Der Bürgermeister blickt zurück

Im Schatten des eingerüsteten Burgturms fanden die Burgfestspiele PLUS statt

Liebe Eppsteinerinnen und Eppsteiner,

der Jahreswechsel ist eine besondere Zeit. Man hält inne. Blickt zurück und fragt sich: was hat man erreicht? Und was wird das neue Jahr bringen? Gerade diese Frage löst momentan bei vielen weniger Hoffnung, sondern vielmehr Sorge aus.

Bereits zum zweiten Mal beginnen wir ein Jahr inmitten einer Krise. Durch Corona hat sich unser Leben verändert. Und es sieht so aus, als müssten wir mit dieser Veränderung weiterleben und umgehen. Zu Anfang des vorigen Jahres bekamen die ersten Bürgerinnen und Bürger ihre Impfung. Bis zum Sommer zogen sich Erst- und Zweitimpfung hin. Kontaktbeschränkungen, Online-Treffen, Online-Unterricht, Absagen und Vorsichtsmaßnahmen bestimmten diese Zeit. Die Eltern traf es hart wegen der Schließungen und Einschränkungen in den Kindergärten. Die Gebühren in den Ausfallzeiten konnten wir seinerzeit erlassen. Die Dattenbachhalle wurde im Frühjahr für mehrere Wochen zum Testzentrum. Kurz vor Weihnachten wurden in zwei Impf-Aktionen über 1100 Menschen in Eppstein geimpft. Für das Engagement der Ärzte und des medizinischen Personals danke ich sehr. Einen Tag vor Heiligabend ging die neue Teststation am Stadtbahnhof in Betrieb.

Behutsame Rückkehr der Kultur

Zu Pfingsten gab es erste Lockerungen. Erleichterung und Freude über Begegnungen, kleinere Veranstaltungen, Turniere und wieder Kulturgenuss ließen uns die Sorgen fast vergessen. Die Burgfestspiele fanden mit einem besonderen Hygienekonzept statt und boten ein reiches Programm an Kulturveranstaltungen. Das Burgfest konnte stattfinden, jedoch musste die Burg wegen der Sanierung weitgehend geschlossen bleiben. Gut vorbereitet hofften wir, in einen besseren Winter zu gehen als im Vorjahr. Doch diese Hoffnung war trügerisch. Gerade hatten wir unter strengen Regeln das erste Adventsfenster geöffnet, mussten die weiteren Treffen an den weihnachtlich geschmückten Buden abgesagt werden. Die Adventsfenster öffneten sich nun ohne Publikum. Und wir müssen unsere Bemühungen, die neue Corona-Welle zu brechen, auch in das neue Jahr mitnehmen.

Klimaerwärmung, Lockdown, Impfkampagne und viel ehrenamtliches Engagement für die Gemeinschaft

Aber auch jetzt steht Eppstein zusammen. Trotz der Kontaktbeschränkungen sind wir füreinander da. Ich danke allen, die sich für die Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger einsetzen. Unsere Arztpraxen im unermüdlichen Einsatz, die noch Extra-Impftermine organisiert haben und so Stunden lang Hunderte Menschen impften. Den Apotheken, die Tests ermöglichten. Aber auch unseren Restaurants und Geschäften, die eine Umsetzung der Hygieneregeln mittrugen, auch wenn es den Mitarbeitern einiges abverlangte. Allen, die diese Balance zwischen Sicherheit und der Möglichkeit, trotzdem etwas auf die Beine zu stellen, hielten.

Neue Pächter für Burg-Café und Bistro

Daher freute es mich umso mehr, dass mitten in der Pandemie unser Burg-Café wieder eröffnet wurde mit reichem Angebot und vielen Ideen. Und auch für das Spritzenhaus in Ehlhalten wurden Pächter gefunden, die sich, wie andere Gastronomen auch, oft mit Liefer- oder Abholservice am Leben halten konnten. Einen Wechsel gab es in der Gastronomie in der Hauptstraße. Aus dem griechischen Kalispera ist das Taunus Grillhaus geworden. Und auch der Campingplatz in Niederjosbach hat neue Betreiber, die trotz der Pandemie mit Mut und Ideen wieder Kurzurlauber und Touristen nach Eppstein holten.

