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Lob für die Bühnen-Profis

Juliane Rödl (2.v.re.) und die Erste Stadträtin Sabine Bergold (li.) führten den Festzug zur Burg an. Foto: Beate Palmert-Adorff

Die Stadtwache führte am Sonntag den Umzug der Burgschauspieler zu ihrem Festtag auf der Burg an, die neu gegründete Rittergruppe um Joachim Buchenau übernahm die Sicherung der Straßen, „Blech gegen Blech“, wie die Chefin der Burgschauspieler, Juliane Rödl, vergnügt verkündete.

Viele Besucher folgten der Einladung zur Feier des 50-jährigen Bestehens der Burgschauspieler und kamen in mittelalterlichen Gewändern zum Treffpunkt zwischen Werner- und Gottfriedplatz. Dort hatten die Helfer des Gewerbevereins IHH schon alles vorbereitet für den zweiten Tag des Weinfestes (siehe Bericht auf Seite 7).

Der Anweisung „Jubel! Jubel!“, der Burgschauspieler kamen die Teilnehmer des Festzuges gern nach und schwenkten auf ihrem Weg vom Wernerplatz über den Ostaufgang zum Burghof kleine Jubiläumsfähnchen. Die neue rote Vereinsfahne mit weißem Bajazzo trug Johann Kron voran. Der Unterstützer der Burgschauspieler und überzeugte Neu-Eppsteiner zog vor 15 Jahren nach Eppstein, weil er sich „auf den ersten Blick in die Altstadt verliebt“ habe, erzählt der 68-jährige Wallufer Bub. Seitdem ist er begeisterter Förderer der Burgschauspieler. Zum Jubiläum stiftete er eine große Vereinsfahne und wurde dafür beim Festakt auf der Burg zum Ehrenmitglied ernannt. Das Motiv, der sich verbeugende weiße Bajazzo auf purpurrotem Grund, stammt aus der Feder der Bremthaler Grafikerin Dorothea Lindenberg und ist ebenfalls ein Jubiläumspräsent, verriet Juliane Rödl.

Sie freut sich, dass der Verein der Burgschauspieler wächst: „130 Mitglieder hatten wir zu Beginn des Jahres und es werden stetig mehr.“ Frisch dazugekommen sind die 20 Musiker des Burgorchesters „Bajazzo“. Nicht nur aus Eppstein, aus der gesamten Region bekomme sie Anfragen von Menschen, die auf der Bühne stehen, beim Kulissenbau oder in der Maske helfen wollen, verriet Rödl.

Am Sonntag standen die im Mittelpunkt, die „seit Jahren Bühnenarbeit mit Professionalität“ betreiben, betonte Norbert Deforth, der Vorsitzende des Landesverbandes Hessischer Amateurbühnen. Er ehrte „Menschen, die in ihrer Zeit erstaunlich viel geleistet haben“ und überreichte Ehrenurkunden in Silber und Gold. Seit 50 Jahren sei Gerda Bimmel, so Deforth, „das Gesicht der Burgschauspieler“.

Genesius-Feier mit Festumzug, Taufe, Musik und Theaterspiel

Ihr Einsatz aus dem ersten Stück, der „Stadterhebung“ von Ludwig Löber, mit den Worten „ein Wetterchen ist das heute“, sei für viele Zuschauer noch immer ein fester Begriff. Und wenn Requisiten oder Kostüme gesucht werden, ist sie die erste Adresse. Die 81-Jährige ist als eine der vier „Kellermäuse“ für den Fundus der Burgschauspieler zuständig.

Genauso lange dabei ist Knut Vollmuth. Keiner sei so jung geblieben wie er, lobte Deforth, dass der 73-Jährige bis heute in Charakterrollen mit drolligen Sprachfehlern und großen Textpassagen auftritt.

Jahrelang in großen Hauptrollen stand Albert Marthaler auf der Bühne. Bei der Premiere der Truppe 1968 wirkte der heute 66-Jährige als junger Landsknecht mit. Später überzeugte der Fan von Willy Millowitsch, so die Laudatio, als Bürgermeister, König, Boxer und sogar in der Rolle eines Maikäfers. Seit 50 Jahren dabei, „ohne jemals selbst auf der Bühne zu stehen“, ist Lore Seitz. Sie wirkte viele Jahre als guter Geist hinter der Bühne mit. Noch heute fehlt die 87-Jährige ohne triftigen Grund bei keiner Aufführung.

