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Insolvenz: Taunuscamp muss schließen

Ein Foto des Taunuscamps aus guten Zeiten.     Foto: Taunuscamp 

 

Das Geschäft mit Wohnwagen und Wohnmobilen boomt. Die Branche verzeichnet seit Jahren Umsatzzuwächse. Nicht so das Taunuscamp Niederjosbach. Besitzer Jörg Steimer berichtet, dass Insolvenz angemeldet sei. Als Grund gibt er an, dass das vergangene Jahr extrem schlecht verlaufen sei.

Von 2015 bis Ende 2017 hatte er seine Mietwohnmobile an den Kreis vermietet. Der richtete dort während der großen Flüchtlingszuwanderung eine Notunterkunft für bis zu 50 Asylbewerber ein.

In den vergangenen Jahren geriet der Platz außerdem in die Schlagzeilen wegen der irischen Landfahrer, die Steimer seit Jahren auf einem Platz noch vor der Einfahrt zum eigentlichen Campingplatz übernachten ließ – ohne Zwischenfälle, wie sie von anderen Orten berichtet wurden.

Diese Jahre blieben nicht ohne Folgen: „Das Image des Platzes hat darunter gelitten, wir haben nicht intensiv genug dagegen gesteuert“, räumt Steimer eigene Versäumnisse ein.

Taunuscamp: Nach guten Jahren brachen die Einnahmen weg

In den drei Jahren als Flüchtlingscamp waren Verbrauchskosten wegen der Dauernutzung des Campingplatzes und infolge der höheren Einnahmen die Steuerforderungen gestiegen. Auch zusätzliches Personal stellte Steimer ein. 2018 brachen die Einnahmen ein. Notwendige Instandsetzungsarbeiten wurden nicht gemacht. „Die Sanitärhäuser sind zwar erneuert worden, aber nun müsste die Zufahrt dringend ausgebaut werden“, sagt Steimer. Der Asphaltweg, der sich den Hang hinauf schlängelt, wurde um 1970 angelegt und hat inzwischen einige Buckel und Schlaglöcher – ein Gräuel für Wohnwagenfahrer. Außerdem ist er für moderne Fahrzeuge kaum breit genug. Die Fahrzeuge sind in den vergangenen Jahren breiter und länger geworden. Dafür sind die Kurven des Weges nicht ausgelegt. Doch für die Sanierung des Weges fehlt Steimer jetzt das Geld.

Einige Ideen verwirklichte Steimer in den vergangenen Jahren: Er bot Elektrofahrräder an, lotete das Interesse am Glamping aus, eine Art Luxuscamping in gut ausgestatteten Hütten. Die Lage des Platzes, so Steimer, sei einmalig: Die Stellplätze haben einen herrlichen Blick übers Tal, das Areal selbst liegt verkehrsgünstig zur nächsten Autobahnabfahrt. Wiesbaden und Frankfurt sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen.

Steimers Vater Harald hatte die Idee, auf dem Obstbaugelände des früheren Hubertushofs einen Campingplatz zu bauen. 1970 war Eröffnung. Der Hubertushof selbst wurde 1898 von einem Frankfurter Oberlehrer im Landhausstil errichtet. Steimers Großeltern übernahmen das knapp 7 Hektar große Anwesen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und bauten Obst an.

Nächstes Jahr würde der Campingplatz 50 Jahre alt. Steimer hofft auf ein gutes Kaufangebot. Derzeit läuft das Bieterverfahren, die erste Stufe der Insolvenz. Der Bodenrichtwert entspricht laut Steimer dem von landwirtschaftlich genutzter Fläche.

„Die Stadt würde es sehr begrüßen, wenn der Campingplatz weitergeführt wird“, sagt Bürgermeister Alexander Simon. Camper seien ja auch potenzielle Touristen für Burg und Altstadt. Der Bebauungsplan für Niederjosbach weist explizit die Sondernutzung als Campingplatz aus. Eine andere Nutzung könne er sich dort derzeit nicht vorstellen, sagt Simon. Dauerhaftes Wohnen sei auf dem Areal nicht möglich.

Der Rathauschef weist aber auch auf Nachteile des Platzes hin. Das Freizeitbedürfnis der Menschen hat sich verändert. Erfolgreiche Campingplätze liegen heute entweder so stadtnah, dass die Gäste mit dem Rad zur Innenstadt fahren können. Ländlich gelegene Plätze müssen mit Freizeitangeboten, Unterhaltungsprogramm, Gastronomie und gut erschlossenen Erholungsgebieten locken. Idyllische Lage und schöne Wanderwege allein reichen nicht aus. „Aber das Gelände ist wunderschön und der Platz hat Potenzial“, stimmt der Rathaus-Chef dem Besitzer zu.bpa

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