„Zehn Freunde“ – In der Altstadt nicht gewollt

Die lange Dinner-Tafel in der Burgstraße mit Blick auf Burg Eppstein und Kaisertempel scheitert am Widerstand einiger Anwohner.Foto: jp

Die Absage des Dinner-Abends unter dem Titel „Zehn Freunde in der Altstadt“ zieht weitere Folgen für die Altstadt nach sich.

Wie berichtet, beugte sich der Gewerbeverein IHH als Veranstalter dem Widerstand einiger Anwohner – 25 Burgstraßenbewohner, davon etliche aus gemeinsamen Haushalten, protestierten mit ihrer Unterschrift gegen die Veranstaltung – und zog Konsequenzen: Das für den 12. September geplante Event mit einem eigens für die Altstadt erarbeiteten Konzept mit Hygienestandards und Abstandsregeln in Corona-Zeiten sollte als Blaupause für weitere Veranstaltungen gelten. So sagte der IHH-Vorstand den Weihnachtsmarkt 2020 definitiv ab. Zuvor gab es Bestrebungen den Weihnachtsmarkt in abgespeckter Form nach dem Motto „Zehn Freunde an einem Stand“ zu organisieren.

Auch ein Konzept für das seit Jahren leer stehende Burg-Café am zentralen Wernerplatz will IHH-Chef Markus Rösmann nun nicht weiter verfolgen. Gemeinsam mit drei Gastronomen wollte der Veranstaltungsmanager, dem die beiden Veranstaltungsräume Percuma und Botanical im Gewerbegebiet West gehören, ein Popup-Cafè-Bistro mit Kunst- und Kultur-Events eröffnen. Die Schlüssel zum Café, die er von den Vermietern bereits erhalten hatte, wolle er zurückgeben, sagte er am Freitag. Als Grund nannte er im Gespräch mit der Eppsteiner Zeitung, dass ihm das klare Signal der Stadt fehlte, dass sie hinter seiner Gruppe und dem Konzept stehe.

Er führte aus, dass sich einige Anwohner durch die frühzeitige Information der Eppsteiner Zeitung übergangen fühlten. Da sei in der Kommunikation einiges schief gelaufen, räumte er ein, andererseits hatte die EZ stets betont, dass die Veranstaltung noch nicht genehmigt sei. „Jeder der Kritiker hatte die Möglichkeit, sich bei uns nach den Plänen zu erkundigen“, betonte Rösmann, einer der Aktiven bei den Eppsteiner Machern im IHH und in der Altstadtgruppe der Initiative „Eppstein lebt“, die die Idee für ein Straßenfest in der westlichen Burgstraße hatten.

Die Ansicht der schmalen Straße, die auf Burg und Fachwerkhaus zuläuft, ist eines der beliebtesten Fotomotive in Eppstein, zusammen mit fröhlichen Menschen beim Dinner sollte laut Rösmann ein starkes Bildmotiv mit über Eppstein hinausreichender Signalwirkung entstehen. Die westliche Burgstraße ist auch das visuelle Motiv der Initiative „Eppstein lebt“ um Gabriele Erschens-Waldorf und Dorothea Lindenberg. Beide haben übrigens ihr gemeinsames Büro für Innenarchitektur und Grafik-Design in der ehemaligen Burgbuchhandlung in der Burgstraße zum Oktober gekündigt.

Ob früh angekündigt oder später – es handelte sich immer um das gleiche, von der Stadt für gut befundene Veranstaltungskonzept. Viele Gäste, hatten bereits ihr Interesse an einem Tisch bekundet, darunter einige Vereinsgruppen, die nun sehr enttäuscht sind.

Enttäuschung über die Dinner-Absage

In einem fast zweistündigen Gespräch versuchte Rösmann am Dienstag vor einer Woche den Gegnern sein Konzept zu erläutern. Die vier Hauptkritikpunkte, Rettungswege könnten nicht gewährleistet, Abstände von 1,5 Meter zwischen Tischen und Häusern nicht eingehalten werden, zu hohe Geräuschkulisse durch Teilnehmer und Hintergrundmusik, zu enge räumliche Verhältnisse in der Burgstraße, habe der Veranstalter ausräumen können, waren sich Stadt und Rösmann einig. Trotzdem sei es zu keinem Einverständnis gekommen. Einer der Veranstaltungsgegner drohte sogar rechtliche Schritte an. Schon da habe für ihn festgestanden, vor Gericht werde er nicht gehen, sagte Rösmann.