Der Theaterverband ehrte auch Helmut Czepl, Astrid-Oda Schulz, Ralph Bachmann, Bernd und Eberhard Höpfner, Peter Ungeheuer, Edith Wißkirchen, Stefan Steyer, Linda Kratz, Volker Steuernagel und Roberto Meznaric. Dem Verein erlässt der Landesverband anstelle eines Geburtstagsgeschenks den Jahresbeitrag in Höhe von 250 Euro.

Neben den langjährigen Burgschauspielern stand auch das jüngste Mitglied am Sonntag im Mittelpunkt: Der drei Monate alte Oskar Arthur kam, wie Pfarrerin Heike Schuffenhauer im ökumenischen Gottesdienst verkündete, „pünktlich vor dem Jubiläumsfest zur Welt“. Seine Eltern, Burgschauspieler Richard El Duweik und Ehefrau Juliane, ließen ihn im Rahmen der Genesius-Feier taufen. Die Burgschauspieler erinnerten an ihrem Festtag an den Patron der Schauspieler, den heiligen Genesius, der der Legende nach im dritten Jahrhundert nach Christus als Hofnarr Kaiser Diokletian diente und später als Christ enthauptet wurde. Rund 400 Gäste kamen im Laufe des Tages.

Ihrem Gründer Ludwig Löber, dem „intellektuellen Zweifler und leicht introvertierten früheren Herausgeber der Eppsteiner Zeitung“ widmeten die Burgschauspieler eine eigene Theaterszene. Volker Steuernagel spielte den Verleger, wie er unter einem Vorwand die Redaktion verließ, um Neuigkeiten für sein „Blättchens“ aufzuspüren, und bei einer Probe für „die Stadterhebung“, seinem ersten Heimatstück, das er für die 650-Jahr-Feier 1968 schrieb. LL, Löbers Kürzel und Spitzname, sah sich in der Tradition von Franz Burkhards Volksschauspiel von 1913 und spannte halb Eppstein für das Jubiläumsstück ein, darunter auch lebende Tiere. Amüsiert verfolgten die Zuschauer den Disput zwischen Hannes (Peter Ungeheuer), der sein ausgebüchstes Schwein im Ostzwinger fangen wollte und LL, der auf Fortsetzung der Probe drängte.

Eberhard Höpfner, ehemaliger Burgschauspieler, kannte LL, schon als Junge und half Autorin Monika Rohde-Reith, ein Bild des unermüdlichen Sammlers Eppsteiner Geschichten und Anekdoten zu zeichnen. „Er war ein ernster Mensch und ein Menschenbeobachter, ein Mann, der sich bedächtig bewegte und an keinem Stammtisch vorbei ging, immer auf der Suche nach Neuigkeiten“, sagte Höpfner. Mit „Ludwig Löbers Laienspiel“, so hieß die Truppe damals, sei für LL ein Traum in Erfüllung gegangen. Seine Idee, dass sie zu einer festen Institution im Leben der Stadt werden, habe sich erfüllt. Der Laientruppe sei es zu verdanken, dass nicht nur Auswärtige, sondern auch die Eppsteiner zu den Burgfestspielen gehen. Seit Bürgermeister Richard Hofmanns Zeiten werde nicht daran gerüttelt, dass die Burgschauspieler die Burgfestspiele eröffnen.

Am Nachmittag traten befreundete Gruppen auf: Die Theaterfreunde Oberjosbach zeigten eine reichlich verkorkste Probe zu „Romeo und Julia“, Zauberin Michelle Spillner zog die Zuschauer mit ihrer subtilen Schau in den Bann. Mit „700 Jahre voll Musik“ begeisterte das Burg Orchester Bajazzo das Publikum. Das Imrotheater Maineid und die beiden Mundartrezitatoren Mario Gesiarz und Rainer Weisbecker brachten das Publikum zum Schmunzeln und zum Lachen, die Eppsteiner Burgschauspieler entführten die Zuschauer auf Zeitreise ins 19. Jahrhundert und spielten eine Szene aus dem Leben der Familie de Neufville.    bpa

 

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