Home | Eppstein

Die Kunst verlängert das Leben der Zeitzeugen aus Holz

Horst Winterer, Wolfgang Kersten, Angela Hiß und Alexander Simon (v.l.) am Kunstwerk „Hinauftreiben mit dem Liquiden“. Foto: Simone Pawlitzky

 

Eine Woche lang schufen während des Holzbildhauersymposiums im vergangenen Jahr acht Bildhauer die unterschiedlichsten Holzskulpturen auf dem Naturholzlagerplatz der Firma MB Baumdienste. Der Kulturkreis kaufte zwei der Kunstwerke an und übergab sie am Sonntagnachmittag offiziell der Öffentlichkeit am Skulpturenweg in der Heinrich-Anton-Ickstadt-Anlage in Bremthal.

Im Abstand von drei Jahren organisiert der Kulturkreis das Holzbildhauer-Symposium in Eppstein. Unter bis zu 150 Bewerbungen aus der ganzen Welt wählt eine Jury acht Künstler aus, die die Möglichkeit erhalten, auf dem Gelände der MB Baumdienste zu arbeiten, berichtete Kulturkreisvorsitzende Horst Winterer. Beim siebten Symposium im vorigen Jahr entschied man sich, von den bis dahin 48 Künstlern acht erneut einzuladen, „deren Kunst uns“, so Winterer, „ganz besonders gefallen hat.“

Die acht Holzbildhauer griffen auf einen Fundus von Bäumen zurück, „der für die Künstler eine besondere Herausforderung war, aber auch ein besonderer Schatz“, erklärte Wolfgang Kersten von MB Baumdienste. Als stummer Zeitzeuge habe jeder dieser Bäume aus menschlicher Sicht vieles miterlebt und gesellschaftliche Veränderungen überlebt. Was den Baum präge und zu einem Unikat mache, sind sein Standort, Bodenverhältnisse, Höhenlage, Witterung, tierische und menschliche Einflüsse. Am Ende kehre er wieder in den Kreislauf zurück. Als Kunstwerk aber verlängere sich der Lebensweg als Zeitzeuge, der ohne Worte verrät, was er erlebt hat.

Im nächsten Jahr jährt sich das Bestehen von MB Baumdienste zum 40. Mal. „Das heißt, schon die Hälfte dieses Weges begleitet uns das Holzbildhauer-Symposium“, erzählte Kersten weiter, inzwischen habe es ein so professionelles Niveau erreicht, „dass wir stolz sind, nach wie vor ein guter Gastgeber zu sein.“ Bestätigt wurde er von Künstlerin Angela Hiß, die zur Übergabe ihrer Skulptur angereist war. Sie habe Eppstein als Symposiumsort erlebt, an dem alles vorhanden war und sie als Holzbildhauerin perfekt arbeiten konnte.

„Ohne Sponsoren geht es nicht“, weiß Winterer und erklärte, dass eine Aktion wie diese über 60 000 Euro koste. Mit seinen Sachleistungen ist MB Baumdienste Hauptsponsor ebenso der Kulturfonds Frankfurt RheinMain, der das Symposium mit 15 000 Euro unterstützte, das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst mit 3 000 Euro, das Kunstförderprogramm ArtRegio der SV SparkassenVersicherung mit 2 500 Euro. „Letztendlich hatten wir 36 500 Euro“, um es zu finanzieren, die Künstler zu versorgen, Material und Energie zur Verfügung zu stellen, die Skulpturen zu kaufen.

Mit ihrem Werk „Hinauftreiben mit dem Liquiden“ ist die Düsseldorfer Künstlerin Angela Hiß zum zweiten Mal auf dem Bremthaler Skulpturenweg vertreten. Sechs geschliffene Baumscheiben aus Eiche, die mit Hilfe von Stahlstangen verbunden sind, brachte sie zum Schweben. „In meinen Holzarbeiten versuche ich häufig, dem Holz die Schwere zu nehmen“, erzählte sie. Ihr gehe es um Beweglichkeit, um Leichtigkeit – Eigenschaften, die sie sich im übertragenen Sinne auch im Alltag wünsche. Früher habe sie versucht, Leichtigkeit zu erzeugen, indem sie viel Material wegnahm, das Holz ganz dünn schliff oder an die Wand hängte.

„Aktuell versuche ich Leichtigkeit zu erzeugen, obwohl ich schwere Baumscheiben nehme.“ Die 60 bis 70 Kilogramm schweren Scheiben übereinander zu stellen war eine Herausforderung. Für den Skulpturenweg mussten sie zusätzlich mit einem Stahlrahmen gesichert werden. „Vor vierzehn Tagen stellte die Firma Wohlfahrt die Stahlkonstruktion auf“, erklärte Winterer. Auch wenn das Kunstwerk nun darin eingerahmt sei, könne sie trotzdem noch das Schwebende und Luftige in ihrem Werk erkennen, meinte die Künstlerin.

Mit dem Werk „Familie“ von Elijah Ogira Omburo schließt sich der Kreis. Denn Ogira war als erster Teilnehmer zum Holzbildhauer-Symposium eingeladen, erzählte Irmgard Pilz, die den Künstler auf einer Kenia-Reise kennenlernte. 1997 verbrachte er ein paar Tage bei Matthias Bauer von MB Baumdienste, schuf im Naturholzlager bemerkenswerte Skulpturen und war Impulsgeber für das erste Holzbildhauer-Symposium in Eppstein. 2018 reiste der afrikanische Künstler wieder an und erschuf aus einer Robinie eine Stele mit drei Gesichtern: einem Ahnen-Antlitz, dem Ich der Gegenwart sowie einem die Zukunft symbolisierenden Kindgesicht, das nun oberhalb des Skulpturenwegs betrachtet werden kann.

Bürgermeister Alexander Simon bedankte sich bei allen Mitwirkenden: Mit dem Symposium sei ein Edelstein entstanden, der weit über die Stadtgrenzen hinaus strahle. 2021 sei das nächste geplant, zu dem Horst Winterer engagierte Bürger aufrief, mitzumachen.pw

Weitere Artikelbilder:

Noch keine Bewertungen vorhanden

Neueste Kommentare

Bürgerinitiative kritisiert den neuen Windvorrang …
2 Wochen 15 Stunden
Kein Glasfasernetz für Alt-Eppstein und Bremthal- …
7 Wochen 4 Tage
Kein Glasfasernetz für Alt-Eppstein und Bremthal- …
7 Wochen 5 Tage
Kein Glasfasernetz für Alt-Eppstein und Bremthal- …
7 Wochen 6 Tage
Kein Glasfasernetz für Alt-Eppstein und Bremthal- …
8 Wochen 12 Stunden
X
Sichere Anmeldung

Diese Anmeldung ist mit SSL Verschlüsselung gesichert