Engagierte Bürgerinnen und Bürger erreichten, dass nun auch Eppstein als letzter Stadtteil an das Glasfasernetz angeschlossen wird. Und wir konnten weiter investieren. Der Ausbau der Gimbacher Straße geht voran. Der erste Bauabschnitt ist fertig, gleich im neuen Jahr beginnt der zweite Abschnitt, der für einige Anlieger und unser Kaisertempel-Restaurant wieder zu erschwerten Bedingungen führen wird. Schon jetzt danke ich für die Geduld und hoffe auf einen zügigen Ausbau. Die letzten Meter der Straße Am Bienroth konnten im neuen Baugebiet „In Natura Eppstein 2020“ fertig gestellt werden. Dazu entstand dort ein neuer Spielplatz mit einer Bobbycarstrecke.

Ein Sorgenkind ist weiterhin die altehrwürdige Burg. Wo sonst Kindergruppen dem Ritter lauschen oder Touristen die Aussicht fotografieren, lagern derzeit Baucontainer und Steine. Zunächst wegen Corona geschlossen, stellte sich bald heraus, dass eine Zwingermauer direkt über dem Aufgang tiefe Risse aufwies. Diese ist nun gesichert. Aber bevor sich die Tore wieder öffneten, kam die nächste Hiobsbotschaft: der Bergfried bröckelte. Dazu wurden Gutachten eingeholt, das Brutverhalten der Vögel berücksichtigt und ein Gerüstbauer beauftragt, der den rund 30 Meter hohen Turm maßgeschneidert einrüsten konnte.

Denn die sich verjüngende Baugestalt des Turmes und seine wechselnde Form machten das nicht einfach. Mittlerweile sind die schadhaften Stellen untersucht und ausgebessert. Sobald es das Wetter zulässt, wird im neuen Jahr die Turmkrone mit der Besucherplattform und der Brüstungsmauer saniert. Große Unterstützung erhielt die Stadt Eppstein dabei vom Land Hessen, auch der Main-Taunus-Kreis griff der Stadt mit einem deutlich erhöhten Zuschuss unter die Arme. So hoffe ich, dass unsere Burg bald wieder von vielen kleinen Rittern, Burgfräulein und begeisterten Besuchern erobert werden kann.

Kaisertempel leuchtet nun auch bunt

Saniert wird zurzeit, finanziert durch die Stiftung auch die zweite „Burg“ Eppsteins, der Neufville-Turm im Bergpark Villa Anna. Und ein weiteres Wahrzeichen, der Kaisertempel, hat nun, dank des Verschönerungsvereines, eine neue Beleuchtung, die das kaiserzeitliche Denkmal je nach Anlass wirkungsvoll in Szene setzt. Beim Herbstspaziergang des Burgmuseums war der Kaisertempel, verbunden mit Informationen zu seiner Bedeutung und Spielszenen der Eppsteiner Burgschauspieler, lohnendes Ziel der Spaziergänger, die das einzigartige Denkmal nicht nur wegen seiner herrlichen Aussicht zu schätzen lernten.

Flurkreuz zum dritten Mal beschädigt

Berührt hat viele, dass unser historisches Flurkreuz von 1869 im Bremthaler Feld nach Beschädigungen in den Jahren 2016 und 2017 nun zum dritten Mal gewaltsam zerstört wurde. Die Baumgruppe mit einer Sitzbank ist nun eingezäunt, und das zerstörte Kreuz zunächst als Mahnmal belassen, auch wenn bereits Spenden für die erneute Restaurierung gesammelt werden. Die Restauration wird im Frühjahr abgeschlossen. Dann kehrt das Kreuz an seinen Standort zurück. Mein Dank gilt allen, die sich hier eingebracht haben, allen voran dem Heimat- und Geschichtsverein Bremthal.

