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Verschwenkung ist eine Option

Auch Eppsteiner nahmen an der Demonstration gegen die Ultranet-Trasse teil. Foto: M. Becht

Den Besuch des Bundeswirtschaftsministers Peter Altmaier an der Stromtrasse in Niedernhausen am vergangenen Freitag ließen sich auch Eppsteiner Gegner der Gleichstrom-Hochspannungsleitung Ultranet nicht entgehen.

Bürgerinitiativen von Hünstetten, Idstein, Niedernhausen, Eppstein, den Hofheimer Stadtteilen Langenhain und Wildsachsen sowie Hochheim waren der Einladung aus Niedernhausen gefolgt.

Schon bei den ersten Stopps von Altmaiers Tourbus in betroffenen Wohngebieten und Gesprächen mit Menschen, die unmittelbar neben oder unter den bestehenden Strommasten leben, gab es erste Protestkundgebungen. Am Demonstrationszug am Nachmittag vom Rathaus Niedernhausen zur Versammlung in der Autalhalle nahmen etwa 400 Menschen teil. Etliche trugen, nach französischem Vorbild, neongelbe Westen und zogen mit Transparenten, Trillerpfeifen und gelben Luftballons über die Idsteiner Straße.

In der Autalhalle drängten sich fast 1000 Besucher – Altmaier, Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir, die Experten des Bundesamts für Strahlenschutz und der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Hohmann, hatten keinen leichten Stand. „Vor allem die große Präsenz der Menschen vor Ort dürfte den Minister zum Nachdenken anregen“, ist sich Rainer Wegner, Sprecher der Bürgerinitiative Niedernhausen-Eppstein sicher. Auch Bürgermeister Alexander Simon ist überzeugt: „Der Minister hat hier 1000 Menschen getroffen, die Angst haben, und er hat Kommunalpolitiker aus sechs Städten und zwei Kreisen getroffen, die sich hochgradig vorbereitet und abgestimmt hatten. Das hat er ernst genommen.“

Simon war wie seine fünf von den Ultranet-Plänen betroffenen Kollegen aus Rheingau-Taunus- und Main-Taunus-Kreis zur Versammlung gekommen. Sie hatten schon vor der Versammlung rund zwei Stunden lang Gelegenheit, ihre Argumente vorzubringen. „Wir waren sehr gut vorbereitet und haben sehr deutlich gesagt, dass wir die Energiewende mittragen wollen, aber nicht zu Lasten der Menschen“, betonte Simon.

Altmaier nannte die Trassenverschwenkung eine mögliche Lösung und versicherte, man werde sich nahezu jeden Mast anschauen.

18 Bürgerinitiativen fordern Grenzwerte und Erdkabel

Eppstein hätte dabei gute Aussichten. Die von der Stadt vorgeschlagene Verschwenkung liegt noch innerhalb des 1000 Meter breiten Trassenkorridors der bisherigen Ultranetplänen. Doch derzeit, so Simon, habe die Regionalität Vorrang vor der lokalen Einzellösung.

„Das Gespräch war sachlich, wir hatten uns gut abgesprochen, jeder Kollege trug zwei Anliegen vor“, zog Simon Bilanz. Der Lärmschutz in den Wohngebieten war ihm ein besonderes Anliegen. Andere Kollegen wiesen darauf hin, dass die Kommunen bereit seien, notfalls zu klagen. Langwierige juristische Auseinandersetzungen dürften nicht im Interesse der Bundesnetzagentur sein.

Im Bürgerdialog in der Autalhalle vermied Altmaier konkrete Zugeständnisse, zeigte sich aber offen für Alternativen. Insgesamt 25 Vorschläge für Änderungen der Trassenführung gebe es entlang der geplanten Ultranet-Trasse, die gelte es bis zum Juni zu prüfen, sagte Altmaier, eine weitere Verzögerung des Netzausbaus führe aber letztlich dazu, dass der Strom für alle teurer werde.

Das gelte auch für eine Änderung der Trasse: „Jede Verschwenkung kostet Geld“, mahnte Altmaier. Daran solle das Projekt jedoch nicht scheitern, relativierte Jochen Homann von der Bundesnetzagentur, der sich gegen den Vorwurf wehrte, das Schutzgut Mensch werde geopfert.

Den insgesamt 18 Bürgerinitiativen, die sich entlang der Strecke zum Aktionsbündnis Ultranet zusammengeschlossen haben, wäre eine Erdverkabelung die liebste Alternative oder eine Trasse auf der weniger dicht besiedelten anderen Rheinseite. Außerdem fordern sie, dass die Grenzwerte für Lärm und elektrische Felder und mindestens 400 Meter Abstand auch zu bestehenden Wohngebieten eingehalten werden. Bei einer Verschwenkung der Trasse, um diese Mindestabstände einzuhalten, wären vor allem der Wald und der Umweltschutz der Verlierer, räumte Wegner ein.bpa

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