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Hochwasserschutz durch Mulden und Abwasserrinnen

Das frisch geschnittene Holz der Schwarzerle färbt sich rot. Foto: bpa

Die großen Projekte wie das Regenrückhaltebecken im Amstertal zwischen Eppstein und Bremthal oder der Damm im Dattenbachtal hinter Ehlhalten sind zwar nicht vom Tisch, werden aber aktuell weder in der Arbeitsgruppe Hochwasserschutz der Stadt noch beim zuständigen Abwasserverband Main-Taunus diskutiert.

Grund ist die neue Ausrichtung beim Hochwasserschutz. Denn in den vergangenen Jahren kam es vor allem durch starke Regenfälle zu Überschwemmungen im Stadtgebiet. Anders als bei Überschwemmungen durch über die Ufer tretende Bäche flossen die Wassermassen in den vergangenen Jahren nach starken Regenfällen durch Wohngebiete an Hanglagen, weil die Kanalisation die Wassermenge nicht mehr aufnehmen konnte.

Zuletzt liefen im November zwei Keller in der Königsteiner Straße in Ehlhalten voll Wasser, weil sich die Regenflut aus dem Wald über die Feldbergstraße ihren Weg ausgerechnet in die beiden Häuser unterhalb der Einmündung der Feldbergstraße in die Königsteiner Straße suchte.

„In Vockenhausen hatten wir ähnliche Probleme und haben sie durch das Anlegen von Versickerungsmulden im Wald oberhalb der Freiherr-von-Ickstadtstraße und des Oberen Lindenwegs in den Griff bekommen“, zählt Berthold Gruber eine Methode auf, mit der Stadt und Abwasserverband neuerdings Überschwemmungen durch Starkregen verhindern wollen. Gruber, Sprecher der Arbeitsgruppe für Hochwasserschutz und Vertreter der Stadt im Abwasserverband Main-Taunus, berichtete im Dezember über kleinere Maßnahmen wie das Anlegen von Versickerungsmulden, das Verstärken vorhandener Gräben und das Anlegen neuer Regenrinnen, die die städtische Arbeitsgruppe für 2016 und 2017 angeregt hatte. Die einzelnen Maßnahmen kosteten zwischen 300 und maximal 1000 Euro, die Gesamtsumme belief sich auf mehrere tausend Euro. Gruber machte weitere Vorschläge für 2018. So soll der Bauhof problematische Gullys und schwierige Abläufe häufiger kontrollieren und reinigen. Außerdem sollten sie auf einer Karte verzeichnet werden.

Für Ehlhalten schlägt die Hochwasserschutzgruppe vor, oberhalb der Waldstraße Versickerungsmulden anzulegen. Sie sollen bei starken Regenfällen das Wasser aufhalten, bevor es über die Feldbergstraße abfließt. Für das Graben dieser Mulden bedarf es jedoch erst der Zustimmung der privaten Waldbesitzer. Gruber hofft auf deren Einsicht.

Außerdem hält die Hochwasserschutzgruppe eine Drainage in der Feldbergstraße Richtung Silberbach für sinnvoll, die die Flutwelle in die Wiese und von dort in den Bach ableitet. Auch mit Hessenmobil will Gruber Kontakt aufnehmen: „Auf der Königsteiner Straße gibt es nur einen Gully. Das ist zu wenig!“ Ob dieser Vorstoß erfolgreich ist, darf bezweifelt werden. Schließlich wurde die Straße erst vor wenigen Jahren erneuert. Umso wichtiger ist, laut Gruber, dass die anderen Maßnahmen umgesetzt werden.

In Bremthal, Niederjosbach, Vockenhausen und Eppstein hofft Gruber auf schnellen Erfolg. So wurden in den vergangenen beiden Jahren bei der Guldenmühle Versickerungsgräben ausgehoben, in Alt-Eppstein im Wald oberhalb der Mendelssohnstraße Versickerungsmulden angelegt, Oberflächenwasser umgeleitet und weitere Gräben im Wald erneuert.

In Niederjosbach sollen neue Versickerungsmulden im Wald oberhalb der Obergasse und eine veränderte Wasserführung in Höhe des alten Wasserbehälters künftig Überschwemmungen verhindern. Auch wurden Durchlässe geschaffen, die das Regenwasser Richtung Wald und zu den Feldern bei Oberjosbach ableiten. Ähnliche Maßnahmen schlägt die Gruppe für den Hang oberhalb des Sportplatzes in Niederjosbach vor.

Mit solchen dezentralen, kleinen Maßnahmen will die Stadt verhindern, dass das Wasser sich bei Starkregen als Flutwelle durch die Straßen wälzt, wie das beim letzten großen Hochwasser im Juli 2014 in der Niederjosbacher Obergasse der Fall war.

Auch am Waldweg oberhalb der Straße Zum Blauen Stein in Ehlhalten hat die Stadt im vergangenen Jahr Rinnen und Abläufe angelegt. „Außer dem Hochwasserschutz für die Anlieger haben wir dabei im Blick, dass dieser Weg eine wichtige Verbindung nach Eppenhain ist“, sagt Gruber. Der Wanderweg ist in den vergangenen Jahren verwildert.

Für Hochwasserschutz entlang der Bachläufe ist der Abwasserverband zuständig. Der ließ vor wenigen Tagen Erlen am Dattenbach in Höhe der Mohrsmühle auf den Stock setzen. Weitere Arbeiten sind im Tal Richtung Vockenhausen vorgesehen. Allerdings ist der Boden zu feucht, laut Gruber ein Dilemma: „Denn die Zeit drängt. Im März beginnt schon die Brutzeit, dann dürfen die Bäume nicht mehr zurückgeschnitten werden“

Auf Grubers Kalender steht noch im Januar als nächste Maßnahme für den Hochwasserschutz eine Bachbegehung mit dem Abwasserverband entlang des Silberbachs. Nach Berichterstattung der Eppsteiner Zeitung in der Ausgabe vom 21. Dezember drängt Gruber darauf, dass der Vorstand sich selbst ein Bild von der Situation macht. Die EZ berichtete über umgestürzte Bäume, die, von der Unteren Naturschutzbehörde gewollt, zum Teil im Bach liegen. „Naturschutz ist wichtig“, betont Gruber, „Hochwasserschutz aber auch“.bpa

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