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Gneupel fordert Simon heraus

Jürgen Baesler und Marion Kütemeyer von der SPD, die FDP-Vertreter Thomas Uber und Marcel Wölfle (hinten v. li.) stellten die gemeinsame Bürgermeisterkandidatin Nadja Gneupel (vorn) vor. Foto: bpa

Kaum stand der Termin für die Bürgermeisterwahl am 26. Mai fest, stellten die Fraktionen ihre Kandidaten für das oberste Amt im Rathaus vor: Die FDP schickt, unterstützt von der SPD, ihre Stadtverordnete Nadja Gneupel (32) ins Rennen, die CDU, wie bereits angekündigt, Amtsinhaber Alexander Simon (37).

 

Bis Montag gelang es FDP und SPD die Personalie geheim zu halten. Dass sie einen Kandidaten aufstellen wollen, hatten die Liberalen schon vor einigen Wochen angekündigt, aber noch nicht verraten, wer es sein würde.

Die SPD hatte sich schon früh darauf festgelegt, keinen eigenen Kandidaten oder eine Kandidatin zu nominieren, da aus den eigenen Reihen kein Mitglied zu einer Kandidatur bereit war und die Zeit bis zur Wahl zu kurz wäre, um einen auswärtigen Kandidaten aufzubauen.

Die FDP, die 2013 noch Alexander Simon unterstützte, wendet sich jetzt gegen den einstigen Wunschkandidaten, weil er ihre Erwartungen nicht erfüllt und Eppstein nicht ausreichend voran gebracht habe, so die Begründung. Die CDU betont dagegen die Bodenständigkeit ihres Kandidaten für den der Beruf auch Berufung sei und der seine Heimatstadt als lebendige, lebenswerte Stadt erhalten und weiterentwickeln wolle.

Ortsmitte, Wohnungsbau und Verkehr sind Wahlkampfthemen

In einer gemeinsamen Pressekonferenz von FDP und SPD stellte sich die 32-jährige Verwaltungsfachwirtin vor. Für Eppstein wünscht sie sich mehr Entwicklungsperspektiven. Dazu gehöre der Ausbau des ÖPNV und ein höherer Anteil an barrierefreien und bezahlbaren Wohnungen: „Eppstein verdient mehr Zukunft“, heißt der Slogan, mit dem Nadja Gneupel antritt. Die Regionalbahn müsse künftig auch in Eppstein halten, lautet eines ihrer Ziele. Ausbau der Buslinien und der Parkplätze stehen ebenfalls auf ihrer Agenda: „Wir wollen junge Familien nach Eppstein holen, dafür müssen wir die Infrastruktur verbessern.“ Die Instandhaltung der Straßen dürfe deshalb nicht aufgeschoben werden, führt sie eines der Lieblingsthemen der Eppsteiner Liberalen an.

Unterstützt wird die FDP-Kandidatin von der SPD. „Nach zwei Treffen schon war man sich einig, Nadja Gneupel als gemeinsame Kandidatin aufzustellen“, sagt Fraktionssprecherin Marion Kütemeyer. Die Chemie, vor allem zwischen den jüngeren Mitgliedern der beiden Fraktionen, stimme. Hinzu komme, dass „es sehr viele inhaltliche Übereinstimmungen gebe“, betonen Kütemeyer und FDP-Sprecher Thomas Uber.

Für die SPD stehen die Forderungen nach Baugebieten mit bezahlbaren Eigenheimen und Mietwohnungen an erster Stelle, hinzu komme der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und durch das Land geförderte, gebührenfreie Kitaplätze, zählt SPD-Sprecher Jürgen Baesler auf.

Die FWG, dritte Oppositionspartei in der Stadtverordnetenversammlung, hat sich noch für keinen Kandidaten entschieden. Darüber wird die Mitgliederversammlung im Januar diskutieren.

Gneupel will den Tourismus stärken und einen Hotelstandort suchen. Die malerische Lage um die Burg werde nicht genutzt, lautet ihr Urteil, die Entwicklung der Ortsmitte Vockenhausen, mit einem einzigen Rathausstandort sieht sie als „Riesenchance“, den Platz im Zentrum des Ortes zum „Herzstück Vockenhausens“ zu machen.

Das Online-Rathaus ist eine der Kernforderungen der FDP. Die Umstellung müsse forciert werden. „Künftig dürften dann viele Behördengänge überflüssig sein“, ist die FDP-Kandidatin überzeugt. Vereine müssten viel aktiver gefördert werden, nicht nur durch das Bereitstellen von Räumen.