Nicht nur Denkmale und historische Bauten machen die Besonderheit Eppsteins aus, es ist auch die Liebe, mit der diese Dinge gepflegt werden. Reizvoll macht es aber auch die Lage Eppsteins in der herrlichen Taunuslandschaft. In allen Stadtteilen blicken wir auf Hänge und Wälder, es ergeben sich immer neue Perspektiven, die Berge erscheinen mal in Wolken verhüllt oder verschneit, dann wieder grün belaubt oder in herbstlicher Färbung. Leider aber ist unser Wald schwer geschädigt. Drei trockene Sommer hintereinander und ein sich stark ausbreitender Borkenkäferbestand sind zum Problem geworden, sichtbar sterben die Fichten ab.

Alte Eiche Opfer der Klimaerwärmung

Traurig besonders der Anblick unserer Jahrhunderte alten Eiche im Königsbachtal, die trotz mehrmaliger Rückschnitte und Rettungsversuche abgestorben ist. Wir müssen die Neupflanzungen dringend den klimatischen Bedingungen anpassen. Um viele neue Bäume im Stadtwald pflanzen zu können, haben Bürgerinnen und Bürger rund 15 000 Euro für den Eppsteiner Wald gespendet. Ein schönes Zeichen für Eppstein und seine herrliche Natur. Und auch kleine Aktionen wie die Idee des BUND, den Bremthaler Beerengarten an der Niederjosbacher Straße anzulegen, in dem jeder naschen darf, verbessern unsere Lebenssituation nachhaltig ebenso wie insektenfreundliche Bepflanzungen.

Katastrophenhilfe

Die Katastrophe an der Ahr hat auch uns in aller Dringlichkeit vor Augen geführt, dass wir dem Klimawandel rasch etwas entgegen setzen müssen. Unsere Feuerwehr war im Katastrophengebiet, es galt innerhalb weniger Stunden auszurücken. Viele Eppsteiner haben Hilfe organisiert. Und natürlich ist das Thema Hochwasser- und Starkregenschutz auch in Eppstein aktuell. Gefährdete Bereich sind ausgemacht und ein Mix aus kleinen und großen Projekten zum Schutz angestoßen.

Aber auch in der Mobilität wird es Veränderungen geben müssen. Erfreulicherweise wurde Eppstein wurde für ein bundesweites Forschungsprojekt für Park+Ride-Plätze ausgewählt. Die Park+Ride-Plätze am Stadtbahnhof und an den Haltepunkten Niederjosbach und Bremthal werden aktuell noch mit Sensoren und sogenannten Gateways zur Übermittlung von Belegungsdaten ausgestattet. So kann sich jeder frühzeitig per App über freie Parkmöglichkeiten an den drei S-Bahn-Haltepunkten informieren und entspannt einen Parkplatz ansteuern. Der Vertrag mit Spar Car Eppstein zum Betrieb des Bürgerbusses wurde kürzlich verlängert. Ein Angebot an alle Eppsteiner, jeden Ort in der Stadt für ein geringes Salär zu erreichen.

Radwege-Ausbau kommt voran

Ein anderes drängendes Thema ist der Radwegeausbau. Die Verhandlungen mit dem Land sind ein gutes Stück weiter gekommen. Der lang ersehnte Ausbau des Radwegs nach Wildsachsen soll nun kommen. Eppstein und Hofheim haben dazu eine Vereinbarung mit dem Land getroffen. In Eppstein wird demnächst ein Grundstück am Stadtbahnhof angekauft, um es für den Radwegeausbau zu sichern. Besonders liegt der Radweg von Eppstein nach Bremthal vielen Bürgerinnen und Bürgern am Herzen. Auch hier gibt es einen engen Kontakt zum Land Hessen.

Die Teilnahme bei Stadtradeln oder die Möglichkeit, kostenlos E-Bikes zu testen, der Standort eines zweiten E-Fahrzeugs, das im Rahmen des Car-Sharing genutzt werden kann, sollen Anreize und Erfahrungen ermöglichen, alternative Mobilität zu nutzen.

