S2 zu 89 Prozent pünktlich – mit absteigender Tendenz

Bahnsteig am Eppsteiner Stadtbahnhof.Foto: Julia Palmert

Verspätungen und Zugausfälle, oft auch ohne Information auf den Anzeigetafeln oder in der RMV-App – die S-Bahnen in Frankfurt und Rhein-Main genießen keinen guten Ruf. Besonders schlecht schneidet in der Bewertung der Fahrgäste die S2 ab. Die Statistik der Bahn zeigt das.

Seit Jahren fahren fast alle S-Bahnen in der Region immer noch mit einer Pünktlichkeit von über 90 Prozent ab. Ausreißer ist die S2: 2018 erreichte sie bei der Pünktlichkeit gerade mal 83 Prozent.

2022 liege die Pünktlichkeit bisher bei 89 Prozent – 95 Prozent aller Züge seien immerhin gefahren, teilt die Pressestelle des RMV mit, allerdings gebe es etwa seit September bei den Statistiken eine Tendenz nach unten. Das haben auch viele Fahrgäste beobachtet, wie sich in Internet-Bewertungen leicht ablesen lässt. Auch Dirk Könekamp, EZ-Leser aus Niederjosbach und Vater von zwei schulpflichtigen Töchtern, die mit der S-Bahn zu Schulen nach Hofheim und nach Wiesbaden fahren, macht auf Missstände aufmerksam: Seit den Sommerferien müsse eigentlich immer ein Elternteil bereitstehen, um notfalls eine der Töchter morgens zur Schule zu fahren. Leser Marcel Löhr berichtet, dass am Montag, 10. Oktober, nur jede zweite S-Bahn gefahren sei und wundert sich, dass es aktuell seitens der Stadt keine Forderungen für einen regulären Halt der Regionalbahn Frankfurt-Limburg in Eppstein gebe.

Hinzu komme, dass Verspätungen oder Ersatzanschlüsse auf den Anzeigetafeln der DB an den Gleisen oft gar nicht – oder zu spät angezeigt würden, kritisiert Könekamp. Da sei es auch nicht hilfreich, wenn die vom RMV betriebenen Anzeigetafeln auf dem Bahnhofsvorplatz funktionieren: „Wenn sie nicht wissen, wann der nächste Zug kommt, gehen die Mädchen natürlich nicht vom Bahnsteig weg“, führt Könekamp aus. Die unterschiedlichen Zuständigkeiten seien für die Fahrgäste ohnehin nicht nachvollziehbar, sagt er.

Die Verspätungen und Zugausfälle seit September fielen ausgerechnet mit dem Schulbeginn zusammen. Der RMV, der die Fahrten bei der Deutschen Bahn bestellt, begründet sie mit einem „außergewöhnlich hohen Krankenstand bei der Deutschen Bahn“. Er betreffe nicht nur das Fahrpersonal, auch das der S2, sondern auch die Stellwerke. Einige Streckenabschnitten seien derart unterbesetzt, dass nur noch sehr wenige oder gar keine Züge mehr fahren dürfen.

Das habe meist Auswirkungen auf andere Strecken, bedauert Bahn-Sprecherin Claudia Münchow auf Nachfrage der Eppsteiner Zeitung. Sie versichert, dass Verlässlichkeit im ureigensten Interesse der Bahn liege. Allerdings ließen sich kurzfristige Krankmeldungen auch durch flexible Personalplanung nicht vollständig kompensieren. „Daher konnten und können punktuell nur die Haupttakte der S-Bahnen fahren und die Taktverdichtungen der S2 nicht angeboten werden“, erklärt Münchow, warum der 15-Minuten-Takt der S2 in den vergangenen Wochen oft nicht eingehalten wurde.

Auch bei der Fahrgastinformation räumt sie Defizite ein. „Da müssen wir besser werden.“ Langfristig geplante Baustellen seien in der Regel gut in alle Auskunftssysteme eingearbeitet. Bei kurzfristigen Einschränkungen gelingt uns das derzeit leider noch nicht immer, was wir sehr bedauern“. Während der 9-Euro-Ticket Monate seien wichtige Ansatzpunkte dokumentiert worden „denen wir uns neben den laufenden Maßnahmen annehmen“, heißt es bei der DB. Das Ziel bleibe stets, bei betrieblichen Einschränkungen eine reibungslose Informationskette zu gewährleisten.

Kundenunfreundlich sei auch das Nachzeigen einer Dauerkarte, kritisiert Dirk Könekamp. Leider komme es bei Schülern häufiger vor, dass sie ihre Dauerkarte nicht dabei haben. Auch eine seiner Töchter musste ihr Schülerticket nachzeigen und nachträglich ein Beförderungsentgelt von 7 Euro zahlen. Das sei völlig in Ordnung, findet der Vater. Am Bahnhof in Hofheim wurde seine Tochter jedoch an das DB-Kundenzentrum in der Gutleutstraße in Frankfurt verwiesen. „Die jungen Menschen müssen also wegen eines kleinen Versäumnisses, weite Umwege auf sich nehmen“, wundert sich der Vater.

RMV-Sprecherin Vanessa Rehermann begründet das damit, dass die Fahrkartenkontrollen eigenverantwortlich von den verschiedenen Bahn-Betreibern vorgenommen werden, und es wegen des Datenschutzes keine übergreifende Liste mit persönlichen Daten von Fahrgästen gibt, die ohne gültige Tickets gefahren sind. Man müsse für das Nachzeigen eines Tickets, das in der S2 kontrolliert wurde, aber nicht zwangsweise nach Frankfurt fahren. Die Bahn biete einen Online-Service an, bei dem ein Ticket oder der Beleg für die Chip-Karte auch online nachgezeigt und die fällige Gebühr bezahlt werden könne. Sie räumte aber ein, dass dieser Service bekannter gemacht werden müsse. Den Link finden Bahnkunden unter: db-Fahrpreisnacherhebung.de.bpa

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