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Aktionäre halten den 60 Jahre alten Borgward in Schuss

Ede Schmitt (vorn re.) hatte den Borgward für die Vatertagsrundfahrten herausgeputzt und mit Blumen geschmückt. Foto: Ulrike Rausch

Trotz der schlechten Wettervorhersage feierte die Ehlhaltener Feuerwehr den Vatertagsfrühschoppen mit Musik der Villmarer Blaskapelle, einer Hüpfburg als Attraktion für die jüngsten Besucher und Rundfahrten mit dem Borgward, der 60 Jahre alt wird.

Einziges Zugeständnis ans Wetter war der Ort: Die Wehr richtete die Fahrzeughalle und den Vorplatz her, um Besuchern und Musikern auf jeden Fall ein trockenes Plätzchen zu bieten. Die Feuerwehrfahrzeuge standen am Feiertag vor der Tür und konnten besichtigt werden.

Einen besonderen Anlass zum Feiern bot der Borgward, der 1958 zum ersten Mal zugelassen wurde. Ede Schmitt, Feuerwehr- und Vereinschef Lothar Racky und der Borgward-Club der Ehlhaltener Feuerwehr schmückten den Oldtimer zu seiner 60-Jahr-Feier mit Blumen. Bäcker Benno Hefter, ebenfalls Club-Mitglied ,hatte eine Geburtstagstorte mit Feuerwehrmotiv gebacken. Wehrführer Lothar Racky erzählte Anekdoten über das Sonderfahrzeug.

Gebaut wurde der Borgward 1957 in Bremen und wurde 1958 als Bundeswehrfahrzeug nach München überführt. 1971 kaufte ihn die Niederjosbacher Feuerwehr. Dort trug der Borgward den Spitznamen „Daktari“ nach der beliebten Fernsehserie aus den 1960er Jahren und transportierte etwa zehn Jahre lang die Tragkraftspritze. Danach landete er in Horst Raules Automobilmuseum in Vockenhausen und verschwand schließlich in einem Lager in Wiesbaden. In dem Schuppen entdeckte der Dachdecker und Oldtimer-Sammler Jakob Becht aus Ehlhalten das Auto, als er ein Dach reparieren sollte. Der Deal, so Racky, war schnell eingefädelt: Im Tausch für eine Dachreparatur kam das damals schon historische Fahrzeug 1998 nach Ehlhalten, wo seitdem die Feuerwehr und einige Oldtimer-Freunde den Borgward hegen. Allen voran Ede (Edmund) Schmitt, der sich seit der Grundsanierung des Fahrzeugs 2001 um das Fahrzeug kümmert. Inzwischen ist der 70-jährige gelernte Autoschlosser selbst in Rente und hält Motor und Karosserie des Borgwards in Schuss. Außer Racky und Schmitt kümmern sich der stellvertretende Wehrführer Axel Ernst, Marc Racky und Christian Schmitt um das Auto. Karl Blank organisiert die Ausflüge, Joachim Racky ist ein weiterer Fahrer.

Damit immer genug Geld für Reparatur und Wartung in der Kasse ist, haben die Oldtimer-Fans im Feuerwehrverein einen Borgward-Club gegründet und verkaufen Aktien. Jede Aktie bedeutet einen symbolischen Anteil an dem Borgward. Zum runden Geburtstag legte der Club eine Sonder-Edition für jeweils 60 Euro pro Aktie auf, extra für die Geburtstagsfeier am Himmelfahrtstag und das Borgward-Fest im Herbst – „Regulär verkaufen wir Anteile für 25, 50 oder 100 Euro“, sagt Racky.

Das Sponsorenmodell habe sich bewährt. Rund 115 Anteilseigner gibt es am Borgward. Viele haben mehrere Aktien. Das sei auch notwendig, sagt Ede Schmitt, denn an einem so alten Auto sei immer etwas zu tun.

Vor einigen Jahren wurde der Motor komplett überholt. Ersatzteile seien schwierig zu bekommen. Als nächstes will Schmitt die Plane, die das Cabrio zu einem geschlossenen Transporter umwandelt, zu einem Sattler bringen. Der muss Nähte und Imprägnierung erneuern. An den Kotflügeln gibt es einige Roststellen zu flicken, „ansonsten ist das Auto prima in Schuss und einsatzbereit“, sagt Ede. Am Vatertag nahm er Besucher zu kleinen Rundfahrten mit. Maximal acht Personen haben außer ihm Platz. Ein- oder zweimal im Jahr unternimmt der Club Ausflüge. Zuletzt war er in Limburg. Mit seinen 82 PS und sechs Zylindern leistet der Wagen eine Höchstgeschwindigkeit von maximal 95 Kilometern pro Stunde bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 3500 Kilogramm. Aber abgesehen von den technischen Details „ist es ein Auto, das auffällt und auf das dich die Menschen ansprechen“, sagt Racky.

Beim Fastnachtsumzug des GCC kutschiert der Magistrat im offenen Borgward durch Niederjosbach. Auch Anfragen für Hochzeiten gibt es immer wieder. Bürgermeister Alexander Simon und seine Frau durften den Borgward als Hochzeitsfahrzeug nach der Trauung nutzen. Bei der Sommertour des HR kutschierte Ede Schmitt die Moderatoren zu Eppsteiner Sehenswürdigkeiten.

„Stehen geblieben sind wir noch nie mit diesem Auto“, betont Schmitt, „einmal kamen wir auf dem Weg nach Bremthal in einen Wolkenbruch“, erinnert sich Racky, „das war aber kein Problem: Wir haben uns in Bremthal an die Straße gestellt, die hintere Wagentür geöffnet und das Wasser einfach abfließen lassen.“bpa

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