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Reise in eine Zeit, in der die Gabel noch als Teufelswerk galt

Die Eppsteiner Rotte übt sich im Kampf mit mittelalterlichen Waffen.

Burg Eppstein mit ihren historischen Mauern, dem Burghof, Zwinger und Bettelbub ist ein spannender Ort. Wie lebte es sich auf einer Burg? Wie sah das Leben im Mittelalter aus? Beim dreitägigen Ritterlager auf der Burg begaben sich die Gruppe der „Eppensteiner“

und die neue „Eppsteiner Rotte“ gemeinsam auf eine Zeitreise ins Mittelalter.

Zelte waren im Ostzwinger aufgebaut, unterm Sonnensegel standen Tisch und Bänke, mittelalterlich gekleidete Männer saßen in der Runde, Frauen kamen dazu, Kinder spielten, Hunde tollten herum. „Wir haben in Eppstein zwei Mittelaltergruppen: die Eppensteiner, die Ritter-Gruppe, die es schon seit Jahren gibt, und die neue Eppsteiner Rotte“, erzählte Joachim Buchenau, der beiden angehört und auch nach dem Jubiläumsjahr gemeinsame Projekte planen möchte. Als Wigandus von Ascenburne stellt er bei den Eppensteinern einen Ritter dar, der tatsächlich im 12. Jahrhundert lebte und aus Eschborn stammte, dem früheren Wohnort von Buchenau. Für das Stadtjubiläum im vergangenen Jahr suchte er neue Männer und bildete sie aus. „Das hat allen so viel Spaß gemacht, dass wir als ,Eppsteiner Rotte’ weitermachen wollen.“

Seither hat sich einiges getan, ein Sonnensegel sowie Bänke und ein Tisch wurden angeschafft, Ausrüstung und Waffen erweitert, der Kampf trainiert, Charaktere ausgebildet. „Die Grundidee der Eppsteiner Rotte ist, dass wir eine Burgbesatzung im Hochmittelalter darstellen“, führte Buchenau aus: „Wir sind Burgwachen, also bezahlte Kämpfer. Ich könnte als Kommandant ein Ritter sein.“

Wie eine Burgbesatzung nach dem Rechten gesehen haben könnte, zeigten sie dann auch gleich auf dem Wochenmarkt. In einer Kolonne verließ die gerüstete Truppe die Burg, trainierte ein paar Manöver, unterhielt auf dem Spielplatz die Kinder und zog weiter Richtung Marktplatz. „Dort haben wir den Bürgermeister getroffen, Fragen beantwortet und den Menschen gezeigt, was wir machen.“

Beim anschließenden Grillen auf der Burg ging es mittelalterlich weiter. Wie macht man Feuer ohne Feuerzeug? Harald Maul holte dafür einen Feuerstein aus seinem Beutel und etwas Zunder. Schnell sprühten die ersten Funken, Rauch stieg aus dem Zunder empor. Trockenes Moos und Holzspan vergrößerte zügig die Flamme, so dass das Fleisch bald über dem offenen Feuer gegrillt werden konnte.

Als Besteck gab es Messer und Löffel, keine Gabeln. „Die Gabel galt wegen ihrer drei Zacken als Teufelswerk. Der trägt bekanntlich einen Dreizack. Es gab allenfalls Fleischspieße mit zwei Zacken, um das Fleisch aufzuspießen“, erklärte der Hauptmann. Messer und Löffel habe jeder mit sich getragen, je nachdem wo man gerade war.

Getrunken wurde aus Tonkrügen. „Unsere Keramiken sind Repliken, Abbildungen mittelalterlicher Krüge aus dem Töpfermuseum Langerwehe in Niedersachsen nachgebildet“, zeigte Joachim Buchenau sein Trinkgefäß. Daneben stellte er einen zufälligen Fund, den sie an diesem Tag im Südzwinger machten. „Wir haben den Rest eines Trinkgefäßes gefunden und die Form deckt sich mit unseren Bechern“, war er begeistert. Dass es sich um ein mittelalterliches Stück handelt, bestätigte Museumsleiterin Monika Rohde-Reith, nachdem die Gruppe ihr den Lesefund für das Burgmuseum überreicht hatte. „Die mittelalterliche Scherbe trägt zur Eppsteiner Geschichte bei, wobei der Leseort nicht der ursprüngliche Fundort sein muss“, erklärte die erfahrene Archäologin. „Grundsätzlich finden Ausgrabungen nur durch Fachleute mit behördlicher Genehmigung statt.“ Ein vollständiges, mittelalterliches Gefäß, das bei Arbeiten im Juchhe-Bau entdeckt wurde, steht gerade in der Vitrine und kann bis zum 27. Oktober in der Sonderausstellung „Ausbruchsversuche im Verlies – Bauforschung auf Burg Eppstein“ angeschaut werden.

„Wir wollen, dass sich die Menschen noch mehr für Burg Eppstein begeistern“, berichtete Joachim Buchenau. Das Ritterlager sei ein Anfang, damit sich die Akteure besser kennenlernen. „Wir leben möglichst wie im Mittelalter und beleben die Burg.“ Als nächstes sei eine gemeinsame Aktion beim Burgfest geplant.pw

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