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Ausgrabung zeigt ein völlig neues Bild von der Burg um 1100

Die Rekonstruktion der Burg um 1100 mit einem Wohnturm und einer Vorburg (rechts ) ist Teil des Multimedia Guides des Burgvereins.

Eppsteins Geschichte und die Geschichte seiner Burg ist seit dem 13. Jahrhundert, spätestens aber seit der Stadterhebung 1318 recht gut erforscht. Nach einem Brand um 1350 wurde die Burg erweitert und im 14. und 15. Jahrhundert im spätgotischen Stil ausgebaut.

Vermutlich fußen viele der jüngeren Mauern auf Vorgängern der frühen romanischen Burg. Das wäre eine mögliche Erklärung dafür, dass bisher nur wenige Spuren aus diesen früheren Bauphasen gefunden wurden.

Umso gespannter verfolgt Stadtarchivarin Monika Rohde-Reith die aktuellen Ausgrabungen im Durchgang zwischen Juchhebau und Kelterhaus vom kleinen Hof vor dem Museum zum Ostzwinger. Denn dort wurde ein Mauerzug aus dem 11. Jahrhundert entdeckt, einer frühen Zeit der Eppsteiner Burg und ihres Herrscherhauses. Genau genommen, so Burgenforscher Joachim Zeune, setzt sich in diesem schmalen Weg ein Mauerzug fort, der bei den Arbeiten fürs Fundament des Juchhebaus vor fünf Jahren entdeckt wurde. In beiden Mauern wurden die gleichen handlichen Quader verbaut. Möglicherweise gibt es sogar eine Verbindung zu einer Mauer, die vor etlichen Jahren bei Renovierung des Burghofs entdeckt und wieder zugeschüttet wurde.

Der Burgenfachmann untersucht die Eppsteiner Ruine seit 15 Jahren und schließt aus diesen Funden, „dass schon im frühen Mittelalter in der heutigen Osthälfte ein quadratischer Wohnturm stand, bisher war nur rechteckiger Palas bekannt, der die Westhälfte des Burghofs begrenzt“. Etwa 12 auf 12 Meter schätzt Zeune die Maße der Außenmauer, den Turm selbst auf gut 20 Meter Höhe bei etwa zwei Meter dicken Mauern am Fuß des Turms. Fünf bis sechs Geschosse seien üblich in dieser Zeit, sagt Zeune und glaubt, dass der Eppsteiner Turm dem recht gut erhaltenen Turm in Dreieichenhain ähnlich gesehen haben dürfte.

Spektakulär an den neu entdecken Mauerresten ist aus Sicht des Archäologen, „dass sie ein völlig neues Bild von der frühen Burg zulassen“. Bisher ging die Forschung davon aus, dass der Gründer der Burg, möglicherweise Graf Eberhard vom Niddagau, im 10. Jahrhundert eine Turmburg auf dem Felssporn im Westen der heutigen Burganlage errichtete, die um 1100 nach Osten hin erweitert wurde. Die Herrschaftssymbolde der Burg, Palas und Turm, sowie deren Vorgänger, wurden immer, auch für die frühen Bauphasen der Burg, in der Westhälfte angesiedelt.

Die Mauerfunde im Osten der Burg lassen Zeune nun darauf schließen, dass schon im 11. Jahrhundert ein Wohnturm in der Osthälfte errichtet wurde, der mitten im Hof der frühen Kernburg stand – „ein stattliches Gebäude für diese Zeit“, sagt Zeune.

Zwar fußen seine Vermutungen fast ausschließlich auf Indizienrekonstruktionen, von anderen Burgen und anderen frühen Dynastien wisse er aber, dass sie im 11. Jahrhundert freistehende quadratische Wohntürme errichtet haben, um ihre Macht und ihre Stellung zu demonstrieren und betont: „Das sind schon sehr seriöse Spekulationen“. Für Rohde-Reith sind solche Funde Anlass, „um gewohnte Sichtweisen immer wieder neu zu überdenken“.

Um weitere Mauern zu finden, müsste beispielsweise der kleine Museumshof, aufgegraben werden. Außerdem steht die Mauer des heutigen Museums vermutlich genau auf der nördlichen Mauer des Turms.

Auch von anderer Seite gibt es neue Erkenntnisse, dass auf der Ostseite der Burg möglicherweise schon im frühen Mittelalter Wirtschaftsgebäude wie Ställe und Scheunen standen. Bei Scan-Aufnahmen des Burgfelsens, des Halsgrabens wurde die Bodenstruktur genau vermessen und dabei ein Grabensystem entdeckt, das zu einer frühmittelalterlichen Vorburg gehört haben könnte oder sogar aus vorgeschichtlicher Zeit stammt.

Einmalig und jenseits jeglicher Spekulation sind die Funde im sogenannten Kelterhaus. Die Grabungen (wir berichteten) haben Funde einer alten Küche zum Vorschein gebracht. Die Bodenstruktur zeigt neben verschiedenen Steinbelägen auch Reste einer alten Ölpresse. Das Gebäude, von dem nur noch der von der Stadtwache genutzte Mainzer Keller und das Kelterhaus übrig sind, wurde um 1410 von den Herren von Eppstein errichtet.

Der Multimedia Guide ist fertig

Die jüngsten Forschungsergebnisse stellt die Stadt mit dem Burgverein am 24. Oktober vor. Dann präsentiert der Verein die beiden neuen Multimedia Guides und übergibt sie dem Stadt- und Burgmuseum. Sie sind für die Burgbesucher gedacht, die die beiden Tablets im Museum für ihren Rundgang ausleihen können. Auf den beiden neuen Tablets, die der Burgverein künftig für Rundgänge auf der Burg zur Verfügung stellt, sind die neuesten Forschungsergebnisse auch aus der Frühzeit der Burg eingeflossen.

Außerdem gibt es zu vielen historischen Ereignissen und zu den einzelnen Gebäuden, Höfen und Zwingern Szenen historischer Ereignisse, etwa die Trennung der Herrschaftssitze im 15. Jahrhundert oder über den chronischen Geldmangel der Eppsteiner. Gespielt wurden sie von den Burgschauspielern und Gästen.

In einer dieser Szenen über den Ausbau der Burg um 1420 tritt auch Bürgermeister Alexander Simon auf. In Gewand und Rolle des Kellers, des herrschaftlichen Schatzmeisters, weist er – ohne beim Burgherrn Gehör zu finden – auf die prekäre finanzielle Situation der Grafschaft hin. bpa

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