Verkauf und Rettung der Burg

Ramon Olivella, Sabine Bergold und Monika Rohde-Reith (v.re.) begrüßen die Besucher zur Ausstellungseröffnung in der Sakristei.Foto: bpa

Allein im Museum verzeichneten Museumsleiterin Monika Rohde-Reith und ihr Team am Tag des offenen Denkmals am Sonntag in der Zeit von 14 bis 17 Uhr 87 Besucher und über 100 am Pfingstmontag.

Viele Familien nutzten die Gelegenheit auch, um vom Palas aus über die Altstadt zu blicken oder vom Bergfried die Aussicht zu genießen. Dort herrschte zeitweise Hochbetrieb, ähnlich wie zur Eröffnung der Ausstellung „… das verwüstete verfallene Schloß Eppstein“ am Sonntag um 15 Uhr in der Sakristei.

Auf acht großformatigen Ausstellungsfahnen arbeitete Rohde-Reith historische Fakten zu Beiträgen auf, wie sie heute auf einer Social-Media-Plattform gepostet würden: Historische Persönlichkeiten wie Gottfried VII. von Eppstein lässt sie über seine Heiratspolitik, die Investition in die Verteidigungsanlagen oder seinen verhängnisvollen Entschluss, die Eppsteiner Linie zu teilen, sprechen. Aktuell auf der Burg aktive Menschen wie Burgenfachmann Joachim Zeune oder besser dokumentierte Akteure der Geschichte wie der erste Burgenkonservator Franz Burkhard werden wörtlich zitiert. Zur besseren Unterscheidung sind die Originalzitate rot markiert.

Anschaulich werden die einzelnen Posts durch Icons, die die Personen zeigen – entweder, falls vorhanden, im Portrait oder mit passender Illustration. So steht für den sagenhaften Gründer des Hauses Eppstein, Königsundergaugraf Eberhard, der behelmte Kopf eines Ritters, das Icon für den Mainzer Kurfürst Daniel Brendel von Homburg, der sich 1581 mit unlauteren Mitteln die Hälfte der Herrschaft Eppstein von den protestantischen Stolbergern zurückholte, zeigt das gemalte Portrait eines griesgrämigen Manns mit weißer Halskrause – „wegen der gelungenen Darstellung mein persönliches Lieblings-Icon“, sagt Rohde-Reith lachend.

Wie auf einer Social-Media-Plattform kommentiert die Ausstellungsmacherin etliche Posts mit Emojis, mal weinend, mal lachend, mal applaudierend oder mit einem Sympathie-Herz, etwa für den menschlichen Amtmann Seebold, der sich 1803, allerdings vergeblich, bei seinem Dienstherrn, der Hofkammer des Fürstentums Nassau-Usingen, für die Eppsteiner und ihren Wunsch einsetzte, das Schloss nicht für den Abbruch freizugeben.

Mit Zeitungsausschnitten und Initiativen wie einem Aufruf des Verschönerungsvereins 1961 unter dem Motto „Rettet die Burg“ dokumentiert Rohde-Reith die ersten gemeinsamen Versuche der Stadt und engagierter Eppsteiner, Geld für die Sanierung der maroden Burgmauern zu beschaffen.

Diesem bürgerschaftlichen Engagement widmet Rohde-Reith einen großen Teil der Ausstellung.

Gelungene Mischung aus Historie und aktuellen Zitaten

Die Ausstellung zeigt, wie sich Menschen bei der Stadtwache, den Burgschauspielern oder im Burgverein gemeinsam engagieren: Mit Schubkarre und Schaufel bei Arbeitseinsätzen, beim Brutzeln von Reibekuchen oder beim Ausrichten von Veranstaltungen und Aufführungen zugunsten der Burg. Ausführlich wird die Entwicklung des Burgvereins dargestellt, von der Initiative, die 1972 ein Fest zugunsten der Burg feierte bis zur Vereinsgründung 1974 mit dem einzigen Vereinszweck, die Erhaltung der Burg zu unterstützen.

