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Mit Frank Wolf in die faszinierende Welt der Höhlen einsteigen

Das Foto zeigt Frank Wolf beim Einstieg in einen sogenannten Trichter, der in eine Höhle führt.Foto: Wolf

Die Ausrüstung von der jüngsten Höhlenklettertour lag noch von Lehm und Staub verkrustet in der Badewanne: Gummistiefel, Helm und Geraffel, so heißt das Geschirr, an dem Seil und Handsteig- und Bruststeigklemmen, Fußschlaufen, Abseilgerät und der Sicherheitskarabiner als zusätzliche Bremse befestigt sind.

Zur Ausrüstung gehört auch ein wasser- und luftundurchlässiger Koffer für die ebenfalls staubdichte Kamera, der beim Besuch der Eppsteiner Zeitung bei Frank Wolf auch noch Spuren des jüngsten Ausflugs zeigte.

Erst wenige Tage zuvor hatte sich der 52-jährige Grafiker aus Ehlhalten mit anderen Kletterern zu einer Tour durch der Öffentlichkeit nicht zugängliche Höhlen des Herbstlabyrinths getroffen. Das Herbstlabyrinth ist eines der größten Höhlensysteme Deutschlands. Es wurde 1993 zufällig in der Nähe eines Steinbruchs bei Breitscheid im Westerwald entdeckt. Bislang sind knapp 12 Kilometer der bis zu 92 Meter tiefen Tropfsteinhöhle erforscht. Ein kleiner Teil dieses Höhlensystems ist für Besucher zugänglich. Die Gemeinde wirbt damit, Europas einzige, komplett mit LED-Lampen ausgeleuchtete Schauhöhle zu besitzen.

Höhlenkletterer Frank Wolf brachte aktuelle Fotos aus nicht öffentlich zugänglichen Teilen des noch immer nicht ganz erforschten Höhlensystems mit. Mit Hilfe seiner Crew fotografierte er spektakuläre Tropfsteinhöhlen in Kugelpanorama-Aufnahmen, die er bei einem Vortrag am Donnerstag, 21. Juni, im Familienzentrum „Der Laden“ in der Burgstraße zeigt. Mithilfe eines Computerprogramms ermöglichen die Aufnahmen einen virtuellen Rundblick in der gesamten Höhle. Mit einer Virtual Reality-Brille wirkt die Aufnahme sogar dreidimensional.

Noch ist Wolfs Repertoire solcher Rundum-Höhlenbilder recht klein, weil die Aufnahmen aufwändig sind. Er ist auf zuverlässige und geduldige Helfer beim Aufbau der Kamera und bei der Beleuchtung angewiesen: Seine Nikon D750 befestigt er auf einem leichten Carbonstativ mit einem Slant-Nodalpunktadapter, der die Kamera zentriert. Die Rundumaufnahmen entstehen in acht Schritten mit 24 Einzelaufnahmen in drei verschiedenen Belichtungsstufen, die Wolf später in seinem Grafikstudio auf dem PC bearbeitet und zusammensetzt.

Deshalb werde es wohl noch einige Zeit dauern bis sein nächstes Ziel erreicht ist, sagt Wolf: Er will seine Zuschauer auf eine virtuelle Höhlentour von Grotte zu Grotte mitnehmen und ihnen dabei auch den Weg dorthin durch enge Schächte, schmale Spalten und Trichter möglichst authentisch zeigen. An unwegsamen Stellen hilft eine handliche Kamera, die mit zwei gegenüberliegenden Fischaugen-Objektiven ebenfalls eine 360-Grad-Perspektive einfängt – „nur nicht in so guter Qualität wie die hochauflösenden Kugelpanoramen mit Vollformatsensor und Fischaugenobjektiv“, sagt Wolf.

Geklettert sei er schon als Kind und Höhlen entdeckte er bei der Suche nach besonderen Steinen und Mineralien, eigentlich sein ursprüngliches Hobby, das ihn aber unweigerlich zu den Höhlen brachte. Er suchte in Steinbrüchen und Stollen und entdeckte dabei Höhlen, meistens im Urlaub in den Cevennen in Frankreich oder den Apuanischen Alpen in Italien. Aber auch die legendäre Schinderhanneshöhle im Silberbachtal bei Ehlhalten hat er schon erkundet. „Eigentlich ist sie ein alter Bergwerksstollen, keine natürlich entstandene Höhle“, räumt Wolf ein. Zusammen mit seinem Zwillingsbruder, dem in Eppstein bekannten Künstler Kai Wolf, und einem Freund habe er als Jugendlicher darin übernachtet. Damals war der Gang noch offen.

