum Ende der Prüfungen in gut zwei Wochen bleibt die Bienroth-Halle für die Sportvereine gesperrt.

Nach sieben Wochen ohne Präsenz in der Schule, in denen die Schüler fast nur den Unterrichtsstoff vertiefen konnten und wenig neuer Stoff vermittelt wurde, sei das Jahrgangspensum kaum noch zu schaffen, stellt Morawietz nüchtern fest. Mit ihren 7. Klassen würde sie derzeit eigentlich das Rechtssystem der Bundesrepublik durchnehmen. Dieses Kapitel wird dieses Jahr vermutlich ausfallen, samt Besuch im Amtsgericht.bpa

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