Doch die Frauen sind es ohnehin gewohnt, einander bei Paartänzen gegenüberzustehen. Die, die eine rote Schärpe tragen, übernehmen die Schrittfolge der Herren. „Das trainiert die beiden Gehirnhälften“, sagt Birte, „vor allem wenn man die Rollen immer wieder wechselt.“ Ursel tanzt schon seit 15 Jahren und war dabei als Tanztrainerin Jutta Eichhorn die Tanzgruppe der TSG 2017 neu gründete. Inzwischen ist Ursel 82 Jahre alt, ein Alter, das man ihr nicht ansieht. Auch Karla, mit 67 Jahren die jüngste der Gruppe, sagt: „Das Tanzen hält frisch und macht einfach Spaß.“
Trainerin Jutta gibt die Tänze meistens vor. Darunter sind Reigentänze, Reihentänze, ebenso wie Linedance oder Square. Bei manchen Tänzen werden Gassen gebildet, bei denen die Partner sich zunächst gegenüber aufstellen, wie bei den höfischen Tänzen der Renaissance. Viele Grundschritte und Schrittfolgen wiederholen sich immer wieder, dazwischen sind wechselnde Tanzfiguren eingeschoben. Das spornt die Tänzer an: „Bis zu zehn Figuren in einem Tanz kann man sich gut merken“, sagt Birte. Bei so vielen Tänzerinnen geht Jutta Eichhorn lieber auf Nummer sicher und sagt diese besonderen Bewegungsabläufe jeweils an.
Die Tänze stammen aus unterschiedlichsten Kulturen. Die Schrittfolgen können aus Folkloretänzen stammen, aber genauso gut aus Hiphop oder Rock ‘n‘ Roll. Zu manchen Liedern hat Jutta Eichhorn die Choreografien selbst geschrieben, oft greift sie auch auf Vorlagen ihres Verbandes zurück, dem Bundesverband Erlebnistanz. Dort hat sie ihre Ausbildung mit Abschlussprüfung 2017 absolviert. Im gleichen Jahr kam sie zur TSG Ehlhalten, weil eine ihrer Tanzkolleginnen aus Niedernhausen sie ansprach, ob sie dort nicht wieder eine Gruppe gründen wolle. „Das machte ich, obwohl meine Ausbildung zur Tanzleiterin noch nicht beendet war“, erinnert sich Jutta Eichhorn.
Das Tanzen begleite sie schon seit ihrem 14. Lebensjahr sagt die 63-Jährige: Zunächst besuchte sie ganz klassisch eine Tanzschule in Kassel, wo sie aufgewachsen ist, machte mit Formationstanz und Hospitation in der Tanzschule weiter. Nach ihrer Lehre als Hotelfachfrau kam sie zu einer Bank in Frankfurt, die als Betriebssport Tanz anbot, wo sie auch mit ihrem späteren Mann Mathias tanzte.
Der Beruf ihres Mannes führte die junge Familie mit zwei kleinen Töchtern zwischen 1997 und 2008 zunächst nach Seoul in Südkorea, wo Jutta Eichhorn einen Tanzkreis gründete und eine Tanz AG in der Deutschen Schule Seoul anbot.
Auch ihre Hobbys, Zumba und Aerobics, hatten immer mit Musik und Tanz zu tun, sagt Jutta Eichhorn. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland wollte sie wieder tanzen. Sie zogen nach Niedernhausen. Da ihr Mann beruflich noch zu eingespannt war, informierte sie sich über „Tanzen ohne Partner“ und kam so auf den Erlebnistanz. Seit 2015 tanzt sie in einer Tanzgruppe in Niedernhausen und machte ihre Ausbildung zur Tanzleiterin. Inzwischen teilt sie sich den Unterricht in Niedernhausen mit einer Kollegin und geht vertretungsweise in andere Gruppen. Anbieter gibt es in Idstein, Taunusstein, Kronberg und Wiesbaden. „Den meisten Platz haben wir hier in Ehlhalten“, stellt sie zufrieden fest. „Und seitdem die Akustikdecke installiert ist, hören die Tänzerinnen auch meine Ansagen gut.“ Die neue Decke habe sich gelohnt, finden auch die gut 30 Tänzerinnen. Die Atmosphäre sei beim Tanzen dadurch viel angenehmer.
Mit ihren Ehlhaltener Tänzerinnen tritt Jutta Eichhorn regelmäßig beim Spielefest der TSG Ehlhalten auf. An der Adventsfensteröffnung unterhalb der Burg tanzten sie auf der Bühne und beim Höfefest mitten auf dem Dorfplatz: „Es ist schön, wenn auf solchen Festen die Besucher einfach mittanzen“, sagt Marie.
Beim Hessentag und auf Landesgartenschauen standen die Tänzerinnen auch schon auf dem Tanzboden. Dieses Jahr gab es kein Wiedersehen mit der Gruppe beim Höfefest. „Wir sind in Urlaub“, sagt Jutta Eichhorn und ohne ihre Ansagen wollen die Frauen verständlicherweise nicht auftreten.
Zweimal im Jahr organisiert Eichhorn Wochenendausflüge mit Tanz-Workshops. Ein gutes Dutzend Tänzerinnen nehmen die Herausforderung an. Denn immerhin heißt es dann von morgens bis abends proben.
Im April begrüßten die Ehlhaltener befreundete Tanzgruppen zu einem Tanzfest, vor einigen Wochen fuhr eine kleine Gruppe aus Ehlhalten mit der Trainerin zu einem Tanzgruppen-Wettbewerb in Taunusstein-Orlen. „Wer will, kann bei diesen Aktionen mitmachen, das ist aber kein Muss“, sagt Eichhorn.
Wer sich für Gruppentanz interessiert, kann unverbindlich montags von 10.30 bis 12 Uhr bei den Tanzfreunden in der Dattenbachhalle vorbeischauen.bpa

Kommentare