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Frische Farbe für den 90-jährigen Kirchenbau

Der 94-jährige Hans Gräber, der noch in der alten Kapelle getauft wurde, kam auch zum Eröffnungsgottesdienst.

Niederjosbachs Katholiken feierten am vergangenen Sonntag die Wiedereröffnung ihrer frisch renovierten Kirche mit einem feierlichen Gottesdienst. Der Kirchenchor unter der Leitung von Thomas Ickstadt nutzte mit mehrstimmigen Gesängen die hervorragende Akustik der Kirche. Lampen, Tabernakel, die Kreuzigungsgruppe aus den 1930er Jahren und die barocke Marienfigur sind an ihre angestammten Plätze zurückgekehrt. Nur die Figurengruppe des Heiligen Michael mit dem Drachen fehlte auf ihrem Sockel im Chorraum. „Der Schutzpatron trocknet noch beim Restaurator“, verriet Klaus Nies vom Verwaltungsrat der katholischen Kirche. Der expressive Kirchenraum von 1928 erhielt in den vergangenen Wochen, wie berichtet, einen neuen Innenanstrich.

Für ihr unermüdliches Engagement dankte Pfarrer Gaspar Minja Irmgard Theis vom Verwaltungsrat und Norbert Ziegler vom Ortsausschuss. Sie waren zur Stelle, um die Details der Renovierung zu besprechen, organisierten Helfergruppen, die beim Aus- und Einräumen der Bänke und der Figurengruppen halfen, und packten beim Aufräumen und Putzen mit an.

Mit 55 000 Euro fielen die Kosten etwas höher aus als geplant, 25 000 Euro bezahlte der Förderverein der St. Michael-Kirche aus seinen Rücklagen, der Rest kam über Spenden zusammen: „Viele Spender haben dies ermöglicht“, freute sich Irmgard Theis und nannte die Stiftung der Taunussparkasse mit 5000 und die Mainova mit 4000 Euro als Hauptsponsoren.

Farbauswahl und Restaurierungsarbeiten hatte der Ortsausschuss mit dem Konservator des Bistums Limburg besprochen. Zuschüsse gibt es nicht. Dank einiger Einnahmen aus Erbpachtverträgen, bildete der Förderverein in den vergangenen Jahren Rücklagen für die Unterhaltung der Kirche. Im Laufe des Sommers wird das Läutwerk der Glocken renoviert.

Deutlich teurer wird die Sanierung der Bremthaler St. Margareta-Kirche. Genaue Zahlen verrät der Verwaltungsrat nicht. Die Sanierung wird von einem Sponsor bezahlt. Aber der Termin für den Eröffnungsgottesdienst steht fest: Er wird am Samstag, 13. April, gefeiert. Bis dahin sollen Innenanstrich, neue Lichtanlage und Lautsprechertechnik installiert sein.

Mit Sorge beobachte er die Entwicklung im Bistum, sagte Professor Alois Ickstadt nach dem Gottesdienst in Niederjosbach. Auch mit 88 Jahren hält der bekannte Kirchenmusiker, Komponist und Musikpädagoge seine Kritik an der Amtskirche nicht zurück. Dass das Bistum die Gemeinde bei diesem Projekt nicht unterstütze und nicht einmal einen Vertreter zur Einweihung eines solchen Gemeinschaftsprojekts schicke, zeigt aus seiner Sicht wie weit sich die Kirche von ihrer Basis entferne – das, so der ehemalige Adorno-Schüler, „hört erst auf, wenn der Kapitalismus sich am Ende selbst ruiniert hat“.

Irmgard Theis war deutlich optimistischer gestimmt. Mit Eppsteins einzigem Kirchenchor und Kinderchor sei Niederjosbach gut aufgestellt. Sie freute sich, dass sich zu dem besonderen Anlass acht Messdiener gemeldet hatten, alles junge Menschen, so Theis, die dafür andere Hobbys zurückstellten.

Beim Sektempfang nach dem Gottesdienst kam auch Hans Gräber mit den Besuchern ins Gespräch. Der 94-Jährige war vermutlich der älteste Gottesdienstbesucher am vergangenen Sonntag. Er sei noch in der Vorgängerkapelle der heutigen Kirche getauft worden, erzählte der gebürtige Niederjosbacher. Später ging er im damaligen Kirchenneubau zur Kommunion und war Messdiener.

Die Eltern seien sehr fromm gewesen, erinnerte sich Gräber. Die St. Michael-Kirche habe ihn sein ganzes Leben hindurch begleitet. Hans Gräber, der immer noch im Niederjosbacher Ortskern wohnt, gründete dort eine Familie und lebt heute unter einem Dach mit Sohn Peter.

Seit über 70 Jahren ist Gräber Mitglied des Gesangvereins Sängerlust und eines der Ehrenmitglieder des Vereins, lernte den Beruf des Drehers und arbeitete zunächst bei der Bundesbahn, wurde in den Betriebsrat gewählt, später in die Selbstverwaltungsgremien der Sozialversicherer, in denen er noch bis zum 70. Lebensjahr tätig war.

Stolz ist er darauf, dass ihm Richard von Weizsäcker vor rund 30 Jahren das Bundesverdienstkreuz verlieh und froh, dass er die Wege im Ort, wie den zur Kirche, immer noch ohne fremde Hilfe zurücklegt. bpa

Irmgard Theis und Norbert Ziegler haben sich für die Sanierung der Kirche eingesetzt.Fotos: bpa

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