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„Wir tragen das normale Leben in den Alltag der Seniorenresidenz“

Die Siegerinnen und Sieger beim Spielewettbewerb mit den jugendlichen Helfern.Foto: Frauke Frerichs-Gundt

Auf den Samstagnachmittag freuen sich viele Bewohner der Seniorenresidenz in Eppstein besonders. Dann kommen drei, manchmal auch fünf junge Menschen, um mit ihnen Zeit bei Brett- und Wii-Spielen zu verbringen.

Von den sieben Jugendlichen aus Eppstein und Hofheim kamen am Samstag Benjamin Dick (16), Ramy Ibrahim (16), Lars Wagner (16), Liliya Ivanova (15), Naemi Bornemann (18) und Chantal Steimer (14).

Alle haben einen ähnlichen Leitgedanken, warum sie zum Teil schon seit einigen Jahren zu den Senioren kommen. Sie freuen sich, anderen Menschen Freude zu bereiten. „Ich habe danach das gute Gefühl, etwas Sinnvolles geleistet zu haben“, sagt Lars Wagner. Motivation schöpft er aus dem Treffen mit den anderen Jugendlichen. Außerdem gefällt ihm der technische Aspekt im Umgang mit der Wii auf der Videospielkonsole.

Ihm ist das konkrete Helfen wichtig und er könnte sich einen Beruf vorstellen, in dem er Menschen in Notfällen hilft. In dem Spielkreis betreut er vor allem die Wii-Gruppe. „Es ist toll zu sehen, wie die älteren Menschen die Wii immer besser bedienen können“, lobt er. Die sichtbaren Fortschritte faszinieren ihn, es sei cool zu sehen, wie Menschen bis ins hohe Alter dazulernen könnten. Auch Ramy Ibrahim ist von den Senioren beeindruckt. „Ich erlebe hier eine Lebensfreude, die man angesichts ihrer körperlichen Einschränkungen nicht erwartet“, freut er sich. Ihm imponieren die Hilfsbereitschaft und Kontaktfreudigkeit sowie das intensive Interesse an vielen Themen oder das enorme Hintergrundwissen über Fußball.

Vergangenen Samstag trafen sich die Bewohner zu einem Wettbewerb im Brettspiel und an der Wii. Auch wer keinen der ersten Preise gewann, freute sich über eine Schachtel Pralinen als Trostpreis. „Der Wettbewerb war für die Senioren wie ein kleines Fest“, stellte Naemi Bornemann fest. „Das Spielen macht die Menschen glücklich“, sagt sie und empfindet es so, als ob man ein Stück Nestwärme miteinander teile. Das gemeinsame Spielen sei ein Geben und Nehmen, denn es komme sehr viel Herzlichkeit zurück. Naemi arbeitet im freiwilligen sozialen Jahr im Kreiskrankenhaus in Hofheim, wird teilweise in der Geriatrie eingesetzt und hat deshalb schon einige Erfahrung im Umgang mit älteren Menschen. Später möchte sie Krankengymnastin werden oder mit Kindern arbeiten.

Der Kontakt zu den Jugendlichen ist für manche Bewohner der einzige Kontakt zur Außenwelt, hat Ramy Ibrahim festgestellt. Ihm sei die Familie sehr wichtig und es stimme ihn traurig, dass manche Bewohner nur ein oder zweimal im Jahr Besuch bekämen. Auch für Benjamin Dick steht die Motivation, Freude zu stiften, an erster Stelle. Er will einen Beitrag zur Hilfe zwischen Generationen leisten. Vorbild für ihn sei seine Familie. Zu seinen beiden Großmüttern habe er ein sehr gutes Verhältnis, und er möchte diese Liebe auch den Bewohnern ohne familiären Zusammenhalt geben. Er teilt sich den Samstag auf zwischen Fußball und Ehrenamt. Trotz Turniereinsatz nahm er sich vergangenen Samstag Zeit für den Spielewettbewerb.

Es solle kein Samstag ausfallen, auch nicht in den Ferien, darüber ist sich die Gruppe einig. Sie haben sich so organisiert, dass immer mindestens drei der sieben Jugendlichen vor Ort sein können. Chantal Steimer war vergangenen Samstag zum ersten Mal dabei. „Es ist besser, als ich es mir vorgestellt habe“, fasste sie die Erfahrung ihrer Schnupperstunde zusammen und freute sich über die gute Stimmung, die vielen Späße und die Gemeinschaft der Bewohner.

Manchmal jedoch schlagen beim Spielen die Wogen der Emotionen hoch. Dann trifft Liliya Ivanova den richtigen Ton. Sie bremst allzu temperamentvolle Bewohner mit ihrer freundlichen, aber konsequenten Art und bringt mit einem Lächeln Ruhe in die Situation. Cool und gelassen zu bleiben und sich auf wechselnde Situationen einzustellen, das habe sie von ihren Eltern gelernt, meint Liliya. Sie selbst kam im Alter von sechs Jahren aus Bulgarien nach Deutschland und musste einige gravierende Veränderungen bewältigen. Es sei schön zu erleben, wie sich die alten Menschen öffneten und mit wie viel Herzlichkeit sie empfangen würden, beschreibt sie ihre Erfahrung.

Man schließe Freundschaften, und erzähle sich gegenseitig seine Erlebnisse. „Wir tragen ein Stück weit das normale Leben in den Alltag der Residenz“, fasst sie zusammen. Die junge Frau sieht ihr Ehrenamt in der Seniorenbetreuung aber auch als eine Art Praktikum. „Hier kann ich Erfahrungen in vielen Aspekten der Arbeitswelt sammeln, ich sehe den Verwaltungsaufwand und lerne den Umgang zwischen Kollegen kennen“. Ihr Berufswunsch sei noch völlig offen, auch wenn sie demnächst ein Praktikum bei der Polizei beginnt.

Begeistert sind alle sieben Jugendlichen von den Spielenachmittagen. Jeder, der Lust hat in dieser engagierten Gruppe mitzumachen, ist willkommen. Ansprechpartner in der Seniorenresidenz ist Kamal Ibrahim, erreichbar per E-Mail: kibrahim[at]kliniken-mtk.de[dot]ffg

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