Auch wenn Corona-bedingt nun viele Veranstaltungen wieder abgesagt werden müssen, wenn Vereine, die für einen guten Zweck oder für ihre Vereinsarbeit Glühwein oder Sekt ausschenken, nun ihrer Einnahmen beraubt werden – ich bitte Sie um Geduld, und bleiben Sie Ihrem Verein treu.
 

Trotz knapper Kassen Investitionen für Eppsteins Zukunft

Denn es sind diese Netzwerke, die uns auch in Krisenzeiten festigen, und es ist traurig genug, wenn sich Traditionsvereine wie der Gesangsverein Germania Bremthal von 1889 und der Schützenverein Bremthal-Niederjosbach auflösen müssen.

Ihre Arbeit aufgenommen hat im vergangenen Jahr die Integrations-Kommission Eppstein, die Menschen, die sich seit Jahren in Eppstein verdient machen, aber auch junge engagierte Menschen vereint. Vielen Dank dafür. Ebenso neu besetzt sind die politischen Gremien nach den Kommunalwahlen im vergangenen März. 

Ein großes Engagement gibt es für Eppsteins Altstadt. Es ist erfreulich, dass wir in ein Förderprogramm aufgenommen wurden. So können wir nun insgesamt 315 000 Euro für die Altstadt ausgeben, davon kommen 250 000 vom hessischen Landesprogramm „Zukunft Innenstadt“, die übrigen Mittel werden aus kommunalen Geldern zur Verfügung gestellt. Freuen wir uns auf viele schöne Projekte und die Zeit, in der wir wieder unter besseren Bedingungen draußen feiern können. Mein Dank gilt den vielen fleißigen Helferinnen und Helfern bei der Unterstützung unserer Bewerbung.

Und auch die Kinder dürfen sich auf neue Abenteuer freuen. Die Stadt Eppstein investiert in das neue Außengelände des evangelischen Kindergartens in der Rossertstraße und in einen neuen Spielplatz an der Wooganlage. Der beliebte Treffpunkt unter der Burg wird dann für kleine Ritter und Burgfräulein entsprechend gestaltet, 2022 wollen wir planen, 2023 mit der Umsetzung beginnen. Zudem beteiligt sich die Stadt an der Sanierung der beiden Turnhallen unserer Grundschulen durch den Kreis.

Die Sanierung der Cuntzstraße steht neben der Gimbacher Straße ebenfalls auf dem Programm. Und auch die Sanierung der Wiesbadener Straße durch Hessen Mobil rückt in greifbare Nähe. Das ist eine wirklich gute Nachricht, zumal wir nun auf eine grundhafte Erneuerung hoffen können. 

Die Stadt wird weiter investieren, muss aber auch konsolidieren. Ich bitte daher eindringlich um Verständnis, wenn auch gute Ideen und manche Dinge nicht sofort umgesetzt werden können. Aber das Leben in Eppstein geht auch im zweiten Jahr seit Corona weiter. Wir müssen lernen, damit zu leben, und zusammen zu halten, das ist sehr wichtig für unsere Gemeinschaft.

Von Victor Hugo, der ja im Jahr 1849 unsere Burg besuchte, stammt das Zitat: „Die Zukunft hat viele Namen. Für Schwache ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance.“

Wir fragen uns zu Beginn dieses Jahres, ob wir trotz allem stark genug sein können, um unsere Ziele zu erreichen. Ob wir gesund bleiben und was wir noch alles tun können, um uns zu schützen. Vieles scheint ungewiss und unplanbar. Das verunsichert. Aber: Sehen wir auch diese Zeit als Chance. Als Chance, unsere Heimatstadt attraktiv und unser Zusammenleben lebendig zu gestalten. Als Chance, unsere Natur zu bewahren. Als Chance, uns weiter zu entwickeln, ohne unsere Tradition zu verlieren. Mut zu haben und diejenigen mitzunehmen, die verunsichert sind. Das alles vermag eine Gemeinschaft. Und so möchte ich Ihnen ganz herzlich danken für gegenseitige Unterstützung und für Ihr großes Engagement, denn genau das macht Eppstein so liebenswert.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes und glückliches und gesundes neues Jahr 2022!

Ihr    Alexander Simon, Bürgermeister

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