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FWG: Seniorenwohnungen nicht auf Alt-Eppstein konzentrieren

Anstelle von Pfarrheim und Parkplätzen und will die Kirchengemeinde neben der Laurentius-Kirche Wohnungen errichten.Foto: bpa

Die Zielrichtung des FWG-Antrags zur Stadtentwicklung „im Einklang mit der demografischen Entwicklung Eppsteins“

war deutlich: Die Stadt solle analysieren, wie viele barrierefreie und altengerechte Wohnungen in den kommenden Jahren in Eppstein benötigt werden, solle nach geeigneten Flächen im gesamten Stadtgebiet suchen, dabei aber das Grundstück der katholischen Kirche zwischen Bundesstraße, Burgstraße, Hintergasse und Untergasse ausklammern und als Retentionsfläche und Grünanlage in einem neuen Bebauungsplan festschreiben. Um jegliche Entwicklung vorher aufzuhalten solle die Stadt eine Veränderungssperre für dieses Gebiet aufstellen. Denn aus Sicht der FWG habe sich das Grundstück vor der Laurentius-Kirche als ungeeignet für das Bauvorhaben herausgestellt.

Das würde das Aus bedeuten für die Pläne der katholischen Kirchengemeinde, das Gelände samt Pfarrheim einem Investor zu überlassen. Bisher ist vereinbart, dass der Investor das Pfarrheim abreißt und eine deutlich größere Wohnanlage mit rund 20 Seniorenwohnungen baut. Der Städtebauliche Vertrag sieht außerdem einen Veranstaltungsraum oder Saal für die Kirchengemeinde und eine Tiefgarage für die Bewohner vor. Der Stadt überlässt die Kirche einen Grundstücksstreifen für eine Stichstraße samt Parkplätzen für die Altstadt.

Um ihre Interessen an der Vermarktung des Kirchengrundstücks deutlich zu machen, waren einige Vertreter des Verwaltungsrats der katholischen Kirche unter den Zuschauern in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung. „Wir wollen zeigen, dass wir hinter unserem Projekt stehen“, sagte Albert Kretschmer. Die Ängste der Anwohner könne er verstehen, aber schon jetzt gebe es hohe Auflagen für das Projekt. „Die werden nicht kleiner, wenn es in die Detailplanung geht“, sagte er, um zu verdeutlichen, dass das sensible Grundstück nicht zugepflastert werde. Für Überlegungen zu Gestaltungssatzung und Blickachsen zwischen Bahnhof, Kirche und Burg sei es noch viel zu früh, reagierte er auf Bedenken zur Gestaltung der Wohnanlage und den Hinweis der FWG auf die Beschränkungen der Altstadtsatzung.

„Das, was die FWG da fordert, wäre eine Verhinderungsplanung“, monierte Bürgermeister Alexander Simon. Das Gelände sei als Baufläche ausgewiesen und unterliege der Altstadtsatzung. „Das können wir nicht einfach durch eine Veränderungssperre aufheben oder gar als Grünfläche ausweisen“, sagte Simon, zumal der Magistrat und die Mehrheit der Stadtverordneten die Pläne der Kirchengemeinde begrüßten. Der Antrag wird nun im Ausschuss diskutiert.

„Wir haben in den vergangenen Jahren viel zu wenig in Planung und Bau seniorengerechter Wohnungen investiert“, räumte Simon Versäumnisse der Stadt ein. Die FWG wirft der Stadt vor, mit ihrer Bebauungspolitik Flickwerk zu schaffen und Senioreneinrichtungen ausschließlich in Alt-Eppstein zu kumulieren. Laut FWG gebe es mit dem Fliednerheim und der neuen Wohnanlage in der Müllerwies in Alt-Eppstein bereits „gehäuft Einrichtungen für Senioren“, während sich in anderen Ortsteilen kaum oder keine vergleichbaren Einrichtungen fänden. Diesen Vorwurf kann Simon nicht nachvollziehen: „Eppstein ist das Stadtzentrum und bietet die beste Infrastruktur und das in Tallage.“ Noch sind ganz andere Hindernisse zu überwinden. Bevor es an Detailplanung für das Grundstück geht, müssen die Vorschriften der Unteren Naturschutzbehörde umgesetzt werden. Da das Baugelände am Schwarzbach in einem Überschwemmungsgebiet liegt, muss der Investor eine Retentionsfläche als Ausgleich dafür vorweisen. Aus Simons Sicht sei es Aufgabe der Verwaltung, den Investor dabei zu unterstützen, nicht zu behindern. Bisher scheiterten jedoch Versuche, anliegende Grundstücke zu kaufen, um die Fläche zu vergrößern. Eine Lösung für die Ausgleichsfläche habe man noch nicht gefunden, es gebe aber „einige Überlegungen dazu“, blieb Simon vage. Die Stadt sei dabei beratend tätig. Bezahlen müsse der Investor.

Außerdem besteht die Stadt angesichts der Stellplatznot in Alt-Eppstein darauf, dass der Investor die Parkplätze auf dem Gelände der Kirche baut. Bei 20 barrierefreien, aber nicht gebundenen Wohnungen wären das 30 Parkplätze. Würden explizit Altenwohnungen gebaut, müssten statt 1,5 Stellplätzen pro Wohnung nur 0,4 gebaut werden, also bei 20 Wohnungen nur acht Stellplätze. Am Ende, so Simon, entscheide der Markt, ob an dieser Stelle gebaut werden könne und zu welchem Preis – und ob sich das für den Investor noch lohnt.   bpa

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