Von solchen Drohungen mache er die Entscheidung nicht abhängig, betonte Bürgermeister Alexander Simon am Tag nach dem Gespräch, aber die Verwaltung benötige Zeit, um mögliche rechtliche Konsequenzen abzuwägen. „Die Idee ist gut und ich hoffe, dass sie doch noch umgesetzt wird, wenn die Anwohner Zeit haben, sich damit auseinanderzusetzen“, sagte Simon. Als Bürgermeister sei es auch seine Aufgabe, den sozialen Frieden in der Stadt zu wahren. Deshalb schlug der Rathauschef als Kompromiss vor, die erste Veranstaltung dieser Art auf die Burgstraße zwischen Burg-Café und Hintergasse zu verlegen. Im Laufe des Mittwochs habe es dazu mehrere Gespräche und sogar einen Ortstermin gegeben, sagte Simon. Er habe Rösmann Zeit lassen wollen, die Idee abzuwägen und setzte die Entscheidung über die Veranstaltung aus.

Rösmann lehnte den Kompromiss ab, unter anderem, weil das gesamte Hygienekonzept neu aufgestellt werden müsste. Schon das bisherige Konzept hat Kosten verursacht, die Rösmann übernahm, um den IHH zu entlasten. Außerdem könnten dort nur zehn statt 15 Tische gestellt werden. Als wichtigsten Grund jedoch gab er an, dass die Veranstaltung ein wichtiges Zeichen setzen und mit einem starken Bildmotiv Werbung für ein modernes Eppstein machen wollte.

Streit sei nicht das Zeichen, das man für die Altstadt setzen wollte, zog Rösmann Bilanz und sagte das Altstadt-Dinner am Mittwochabend kurzerhand ab. Aus seiner Sicht fehlte eine klare Entscheidung seitens der Stadt für die Veranstaltung. Er respektiere zwar die Bemühungen des Rathauschefs, einen Kompromiss zu suchen, sagte Rösmann, warf ihm aber vor, sich am Ende nicht eindeutig hinter die Veranstalter gestellt zu haben. „Das ist ein fatales Zeichen für alle, die etwas in der Altstadt bewegen wollen.“

In den vergangenen Jahren zeigte es sich immer wieder, dass etliche Alt-Eppsteiner ein tiefes Misstrauen gegen Veränderungen in der Altstadt hegen. Wie groß die Enttäuschung bei vielen Andersdenkenden ist, zeigten etliche Kommentare zur Absage am Freitag auf dem Wochenmarkt und in den sozialen Medien. „Tolles Engagement wird durch eine Minderheit zerstört“, kommentierte ein Nutzer, „konnte man sich hier nicht dem Wunsch der Allgemeinheit beugen“, eine andere Nutzerin.

Rösmann bedauert, dass die vielen aktiven Menschen in Alt-Eppstein „nun leider nicht das so wichtige Zeichen nach Innen bekommen, dass in Eppstein auch etwas Neues“ möglich sei. bpa

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04. September 2020 - 19:22

Zehn Freunde

Als eine der Initiatorinnen des Projekts »Eppstein lebt!« wurde ich heute auf dem Eppsteiner Wochenmarkt von allen Seiten angesprochen.
1. »Was sagen Sie zur Absage der Veranstaltung ZEHN FREUNDE?« und 2. »Haben Sie Ihr Büro deshalb gekündigt?«
Zu 1: Wir bedauern sehr, dass diese Veranstaltung am Einspruch einiger Anwohner der Burgstraße gescheitert ist. Sie war klug und gründlich geplant, nichts wurde dem Zufall überlassen. Dreck und Lärm und wildpinkelnde Besucher hätten keine Chance gehabt. Schade, dass ein sachlicher Dialog nicht möglich war.
Zu 2: Nein, die Kündigung unseres Büros hat mit dieser Sache nichts zu tun und gehört überhaupt nicht in diesen Artikel. Sie ist unsere Privatangelegenheit.

02. September 2020 - 14:08

"Zehn Freunde" wurden im Stich gelassen

Man will zu dieser Absage dringend etwas sagen. Seine Enttäuschung los werden … aber es fehlen einem fast die Worte. Unvorstellbar, was an Arbeit in der Vorbereitung hinter diesem zauberhaften Projekt stand! Gemacht für Eppstein, für die Eppsteiner Bürger. Ich vermisse ein Rückgrat in der Stadt Eppstein.

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