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Zehn Jahre Klöppeln ohne Limits – beim Äppelwoifest wird gefeiert

Beim wöchentlichen Klöppeltreff in Bremthal treffen sich Alt und Jung zum Handarbeiten, Plaudern und Lachen.

Anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens zeigt der Bremthaler-Klöppeltreff am Sonntag, 17. Juni, ab 11 Uhr im Alten Rathaus in Bremthal einen bunten Querschnitt der Möglichkeiten, die mit der alten Handwerkstechnik Klöppeln geschaffen werden können. Klöppeln ist kinderleicht.

Die Autorin dieses Artikels ist überzeugt, dass die dazu nötigen psychomotorischen Fähigkeiten geringer sind als beim Stricken. Wer mag, kann es bei der Jubiläumausstellung im Rahmen des Äppelwoifestes des Gesangsvereins Germania unter fachkundiger Leitung ausprobieren und sich mit eigenen Händen davon überzeugen.

Farbe und neue Materialien sind ins Handwerk eingezogen. Auch der Bremthaler-Klöppeltreff kennt bei der Materialwahl und den Werkstücken keine Grenzen. Es gilt „Klöppeln ohne Limit“. Verarbeitet werden unter anderem Silberdraht, Seide, Wolle, Effektgarne, dicke „Worschtkordel“, aber auch extrem filigrane Garne. Klöppelkunst unterstützt die Mode. Spitze ist wieder in, man findet sie überall in der Alltagskleidung. In der aktuellen Saison blitzt Spitze unter den künstlich erzeugten Löchern zerrissener Jeans hervor oder setzt als gewagter Bluseneinsatz das Dekolleté raffiniert in Szene.

In der Ausstellung wird eine Bademodenschau mit Barbiepuppen zu sehen sein, dazu Schmuck, Schals, Westen, Dekoration für Taschen, Jeans, T-Shirt oder Hüte, kleine Geschenke, Schlüsselanhänger, Lesezeichen und Bilder.

Die Künstlerin Inge Spiering-Nell nutzt Geklöppeltes in Kombination mit Farbe und Leinwand für ihre Kunstwerke. Die Jubiläumsausstellung zeigt Spiering-Nells Neuinterpretation der Bremthaler Eiche, einem Gemeinschaftswerk mit dem Klöppeltreff. Viele Eppsteiner kennen ein weiteres Werk von ihr, denn es hängt im Foyer des Rathauses in Vockenhausen im Aufgang zum Blauen Saal. Die Klöppelgruppe hatte es 2010 der Stadt anlässlich des international besetzten Treffens „Fadenkreuz“ von Stickgilde und Spitzengilde in Eppstein überreicht. Es zeigt die architektonischen Wahrzeichen der Stadt, einst vom verstorbenen Hans-Jakob Sauer gezeichnet, vom Bremthaler-Klöppeltreff in Garn umgesetzt und von Spiering-Nell mit Farbe und Leinwand zum Gesamtkunstwerk veredelt.

Karin Cloos, Leiterin des Treffs möchte Spitze ins Moderne transformieren. Denn Klöppeln ist ein sehr altes Handwerk, obwohl es derzeit wieder im Aufwärtstrend liegt und auch Ausbildungsinhalt im Lehrberuf Textilgestalter sein kann. Historisch betrachtet liegen die Ursprünge des Klöppelns im Dunkeln. In der Blütezeit der Klöppelkunst im 16. Jahrhundert zierten filigrane Klöppelspitzen die Festtagskleidung von Kaisern und Königen und die zeremoniellen Gewänder des Klerus.

Als Begründerin des Spitzenklöppelns in Deutschland gilt Barbara Uttmann (1514-1575). Sie hatte das Klöppeln von einer protestantischen Klöpplerin aus Brabant gelernt. Barbara Uttmann gründete 1561 in Annaberg im Erzgebirge eine Klöppelschule. Im Laufe der Jahre entstand dort eine regelrechte Heimwerker-Industrie, die bis zu 30 000 Menschen beschäftigte. Die Klöppelarbeiten sicherten den Menschen in der sonst armen Region das Überleben. Ab 1685 brachten die aus Frankreich vertriebenen Hugenotten ihrer neuen Heimat mit ihren handwerklichen Fähigkeiten Reichtum und Ansehen. Mit Einführung der Maschinenarbeit schwand die Bedeutung des Klöppelhandwerks.

Die Faszination für die Technik, die Freude an Farben und das haptische Erlebnis der verarbeiteten Materialien war seinerzeit die Initialzündung für den Klöppeltreff. Zunächst hatte er sein Zuhause in Kelkheim-Ruppertshain, seit zehn Jahren ist die Gruppe beim Kulturkreis Eppstein beheimatet. Der Bremthaler Klöppeltreff hat derzeit 14 aktive Klöpplerinnen im Alter zwischen 28 und 80 Jahren. Einige sind seit Anbeginn dabei. Andere kamen erst kürzlich hinzu, als Ergebnis erfolgreicher Mitgliederwerbung bei Schauklöppel-Auftritten während Stadtfesten, Aktionstagen in Museen und Kreativmessen.

Bis 2016 gab es eine Kindergruppe, die derzeit wegen schulischer Belastung ruht, aber bei Interesse jederzeit wieder aktiviert werden kann. „Klöppeln ist meine Meditation, hierbei kann ich abschalten“, ist der Tenor der meisten Gruppenmitglieder. Zudem sei es etwas Besonderes, denn nicht jeder beherrsche diese Technik. Spaß, Freude, Begeisterung und Stolz kommen auf, wenn unter den Händen Schlag auf Schlag ein Unikat entsteht. Dazu kommt die offene, gesellige Runde, die sich gegnseitig hilft und gelegentlich Gemeinschaftsarbeiten für persönliche Festtage wie Hochzeit und runde Geburtstage klöppelt. Auch solche Werke sind in der Ausstellung zu sehen.

Weitere Schauklöppel-Termine sind am 18. und 19. August beim Tuchmarkt im Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach. Frauke Frerichs-Gundt

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