Aufgewachsen ist Nadja Gneupel im thüringischen Greiz. Mit 18 kam sie nach Wiesbaden, machte dort ihre Ausbildung bei der Straßenbauverwaltung des Landes und wechselte 2008 in die Kreisverwaltung des Main-Taunus-Kreises, arbeitete dort zwei Jahre lang bei der Straßenverkehrsbehörde, sechs Jahre im Jobcenter und inzwischen als Koordinatorin für die Ehrenamtsarbeit rund um Migration und Asylverfahren und ist für das Rückkehrmanagement zuständig. 2018 beendete sie ihre Fortbildung zur Verwaltungsfachwirtin.

Vor zehn Jahren zog sie mit ihrem Lebensgefährten nach Eppstein, war sofort begeistert von der Altstadtkulisse und den Menschen. „Ich wollte wieder aufs Land“, sagte sie. In Eppstein habe sie sofort Kontakte zu den Nachbarn geknüpft, wurde unter anderem Mitglied im Burgverein, im Kulturkreis und im Gusbacher Carneval Club. Sie tanzt als Gardetänzerin bei den Roten Tatongkas. In ihrer Freizeit joggt sie und nimmt an Volksläufen teil. Zur FDP kam sie, „weil ich nicht nur meckern, sondern mitmachen wollte“, sagt sie.

Alexander Simon will weiter Bürgermeister in seiner Heimatstadt bleiben. Die Rückendeckung der CDU hat er. Die Mitglieder wählten ihn am Montagabend einstimmig zum Kandidaten. Sein Wahlprogramm stellte Simon in der ehemaligen Verwaltungsstelle in Bremthal vor. Simon ist in Bremthal aufgewachsen, besuchte dort Kindergarten und Grundschule, war Mitglied bei den Judokas Mattenfüchse in Ehlhalten, spielte Fußball bei der SG und Tischtennis beim BTTV. An der Wand des Sitzungszimmers hängt ein Gedicht, das sein Großvater Oswald Hess über die alte Eiche im Königsbachtal geschrieben hat. Simon wohnt mit Ehefrau Kim und der 15 Monate alten Tochter Louisa in Alt-Eppstein mit Blick auf die Burg.

Heimatverbundenheit bedeute ihm viel, sagt der Amtsinhaber, macht aber auch deutlich, dass seine Ausbildung zum Volljuristen durchaus von Vorteil sei, bei vielen Entscheidungen, die er täglich als Bürgermeister für und mit seinen insgesamt rund 170 Mitarbeitern in Verwaltung, Kinderbetreuungseinrichtungen und Bauhof treffen müsse.

2001 zog er als Mitglied der CDU-Fraktion in die Stadtverordnetenversammlung ein, wurde 2006 zum jüngsten Ortsvorsteher Hessens gewählt und im September 2009 zum Ersten Stadtrat. 2013 folgte die Wahl zum Bürgermeister. Damals setzte er sich im ersten Wahldurchgang gegen drei Konkurrenten durch, wenn auch mit einer knappen Mehrheit.

Nadja Gneupel nehme er als Konkurrentin ernst, er schätze sie als Stadtverordnete und gehe davon aus, dass der Wahlkampf fair und sachlich geführt werde. Er werde sich dabei auf seine Themen konzentrieren und die vielen Projekte, die in den vergangenen sechs Jahren umgesetzt wurden. Der Wochenmarkt habe sich beispielsweise gut etabliert, ein Projekt, das er zur Belebung der Altstadt umgesetzt habe. Simon hat sich, wie Gneupel, die Entwicklung der Ortsmitte Vockenhausen zu einem belebten Zentrum vorgenommen. Der erste Schritt dahin sei getan. Im Frühjahr zieht die Feuerwehr um ins neue Gebäude an der Embsmühle, weist er auf ein Projekt der vergangenen Jahre hin. Das neue Musikschulhaus und den Bahnhofsumbau zählt er dazu, ebenso die Rettungswache, die gerade an der Fischbacher Straße gebaut wird, und den neuen Edeka.

Nach Jahren des Einwohnerrückgangs wachse Eppstein wieder, dank neuer Baugebiete und der Schließung von Baulücken. Neue Bauflächen im regionalen Flächennutzungsplan sollen diesen Trend halten. Zwei große Projekte will Simon durchsetzen: ein Gewerbegebiet zwischen Valterweg und Quarzitbruch und ein Baugebiet zwischen Bundesstraße und Wiesbadener Straße in Bremthal. bpa

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