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Eppsteiner Tafelbild ist frühe Kopie eines barocken Meisters

Der Fördervereinsvorsitzende Karl Lindenmayer (Mitte) eröffnet die Ausstellung im Pfarrheim. Foto: Beate Palmert-Adorff

Die Spurensuche nach der Herkunft des Tafelbildes „Christus vor dem hohen Rat“ ist einen Schritt weiter. Wie berichtet, wurde das Bild 1626 von einem Maler namens „Abraham de Eger“ oder „Dreger“ gemalt. Woher der Maler stammte und wie sein Bild nach Eppstein kam ist nicht bekannt.

Gefunden wurde es 1963 in der alten Sakristei. Das Bistum Limburg schätzte das Bild für bedeutend genug ein, um die Restaurierung zur Häfte zu finanzieren.

Am Sonntag präsentierte der Förderverein der St. Laurentius-Kirche das gereinigte und aufgearbeitete Bild im Rahmen einer Ausstellung im Pfarrsaal in Alt-Eppstein. Er übernahm die weiteren Kosten für die Restaurierung und bereitete die Ausstellung vor. Vorstandsmitglied Andreas Christmann brachte gut 20 eigene Gemälde mit – Portraits, Tiere, farbenfrohe Landschaften und fünf Kopien barocker Meister – um die Ausstellung zu ergänzen.

Eine Leserin der Eppsteiner Zeitung erkannte beim Lesen der Ausstellungsankündigung in der EZ das Motiv „Christus vor dem hohen Rat“ und gab den entscheidenden Hinweis auf das Original, das der Maler des Eppsteiner Bildes kopiert hat: Der Utrechter Caravaggist Gerard van Honthorst malte es auf seiner Romreise 1617 für den Palazzo eines reichen römischen Bürgers. Inzwischen hängt das Original in der Londoner National Gallery, war aber im Frühjahr für die Sonderausstellung „Utrecht, Caravaggio und Europa“ an die Pinakothek in München ausgeliehen.

Wegen des außergewöhnlichen Bildthemas, des großen, fast drei Meter hohen Formats und der Gestaltung nehme das Bild eine Sonderstellung im Werk van Honthorsts ein, heißt es im Ausstellungskatalog. Seine einzigartige Komposition mit nur einer Lichtquelle, die die sich gegenüber stehenden Hauptpersonen hervorhebt, vermutlich Hohepriester Kaiphas und Christus, wurde bereits zu Lebzeiten des Künstlers hochgelobt und vielfach kopiert. Insgesamt 30 Kopien seien bekannt.

Mindestens sechs entstanden noch zu Lebzeiten des Malers. Das in Eppstein gefundene zählt auch zu den frühen Kopien, selbst wenn es möglicherweise die Kopie einer Kopie ist. „Unser Bild wäre dann die siebte bekannte Kopie“, sagte Christmann und wies auch auf geänderte Details hin: beispielsweise den Text im aufgeschlagenen Buch im Zentrum des Bildes. Im Original sind hebräische Schriftzeichen zu erkennen, in der Eppsteiner Kopie ist ein Pilatus-Zitat in lateinischer Sprache zu lesen. Schon das Original wurde in einigen Quellen fälschlich als Szene mit Christus vor Pilatus bezeichnet.

Historiker Bertold Picard berichtete, was in der Zeit, in der die Eppsteiner Kopie entstand, in Eppstein passierte: „1622 belagerte die spanische Armee Eppstein, das sich nach drei Tagen kampflos ergab“, erzählte Picard. Das Bild sei während des 30-jährigen Krieges entstanden (1618-1648). Er brachte Krankheiten, Brände und die Pest nach Eppstein.

Auch die beiden Musiker, Birgit Schmickler (Alt und Klavier) und Martin Hubblow (Blockflöte) entführten die Ausstellungsbesucher mit Bach- und Händel-Sonaten und dem zarten Lied „Suave Melodia“ in die Zeit des Barock. Pfarrer Gaspar Minja freute sich, dass viele Besucher, auch aus anderen Stadtteilen, zur Ausstellung gekommen waren. Einige nutzten die Gelegenheit auch, um sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren. Am Wochenende stehen Pfarrgemeinderatswahlen an. bpa

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