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100 Spender halfen beim Wiederaufbau des Flurkreuzes

Viele Spender kamen am Samstagmorgen, um die Rückkehr des Feldkreuzes im Seyenbachtal zu feiern. Foto: Frauke Frerichs-Gundt

Die Rückkehr des renovierten Flurkreuzes auf seinen angestammten Platz am Feldweg Richtung Seyenbachtal in Bremthal wurde am vergangenen Samstag in einer kleinen Feierstunde gewürdigt. Rund 50 Gäste waren der Einladung des Heimat- und Geschichtsvereins Bremthal und der Stadt Eppstein gefolgt.

Seit der Errichtung 1869 habe es die Menschen begleitet und gehöre fest zu Bremthal, erklärte Bürgermeister Alexander Simon in seiner Rede. Im November wurde das Sandsteinkreuz mutwillig umgestoßen und zerbrach in drei Teile. Auch wenn es seine Körperlichkeit vorübergehend verloren hätte, sei es doch tief verwurzelt in den Herzen der Menschen, sagte Simon. Dies sei an den vielen Spenden abzulesen, die schnell und spontan nach der Zerstörung des Flurkreuzes eingegangen seien. Sie hätten gezeigt, wie groß der Zusammenhalt in Bremthal sei, lobte er in seiner Rede und versprach, demnächst werde ein Schild in der Nähe des Kreuzes über seine Geschichte und über Feld und Flur im Seyenbachtal informieren.

Auch der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, Helmut Kleindienst, war von der Spendenfreudigkeit und vom schnellen Erreichen der notwendigen Reparatursumme überwältigt. „Im Ehrenamt fragt man sich manchmal nach dem Sinn seines Engagements. Dieser Erfolg ist für mich ein sinnstiftendes Element für meine Arbeit“, freute sich Kleindienst über annähernd 100 Spender. Schnell war die notwendige Summe von 3500 Euro beisammen. Jetzt ist sogar noch Geld übrig für die Sanierung weiterer Kreuze. Kleindienst verbindet mit den Flurkreuzen vor allem Erinnerungen an seine Jugend, als er mit seinem Großvater in den Äckern und Wiesen unterwegs war. Aber auch die Bilder von Prozessionen stünden ihm vor Augen. Das Kreuz verbinde er mit seiner Religion und seinen christlichen Werten.

Der katholische Pastoralreferent Johannes Edelmann segnete das Kreuz und erklärte in seiner kurzen Ansprache, wie aus dem Holz der Schande ein Zeichen der Liebe geworden und aus Ausgrenzung Verbundenheit entstanden sei. Noch vergangenes Jahr habe er mit den Kindergartenkindern das Erntedankfest am Flurkreuz unter der Birke gefeiert. Pfarrer Moritz Mittag von der evangelischen Emmausgemeinde teilte diese Verbundenheit. „Für uns Christen ist das Kreuz das Zeichen unter dem wir zusammenkommen. Darunter leben, feiern und sterben wir“, erklärte er. Es sei ein Koordinatensystem, es verbinde die Welt mit Gottes Reich. Er gehe in der Osternacht mit Jugendlichen dort hin.

Für Pfarrer Mittag liegt die Bedeutung dieses Feldkreuzes aber auch in seiner Geschichte. „Es berührt mich zutiefst, dass Menschen, die viel weniger hatten als wir, deren Leben hart und entbehrungsreich verlief, dieses Zeichen gesetzt haben“, erklärte Mittag. Die Menschen stellten das Flurkreuz ins Feld, also mitten in ihren Arbeitsplatz. „Es war nicht Ausflugsziel für einen sonntäglichen Spaziergang mit Picknick, sondern Teil ihres normalen Lebens“, führte Mittag weiter aus. Es sei ein lebendiges Zeichen gewesen, dass bei der Unterscheidung geholfen habe, was man tun oder lassen solle. Ohne die gelebte Pflege ihrer Bedeutung würden Zeichen allerdings untergehen. Das beträfe die Kreuze genauso wie die Feiertage, warb er für eine aktivere Teilnahme am kirchlichen Leben.

Die Feierstunde klang mit vielen Gesprächen bei Apfelwein und Brötchen aus. Ortsvorsteher Guido Ernst erinnerte sich an seine Zeit als Messdiener, als er mit der Jugendgruppe zu den Feldkreuzen gegangen sei. „Manchmal weiß man etwas erst zu schätzen, wenn man es verloren hat“, fasste er seine Gedanken zur Zerstörung des Kreuzes zusammen. Heute schaue er bewusst zum Kreuz hinüber, wenn er auf der Straße vorbeifahre. Er achte mehr darauf, wer sich dort treffe, denn es sei ein von Spaziergängern stark frequentierter Platz. Der Bremthaler Fotograf Uli Häfner betrachtet das Flurkreuz als Augenöffner für die Realität und sagte, er nehme es beim Spazierengehen sehr bewusst wahr. ffg

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