Home | Politik und Wirtschaft

Stadt will Kaufkraft zurückholen

Der neue Supermarkt an der Staufenstraße ist fertig.Foto: Beate Palmert-Adorff

Einer der umstrittensten Neubauten der vergangenen Jahre in Eppstein ist am Mittwoch eröffnet worden: Die einen sehen im neuen Markt an der Staufenstraße das lang ersehnte Einkaufszentrum mit umfangreichem Angebot für den täglichen Bedarf; für die anderen symbolisiert er den Untergang Alt-Eppsteins.

Bis in die 1990er Jahre hinein boten entlang der Burgstraße noch rund 40 Einzelhändler, Gewerbetreibende und Handwerksbetriebe ihre Dienste an. In den vergangenen 25 Jahren ist das Angebot kontinuierlich geschrumpft. Aktuell erlebt die frühere Lebensader des Städtchens die Schließung des Lebensmittellädchens, der Apotheke und bald schon der Bücherstube. Viele sehen einen Zusammenhang mit dem Bau des neuen Edeka-Marktes..

Dass der kleine Rewe-Markt in Vockenhausen voriges Jahr zumachte, wird von vielen ebenfalls dem neuen Geschäft angelastet. Allerdings wurde schon vor Jahren das Einkaufsverhalten der Eppsteiner untersucht und festgestellt, dass die meisten bislang gar nicht in ihrer Stadt einkaufen. Mehr als die Hälfte der im bundesdeutschen Vergleich überdurchschnittlich hohen Kaufkraft setzen die Eppsteiner in anderen Städten um. Darauf wies Bürgermeister Alexander Simon bei der offiziellen Eröffnung des neuen Edeka am Dienstagabend hin.

Er hofft, dass der neue Lebensmittelmarkt mit 32 Mitarbeitern, einen Teil dieser Kaufkraft in Eppstein bindet.

Gefragt sind regionale Produkte

Die unmittelbaren Anwohner des funktional wirkenden Neubaus, vor allem in den höher gelegenen Straßen, stört eher seine schiere Größe. Wenigstens ein begrüntes Dach hätten sich viele Nachbarn gewünscht. Stattdessen bietet die graue Folie ideale Reflektionsfläche für die Sonne: Im Winter blendet der Schnee, im Sommer strahlt sie Wärme ab. Dach- oder Fassadenbegrünung, die das eventuell abgemildert hätte, ist nicht vorgesehen, die Stadt habe das im Bebauungsplan nicht gefordert, wies Klaas Heller von der Edeka-Zentrale die Verantwortung von sich. Die Stadt wiederum betonte in der Vergangenheit, dass der Bauherr für die Gestaltung und die Baubehörde des Kreises für die Genehmigung zuständig sei.

Das Unternehmen hat nach eigener Aussage knapp 6 Millionen Euro in Laden, Lager und 73 Parkplätze investiert und energiesparende LED-Beleuchtung und CO2-Kälteanlage eingebaut. Als kleine Hürde erwies sich während der Bauzeit der Fischbach, der sich nur ungern wieder einengen ließ.

Die Gäste der Eröffnungsfeier interessierte allerdings mehr das Interieur, dessen Wände in warmen Naturfarben gestrichen sind. Auf einer Fläche von knapp 1500 Quadratmeter entdeckten sie außer Obst und Gemüse, frischem Fisch, Käse- und Fleischtheke auch ein Sortiment regionaler Produkte: Honig von Imker Karsten Luther aus Eppstein und Nuss-Spezialitäten der Eigenmarke des Eppsteiner Nussimporteurs Ecoterra. Diese Sparte will Markt-Inhaber Dirk Baßler noch ausbauen und seine 32 Mitarbeiter entsprechend schulen. Unter ihnen sind auch die fünf ehemaligen Mitarbeiterinnen des Nah- und Gut-Ladens. „Wir sind aufgeregt, freuen uns aber riesig, dass wir sofort übernommen wurden“, sagte Renate Gruber. bpa

Weitere Artikelbilder:

Noch keine Bewertungen vorhanden

Neueste Kommentare

Falsche Fünfziger erst bei der Bank entdeckt
5 Wochen 1 Tag
Zu Lasten Dritter optimiert
9 Wochen 5 Tage
Rewe: Die Lichter sind aus
10 Wochen 17 Stunden
Grab des Künstlerpaars Michel sang- und klanglos …
11 Wochen 4 Tage
Grab des Künstlerpaars Michel sang- und klanglos …
12 Wochen 2 Tage
X
Sichere Anmeldung

Diese Anmeldung ist mit SSL Verschlüsselung gesichert