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Mit Eis und Armband als Wahlgeschenk den Geschmack getroffen

Mit Eis und „Eppstein im Herzen“-Armbändern traf Alexander Simon auch den Geschmack der Noch-Nicht-Wähler. Foto: bpa

Alexander Simon ist zurzeit noch präsenter im Stadtgebiet als sonst. Obwohl er sich für seine zweite Amtszeit bewirbt und als Favorit gilt, nimmt der Bürgermeister die Treffen mit den Wählern sehr ernst und wirkt, nach anfänglicher Nervosität, mit zunehmender Wahlkampferfahrung immer sicherer. An nahezu allen wichtigen Durchfahrtstraßen blickt das Konterfei des Amtsinhabers auf die Vorbeifahrenden. Wichtig ist ihm, die Menschen am 26. Mai zum Gang an die Wahlurne zu bewegen. Schließlich steht nicht nur das Bürgermeisteramt in Eppstein zur Wahl, vom Ausgang der Europa-Wahl am gleichen Tag hängt das Gleichgewicht der demokratischen Kräfte in Europa ab.

Mit Anzeigen und mindestens drei bis vier persönlichen Auftritten pro Woche in den Stadtteilen macht Simon deutlich, dass es ihm auf jede Stimme ankommt. Auf Hausbesuche verzichtet der Amtsinhaber bewusst: „Als Ortsvorsteher und auch als Bürgermeisterkandidat war das in Ordnung. Aber jetzt stünde ich als Amtsperson vor der Tür. Das will ich nicht“, sagte Simon. Stattdessen geht er lieber an öffentliche Orte oder lädt zu Aktionen wie die Planwagenfahrten durch die Gemarkung ein. Stammtische im Bistro in Ehlhalten, im Gasthaus Taunus in Eppstein und im Restaurant Kalispera in Vockenhausen, Seniorenfrühstück in der Bäckerei Schäfer – die Liste der Termine ist lang. Am 16. Mai kommt Hessens Finanzminister Thomas Schäfer zum Gespräch in der Wunderbar im Stadtbahnhof, am 17. gibt es noch mal Gratis-Eiskugeln. Am Freitag vor der Wahl versucht Simon die Wochenmarktbesucher zu mobilisieren.

Trotz Kälteeinbruch folgten viele Eppsteiner Simons Einladung am vergangenen Freitag ins Cafè Del Corso in Vockenhausen. Gratis-Eiskugeln und Armbändchen mit dem Wahlspruch „Eppstein im Herzen“ lockten zahlreiche Besucher. Das Kontingent von 50 Frei-Kugeln musste auf über 60 aufgestockt werden. Zu den einzelnen Wahlterminen kommen sonst im Schnitt zwischen zehn und zwanzig Besucher, außerdem einige treue Unterstützer aus der CDU. Kristine Zabel gehört trotz ihrer 71 Jahre zum aktiven Wahlkampfstab. Sie hat Plakate aufgehängt, bereitet Veranstaltungen vor, legt Infomaterial aus.

Martina Smolorz, CDU-Vorsitzende aus Ehlhalten, zählte auf, was Simon aus ihrer Sicht in seiner ersten Amtszeit als Bürgermeister erreicht habe. Elmar Alhäuser (74), Magistratsmitglied und davor Stadtverordneter der CDU, hat alle vier Bürgermeister der neuen Stadt Eppstein erlebt und stellte fest: „Jeder war mit seiner Art zu seiner Zeit genau der Richtige für die Stadt.“ Richard Hofmann (CDU) sei es gelungen, die fünf Stadtteile zu einer Stadt zu vereinen, Ralf Wolter (CDU) habe wichtige Projekte angestoßen, Peter Reus (unabhängig) die Stadt während der Wirtschaftskrise in ruhigem Fahrwasser gehalten. Alexander Simon sei der erste studierte Jurist im Eppsteiner Rathaus und im Bürgermeisteramt. Auch wenn das in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werde, sei die juristische Sichtweise etwa bei Ausschreibungen und komplexen Vorlagen von Vorteil. Als Beispiele nannte Alhäuser langwierige Bebauungsplanverfahren oder die Einwendungen gegen die Ultranetplanung.

Seit zehn Jahren mache er in Eppstein als Hauptamtlicher Politik, zunächst als Erster Stadtrat seit 2009 und seit 2013 als Bürgermeister, sagte Simon am Infostand vor dem Eiscafé. In dieser Zeit habe er versucht, Konflikte auszugleichen und Themen aufzugreifen, die die Menschen bewegen: Der jahrelange Leerstand des Neufville-Turms sei so ein Thema. Mit der geplanten Stiftung sei es nun möglich, ein Sanierungskonzept und ein davon unabhängiges Nutzungskonzept zu erarbeiten. Die Straßenbeitragssatzung, bei jeder grundhaften Straßenerneuerung bisher ein strittiges Thema, sei nahezu einstimmig von allen Fraktionen abgeschafft worden.

Fragen gab es auch zum Wahlprozedere. Ob sie im Bürgerbüro vorab wählen könne ohne Briefwahlantrag, wollte beispielsweise Julia Schwenker wissen, die durch Simons Wahlkampagne von dieser Möglichkeit erfahren hatte. Tatsächlich steht im Bürgerbüro eine Wahlurne und eine Kabine, in der Wähler direkt ihre Briefwahlunterlagen ausfüllen und abgeben können. Die Wahlkabine sei ein Service der Stadt, „aber ganz ohne Formalitäten ist das Wählen vor dem eigentlichen Wahltag nicht möglich“, bestätigte Erste Stadträtin Sabine Bergold und wies darauf hin, dass Briefwahlunterlagen weiterhin auf Antrag zugeschickt werden. Ihre Amtszeit läuft übrigens im Februar 2020 ab. Das nächste Wahlthema nach der Bürgermeisterwahl steht also schon fest.

Julia Schwenker war mit ihren beiden Töchtern gekommen. Die beiden Jugendlichen freuten sich über Eis und Armbänder, Mutter Julia nahm die Info-Broschüre entgegen. Ihr Sohn sei in der Einsatzabteilung der Feuerwehr. Dass Simon als Feuerwehrdezernent bei großen Einsätzen mit vor Ort sei, rechne sie ihm hoch an, sagte sie.

Andrea Brachmann aus Ehlhalten freute sich über die Einladung zum Eisessen in ihrer Lieblingseisdiele und kam extra aus Ehlhalten.

Roswitha Hecker schätzt Bodenständigkeit bei den Kandidaten. Sie traf sich eigentlich zum Eisessen mit Tochter Nadine Grüneis und den beiden Enkelinnen am Eiscafé. Übers Wahlprogramm habe sie sich schon vorher informiert, sagte Roswitha Hecker, sie finde es wichtig, dass sie die Kandidaten auch im täglichen Leben antreffen und sie zum Beispiel in der Eisdiele oder beim Bäcker ansprechen könne. bpa

 

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