Wolf, der in Grevenbroich geboren wurde, kam mit sechs Jahren mit seiner Familie nach Eppstein. Im Taunus machte er seine ersten Entdeckungstouren und sammelte Gesteinsbrocken in alten Steinbrüchen. An die Gefahr habe er dabei zunächst nicht gedacht, sagt der selbstständige Grafiker und erinnert sich an ein existenzielles Erlebnis vor knapp 30 Jahren, bei dem er fast nicht zurückgefunden habe. Damals trennte er sich in einer Höhle von seinen beiden Begleitern. Weil er so fasziniert war, ging er allein weiter, markierte sich den Weg und entdeckte bizarre Welten, eine riesige Tropfsteinhöhle und einen unterirdischen Wasserfall. Doch dann wurde seine Lampe immer schwächer. Nur mit Mühe arbeitete er sich von Markierung zu Markierung Richtung Ausgang zurück. Die Batterie habe er erwärmt, um etwas Energie für die Lampe zu erhalten. Nachdem er es geschafft hatte, wusste er, dass er nur noch mit guter Ausrüstung, Ersatzbatterie und -lampe klettern würde. „Die Faszination blieb, aber meine Vernunft wurde größer“, erinnert er sich.

Bei aller Professionalität sei die Gefahr immer gegenwärtig: Hohe Kohlendioxid-Konzentrationen können zu Atemnot und Krämpfen, Steinschlag, ausgelöst durch die Höhlenkletterer, zu Verletzungen führen. Deshalb gehe er nie allein, sondern meist im Team mit bis zu fünf Kletterern in eine Höhle.

Vor drei Jahren schloss er sich nach einem weiteren Schlüsselerlebnis der Höhlengruppe des deutschen Alpenvereins an. „Ich stand im Urlaub vor einem riesigen Trichter, der in eine Höhle hineinführte, und ich wusste: Da komme ich ohne professionelle Ausrüstung und Technik nicht rein und wieder raus“, erinnert sich Wolf. Inzwischen hat er Ausrüstung und Klettertechniken perfektioniert. Bis zu 80 Meter tiefe Karsttrichter oder Dolinen kann er mit seiner Ausrüstung begehen. Auch Höhlentauchen in unterirdischen Gewässern habe er gelernt und viele hochspezialisierte Höhlenkletterer, darunter Geologen, aber auch Paläontologen und Vermessungstechniker getroffen, die in ihrer Freizeit Höhlen erforschen und vermessen.

In der zum Höhlensystem der Herbsthöhle gehörenden Adventhöhle beispielsweise wurden Knochen eines über 30 000 Jahre alten Höhlenbärs gefunden und Lava-Ablagerungen, die von einem Ausbruch des Vulkans des heutigen Laacher Sees vor rund 12 900 Jahren stammen und deshalb bestimmte zeitliche Zuordnungen ermöglichen. Hauptberufliche Speläologen gebe es in Deutschland nicht, sagt Wolf, „aber es gibt viele, die Höhlenforschung als ambitionierte Leidenschaft betreiben“.

So oft es ihm Beruf und Familie, seine Frau und die beiden Söhne, ermöglichen, trifft er sich mit Freunden aus der Höhlengruppe. Im Juli nimmt er an einer Höhlenforschungstour in den Loferer Steinbergen in Ebensee in Österreich teil. Sie ist Teil der „Eurospeleo“, Europas wichtigster höhlenkundlicher Veranstaltung.

Wolf interessieren besonders die Karst-Höhlen, also Höhlen aus Kalkstein. Erosion und Wasser haben dort im Lauf der Jahrtausende faszinierende Gebilde geschaffen: Stalagmiten und Stalaktiten in unterschiedlichsten Formen und Farben. Von seinem Ausflug in die Herbsthöhle hat er wunderschöne Aufnahmen mitgebracht: glasklare Makaronistalaktiten, die in solcher Reinheit nur selten zu finden seien. Sie bestehen aus fast reinem Calzit und sind innen hohl. Einmalig in Deutschland seien die besonders langen und vielfältigen Excentriques, quer abzweigende Nasen. Wunderschön sind auch die Sinterfahnen, bei denen der Tropfstein ein hauchdünnes Gebilde formt, das Falten schlägt wie ein Stück Stoff. Die im Wasser gelösten Mineralien geben ihnen unterschiedlichste Färbung. Rötlich schimmern sie, bei eisenhaltigem Wasser. Sogar Höhlenperlen hat Wolf schon gefunden, das sind lose, meist seltene runde Ablagerungen in Höhlen.

Mitbringsel aus den Höhlen sind für Kletterer Tabu. Trotzdem hat Wolf von seinen Reisen seltene oder einfach nur schöne Steine, meist aus Steinbrüchen in der Nähe der Höhlen, mitgebracht: gelblicher Honigquarz, fast durchsichtiger Analcim, der durch trapezförmige Kristallform auffällt, versteinerte Kopffüßler aus der fränkischen Schweiz, funkelndes Pyrit oder Katzengold – und fluoreszierende Mineralien, die unter UV-Licht leuchten, genau wie uranhaltige Mineralien, die er wegen ihrer natürlichen Strahlung im Keller aufbewahrt.

„Abstieg in die Unterwelt“ im Laden

Am Donnerstag, 21. Juni, ist Wolf um 19.30 Uhr mit seinem Bericht „Abstieg in die Unterwelt“ im „Laden“, Burgstraße 55, zu Gast.bpa

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