Gemeinde hat im Jubiläumsjahr nicht nur Grund zum Jubeln

Mit schlichter Einrichtung, Taufbecken aus Edelstahl und Altartisch aus Holz, umgeben von Glas und den Fenstern nach Entwürfen des Glaskünstlers Johannes Schreiter bietet der Altarraum auch Platz für die Organisatoren des Jubiläums (v.li.): Stiftungsvorstand Bernhard Retzbach, Friedhelm Fischer als einer der Mitgründer der Gemeinde, Dirk Roethele und Dorothea Lindenberg vom Kirchenvorstand und Pfarrer Moritz Mittag. Foto: Beate Schuchard-Palmert

Gegen viele Widerstände und trotz vieler Rückschritte haben Bremthaler Protestanten zwischen 1967 und 1997 ihre Unabhängigkeit von der Eppsteiner Talkirchengemeinde durchgesetzt und 1997 die Einweihung ihres Gemeindezentrums in der Freiherr-vom-Stein-Straße gefeiert.

Seit seinem Dienstantritt 1987 setzte sich Pfarrer Moritz Mittag wie schon seine Vorgänger dafür ein. Bis heute halte dieses „Dennoch-Feeling“ bei ihm an, sagt Pfarrer Moritz Mittag im Pressegespräch zum 25-jährigen Bestehen der Gemeinde nachdenklich. Noch 1989 habe ihm ein Vertreter der evangelischen Landeskirche in Darmstadt angekündigt: „Ihr Bleistift bleibt in Eppstein!“. Seinen Bleistift habe er gern aufgegeben, nachdem das neue Haus auf dem kircheneigenen Grundstück in Bremthal stand, erinnert sich Mittag schmunzelnd.

Ein weiteres Beispiel für das „Dennoch“ seien die markanten Glasfenster des Künstlers Johannes Schreiter. 1987 habe er ihn auf dem Kirchentag getroffen und um ein Autogramm gebeten. Die Widmung „Logik ist Geist im Rollstuhl“ fiel ihm wieder ein, als er den Künstler einige Jahre später bitten wollte, ein Fenster für das neue Zentrum zu entwerfen. Für Mittag wurde das Zitat zum Entree bei dem renommierten Künstler. Doch nach einem viel versprechenden Erstgespräch kam zunächst eine Absage. Die Bremthaler ließen sich nicht einschüchtern, wurden erneut vorstellig. „Schließlich brachte ein Gespräch bei leckerem Erdbeerkuchen und Kaffee den Durchbruch“, erinnerte sich Mittag. Die Fenster sind längst integraler Bestandteil des baulichen Gesamtkonzepts: einprägsam, ohne aufdringlich zu wirken.

40 regelmäßige Gottesdienstbesucher zählte die evangelische Emmausgemeinde vor ihrem Umzug in das eigene Gemeindezentrum als Gäste der katholischen St. Margareta-Kirche. Im eigenen Haus waren 70 Besucher, häufig noch mehr, keine Seltenheit. Die zahlreichen Gruppen für Kinder, Jugendliche, Familien, Eltern, Berufstätige, Senioren oder Trauernde und ihre noch zahlreicheren Aktivitäten geben Raum für gemeinsame Interessen wie Kochen, Wandern, Pilgern, Singen oder Gespräche über „Gott und die Welt“. Feste, Konzerte und Angebote wie der Adventsbasar des bereits 1990 gegründeten Sticktreffs oder die Fundraising-Abende der 2003 gegründeten Emmausstiftung zeigen, wie intensiv die einzelnen Gruppen miteinander vernetzt sind. Das Motto „Beziehung Stiften“, so Mittag, spiele eine wesentliche Rolle. Viele Ehemalige halten laut Mittag bis heute Kontakt zur Emmausgemeinde.

Der aktuelle Gemeindebrief ist diesmal dem Jubiläum gewidmet und bietet einen Überblick, samt Zeitleiste zu Geschichte und Vielfalt des Gemeindelebens und erinnert an wegweisende Anschaffungen wie den Kauf einer Orgel, eines Konzertflügels oder den Bau des Glockenturms 2010.

Gefeiert wird an zwei Wochendenden: Am Sonntag, 1. Mai, mit einem Festgottesdienst um 10.45 Uhr und Festkonzert mit dem Pianisten Valentin Blomer um 19.30 Uhr.

Für das Wochenende 2. und 3. Juli bereiten die Gruppen der Gemeinde ein buntes Programm vor.

Bei allem Jubel sind Kirchenvorstand und Pfarrer auch selbstkritisch und analysieren in einer Arbeitsgruppe den Mitgliederschwund in ihrer Gemeinde. Grafikerin Dorle Lindenberg hat ein leuchtend gelbes Transparent dazu entworfen mit der Aufschrift „Emmausgemeinde 2022: 1498 Mitglieder“, das zur Mahnung an der Fassade aufgehängt werden soll.

Seit 2010 hat die Gemeinde rund 500 Mitglieder verloren, sei es durch Wegzug, Tod oder Austritt. Mit dem Jubiläum wolle man zur Diskussion anregen. Die Menschen müssten eine Wahl treffen, wohin der Weg führen solle, sagt Mittag. Denn bei aller Kritik an der Kirche fragt er die Kritiker: „Wer soll das alles machen, wenn es uns nicht mehr gibt!“bpa

Die Emmausgemeinde hat eines ihrer prominentesten ehemaligen Gemeindemitglieder für das Festkonzert zum Auftakt ihrer 25-Jahr-Feier gewonnen: Valentin Blomer spielt am Sonntag, 1. Mai, um 19.30 Uhr Werke von Mozart und Chopin im Gemeindezentrum. Blomer, der an der Frankfurter Musikhochschule studiert hat, trat bereits während seines Studiums bei zahlreichen großen Musikfestivals auf und nahm an zahlreichen Wettbewerben teil. Er ist mehrfach ausgezeichneter Pianist und hat darüber hinaus eine steile Karriere als Mathematiker und analytischer Zahlentheoretiker gemacht und arbeitet an der Universität Bonn.

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