Erste Stadträtin Sabine Bergold zollte dem Burgverein ausdrücklich ihren Dank, denn ohne seine finanzielle Spende würde es die Ausstellung dieses Jahr nicht geben, weil die Stadt bei freiwilligen kulturellen Leistungen, wie der Ausstellung, sparen muss.

Der Vorsitzende des Burgvereins, Ramon Olivella, lobte, das Thema der Ausstellung passe „wie die Faust aufs Auge“ ins Jubiläumsjahr des Burgvereins, der dieses Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. Die Museumsleiterin gab das Lob weiter an die Bremthaler Grafikerin Dorothea Lindenberg, die in liebevoller Kleinarbeit Bilder und Fotos bearbeitete. So löste sie mangels eines Portraits für das Icon des Müllers Adam Fach die Darstellung der Bannmühle im Fischbachtal aus einem Kupferstich von 1803. Fach kaufte die Ruine 1823 mit der Absicht, sie als Steinbruch zu nutzen.

Viel Lob erhielt Monika Rohde-Reith für die ungewohnte Form ihrer Ausstellung: Ulrike Emmenthal-von Hein aus Vockenhausen kommentierte begeistert: „Wenn man einmal angefangen hat zu lesen, kann man nicht mehr aufhören!“ „Eine tolle Mischung aus Historie und aktuellen Zitaten“, lobte Thomas Klein aus Vockenhausen.

Rohde-Reith lässt in der Ausstellung historische Persönlichkeiten, aber auch nahezu unbekannte Menschen zu Wort kommen, entweder mit Originalzitaten oder sachlich korrekte Aussagen mit historisch verbürgtem Inhalt. Sie spannt dabei den Bogen von den Anfängen der Burg, über die Zeiten des Auf- und Ausbaus bis hin zum beginnenden Zerfall, dem bewusst herbeigeführten Abbruch, der Aufwertung der Ruine zum romantischen Sehnsuchtsort und der seit 200 Jahren andauernden Rettung und Sanierung der Burg.

Parallel dazu werden neben den historischen Zitaten neueste Forschungsergebnisse gepostet und aktuelle Einschätzungen der geschichtlichen Ereignisse. Immer sind es Worte von Menschen, die einst gelebt haben – oder noch leben – und in irgendeiner Form einen Bezug zur Eppsteiner Burg haben.

Die Faszination für die Burg halte bis heute an und halte auch den Burgverein lebendig, bekräftigte der Vorsitzende des Burgvereins. Die Ausstellung dokumentiere nicht nur die Geschichte des Einsatzes der Eppsteiner für ihre Burg, sie stehe auch für das erklärte Ziel des Burgvereins, moderner zu werden und die Menschen direkt anzusprechen.

Auch viele der Besucher, die am Wochenende auf die Burg kamen, verbanden mit der Burg konkrete Erinnerungen und Emotionen: Bärbel und Karl Carlsen aus Hofheim zum Beispiel haben früher in Eppstein gewohnt. Beim Familienausflug mit den beiden Töchtern, deren Ehemännern und zwei Enkeln wollten sie die ehemalige Heimat wiedersehen und erklommen gemeinsam den Bergfried. Die Burg erinnere sie an ihre Hochzeit 1982, sagte das Ehepaar: „Wir haben sie zu Hause in Eppstein gefeiert und bekamen von den Nachbarn eine extra bei der Stadt für unsere Hochzeit bestellte Burgbeleuchtung geschenkt.“

Ralf und Anne Weitbrecht, die zur Ausstellungseröffnung kamen, feierten 1992, also zehn Jahre später, ihre Hochzeit in der Burgkemenate. „Es war der letzte schöne Tag im September und abends leuchtete der Vollmond über der Burg, das war magisch“, weiß Weitbrecht noch genau.

Vielleicht sind es solche besonderen Momente, die Menschen dazu bewogen haben, sich für die Burg einzusetzen. Ralf Weitbrecht jedenfalls gehört dazu. Er hat in der jüngsten Mitgliederversammlung den Posten des Pressesprechers im Burgverein übernommenbpa

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