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Neben Schulgeld und Spenden ist konkrete Aufbauhilfe gefragt

Mittagessen an der Baharini Grundschule in Kilifi. Fotos: privat

Beim Freundeskreis Ostafrikahilfe herrscht Aufbruchstimmung. Seit April ist Guido Ernst neuer Vorsitzender des Vereins, ihm zur Seite als zweiter Vorsitzender steht der langjährige Vorsitzende und Vereinsgründer Hans Meisemann.

Gemeinsam bereiteten sie die jüngste Reise im Oktober nach Kenia vor. Meisemann hatte für Ernst Termine für Besuche, Besichtigungen und Treffen vereinbart. Außerdem hatte Ernst ein ausrangiertes, aber voll funktionsfähiges Ultraschallgerät im Gepäck, das der Niederjosbacher Arzt Friedhelm Fischer für das von der Ostafrikahilfe gegründete Gesundheitszentrum „Kanamai Health Service“ in Kilifi gespendet hatte. Zufällig traf Ernst bei seiner Ankunft Helfer der „Help Alliance“ und „Contribute“, Hilfseinrichtungen von Lufthansa- und Condorbeschäftigten, die eine HNO-Untersuchungs- und Behandlungseinheit für die Klinik in Kilifi mitgebracht hatten.

Der Eppsteiner Freundeskreis arbeitet seit vielen Jahren mit den beiden Hilfsorganisationen zusammen. Gemeinsam mit Guido Ernst montierten die beiden anderen deutschen Helfer die beiden technischen Untersuchungsgeräte im Gesundheitszentrum und vereinbarten weitere gemeinsame Aktivitäten.

In Kilifi überzeugte sich Ernst in der Baharini Grundschule, wie wichtig das vom Freundeskreis und einer Gruppe kanadischer Spender finanzierte Mittagessen für die Schüler ist. 1260 Kinder erhalten täglich eine warme Mahlzeit – für viele Eltern ein wichtiger Grund, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Bei der Ausgabe von Reis und Bohnen vor der aus einfachen Steinen geschichteten Kochstelle stehen die Jungen und Mädchen geduldig Schlange.

In Kilifi traf sich Ernst mit dem für diese Region zuständigen Bildungsminister, um über die Einführung eines dualen Berufsausbildungssystems ähnlich wie in Deutschland zu diskutieren. Ernst fand den Minister sehr aufgeschlossen für die Idee eines Pilotprojekts nach deutschem Vorbild. Voraussetzung sei, dass der Staat das Schulgebäude errichtet, machte Ernst dem Minister klar. Außerdem argumentierte Ernst, dass für die Berufsausbildung das sonst in Kenia übliche Schulgeld erlassen werden müsste und der Staat die Lehrer entlohnt. In Kenia gibt es wegen des Schulgeldes für mittellose Schüler nach der achten Grundschulklasse keine Möglichkeit für eine weitere schulische oder berufliche Ausbildung.

Dieses System versucht der Freundeskreis schon seit vielen Jahren durch seine Initiativen zu durchbrechen. In der St. Joseph-Schule in der Nähe des Gesundheitszentrums wurden viele dieser Ideen bereits verwirklicht. Dort gibt es Werkstätten für unterschiedliche Berufszweige.

Auf eigenen Wunsch, so Ernst, verzichtet die Schule künftig auf die Unterstützung aus Deutschland und will sich selbst finanzieren.

Stattdessen nahm Guido Ernst Kontakt mit einer von einem Orden der Diözese Mombasa betriebenen Berufsschule auf und traf dort auf einige Stipendiaten der Ostafrikahilfe. Künftig will der Freundeskreis diese Schule bei Mombasa finanziell unterstützen, beispielsweise weitere Stipendien für Schüler zahlen, die sich das Schulgeld nicht leisten können, obwohl das in dieser Schule deutlich niedriger sei als sonst in Kenia üblich. Trotzdem beträgt es immer noch 250 Euro für ein Jahr“, sagt Ernst. Die Erfolgsquote der Schulabgänger sei hoch. Die meisten haben sofort einen festen Arbeitsplatz,

Der Freundeskreis will die Schule bei der Einrichtung eines geplanten dritten Standorts mit neuen Berufsschulklassen für Elektriker und Maurer unterstützen. „Diese Schule funktioniert so, wie wir es uns vorstellen“, sagt Ernst: „Die Schüler stellen Tische und Pulte selbst her, in der Kochklasse wird das Mittagessen zubereitet, der Schulhof ist eine begrünte Oase, den Schüler und Lehrer pflegen.

Zum vierten Mal reiste Guido Ernst jetzt für die Ostafrikahilfe nach Kenia und sagt, er sei jedesmal aufs Neue begeistert. Die wertvollste Erfahrung, die er gern nach Hause transportieren würde, ist die Freude, mit der die Kinder in Afrika zur Schule gehen und wie sehr sie sogar die einfache Schulspeise genießen.

Ernst berichtete außerdem von mehreren Treffen mit dem Erzbischof von Mombasa und den Verantwortlichen für die medizinischen Einrichtungen der Erzdiözese. Vor fünf Jahren übernahmen sie die Trägerschaft für das Gesundheitszentrum in Kilifi. Gemeinsam mit dem Beirat diskutierten sie über die Zukunft des Gesundheitswesens.

Es bleibt weiterhin auf Spenden angewiesen, da die überwiegend armen Menschen in der länglichen Region Kanamai kein Einkommen haben und viele die Kosten für die Behandlung nicht aufbringen können. Wenn sie das nachweisen, erhalten sie Geld für die Behandlung aus Spendenmitteln. Auch der Transport ausrangierter medizinische Geräte oder Maschinen und Werkzeuge für die Schulwerkstätten lohne sich – Trotz der Schwierigkeiten bei der Einfuhr mit dem Zoll. „Gebrauchte Geräte sind in Kenia nahezu unbezahlbar“, sagte Ernst.

Einmal im Jahr, das nächste Mal am 12. Januar, bezahlt der Förderkreis einen freien Behandlungstag mit über 40 Ärzten und Krankenpflegern. Im vergangenen Jahr kamen an diesem Tag über 1000 Menschen, um sich behandeln zu lassen.    bpa

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