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Was nicht passt, wird ausgekehrt

Die Roten Tatongkas kleideten sich für ihre Show „Unter dem Meer“ in Phantasie-Gewänder ganz in Grün und Blau.     Foto: Beate Palmert-Adorff

 

Mit Lokalkolorit und ausschließlich hausgemachten Beiträgen punktete der GCC in seiner ersten Prunksitzung am vergangenen Samstag.

Die eigenen Garden schwächeln derzeit zwar personell, ließen sich das auf der Bühne aber nicht anmerken: Die Roten Tatongkas mussten krankheitsbedingt auch noch auf den dritten Mann verzichten. Gekonnt überspielten die Tänzer dies bei der Polka zum Auftakt der Sitzung. Sitzungspräsident Heinz Seebold, zum 38. Mal in dieser Funktion im Saal, ignorierte selbst einen grippalen Infekt und lief nach wenigen Minuten zu gewohnter Form und Schlappmäuligkeit auf. Stolz wies er darauf hin, dass in allen Garden des GCC inzwischen mindestens zwei Männer mittanzen und lobte: „Ihr macht eure Sache sehr gut!“

Die Frauengesangsgruppe „die Knallbonbons“ stimmten zu Beginn der Sitzung auf die Fastnacht ein und schmetterten Stimmungslieder. Nach der Pause liefen sie zu großer Form auf: Bühnenbild, Liedauswahl und Bühnenshow passten im „Narrenschiff auf hoher See“ perfekt zusammen. Rosi Weinkeim wankte als Popeye, der Matrose, mit einer Dose Spinat im Gepäck als letzte auf die Planken, bevor das Narrenschiff die Anker hievte.

Während die Frauen, begleitet von Chorleiter Thomas Hannappel auf dem Klavier, Seemannslieder, Shanties, Trinklieder und schließlich „Sie hieß Mary Ann“ schmetterten, schipperte ein Pirat, dessen Verkleidung an Captain Sparrow aus „Fluch der Karibik“ erinnerte, mit einem Schiffsbug mit dem Namenszug „Mary Ann“ über die Bühne, Erika Mundorf als Leichtmatrose im roten Overall suchte mit der Lupe „deine Spuren im Sand“.

Protokoller Dirk Büttner brachte wieder seinen Besen mit und kehrte in der großen Politik und vor der eigenen Haustür: Flughafen Berlin und Bahnhof Stuttgart 21, zwei Projekte, in denen Millionen versanden, „während auch in Gusbach die Provisorien nicht enden“, sagte er und wies auf das „Ampelkonstrukt“ in der Bezirksstraße hin, seit einem Jahr ist die Ampel defekt. Auch das verklumpende Granulat des Kunstrasens in Bremthal wurde thematisiert: „Wenn das auf dem Lochberg einst auch so sein wird, dann gehört das Thema ganz schnell ausgekehrt“.

Mit dem GCC von der Alpenparty zum Narrenschiff auf hoher See

Frank Kilb, den Seebold als Heftricher Sitzungspräsident begrüßte, kam als Patient zur Therapie bei Psychologin Rebekka Blaschke und blickte sich erstaunt im Saal um: „Sie haben ja ein sehr volles Wartezimmer, da bin ich wohl der einzige Normale hier.“

Jutta Weiss erzählte als „Miss Schrubber“ von ihrem Leben „zwischen Klopapier und Tupper“. Mit bunt geringelten Socken unter langen weißen Herrenunterhosen, einer gepunkteten roten Kittelschürze über grasgrünem Poloshirt und farblich passendem grünem Haarband machte die eingefleischte Fastnachterin eine ausgesprochen gute Figur und Seebold fragte fasziniert von der gelungenen Zusammenstellung: „Habt ihr zu Hause ein Zimmer nur für solche Klamotten?“

Felix Mundorf (24), der schon als Zwölfjähriger mit Oma Erika bei Jugend in der Bütt auftrat, wirbelte mit blonder Lockenperücke und Tupfenkleid als Frau über die Bühne und machte den anwesenden Männern charmant klar, dass „ihr alle nur arme Würstchen seid“. Nach der Pause drehten auch die Garden noch einmal richtig auf: Delphine und Schmetterlinge wirbelten bei der „Alpenparty“ in Dirndl-Gewand und die Tänzer mit Lederhosen über die Bühne, die Roten Tatongkas, in blau-grüne Phantasie-Gewänder gehüllt, tauchten ab „Unter dem Meer“.

Die Solaris-Tänzer hüllten sich in Gewänder aus „1001 Nacht“ und boten eine orientalisch angehauchte Tanzshow.

Als Überraschungsgäste kündigte Seebold zwei Besucher aus der Eppsteiner Vergangenheit an: Bürgermeister Alexander Simon als Schultheiß der damals noch jungen Stadt und seine Schatzkämmerin, Erste Stadträtin Sabine Bergold, übersprangen mal eben 700 Jahre. Sie kamen auch auf die Bürgermeisterwahl am 26. Mai zu sprechen und waren sich schnell einig. Ob Gneupel oder Simon als Kandidaten war nicht die Frage: „Für mich der wahre Chef der Stadt hat Humor und ist ein Mann der Tat. Deshalb schlag ich euch de’ Klinger, de’ Seebold Heinz, als Bürgermeister vor“, rief Simon in die Menge. Der nahm’s gelassen und warf ein: „Wenn ich um 8 Uhr des Maul aufmach’, wollt ihr mich schon um Viertel nach 8 wieder los sein.“

Anton Dostal kam mit Batschkapp, Gehstock und in Plüschhausschuhen und wetterte über Feinstaub- und Dieselskandal, Fahrverbote, Kinderschokolade und Plastikmüll und schimpfte: „Das hat’s früher net gebbe!“

Willi Kietzmann hatte Enkel Olli mitgebracht, eine lebensgroße Puppe, und erzählte, was die Großeltern mit dem jüngsten Sproß der Familie alles erleben.

Geradezu hingerissen waren die Zuschauerinnen vom Männerballett und lachten Tränen, als die Tänzer ihre schwarzen Hosen gegen rosa Tüllröckchen tauschten.

Ganz still wurde es im Saal als die Gruppe Twister ihre neuesten Lichteffekte im abgedunkelten Saal zeigten: Leuchtende Kreise und wirbelnde Farbspektren wechselten sich mit bunten Lichtbändern ab und leiteten zum großen Finale mit allen Teilnehmern über. bpa

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