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Müllerwies: Rohbau fast fertig

Noch ist der künftige Innenhof mit Baumaterial zugestellt. Foto: Beate Palmert-Adorff

Barrierefreie Wohnungen für Menschen, die ihre Einfamilienhäuser in einem der vielen Wohngebiete mit Hanglage in Eppstein verlassen und trotzdem in Eppstein wohnen bleiben wollen, ist eines der erklärten Ziele der Eppsteiner Stadtentwicklung.

Mit ihrem Bauprojekt in der Müllerwies trägt die Talkirchenstiftung dazu bei. Dort wachsen derzeit drei Gebäude mit insgesamt 50 Wohnungen aus dem Boden. Unterirdisch sind sie miteinander durch eine riesige Tiefgarage verbunden, oberirdisch bildet ein Innenhof das Zentrum der Anlage.

Noch versperren Bauzäune und ein großer Kran die Zugänge zum Innenhof, dem geplanten Kinderspielplatz und Senioren-Fitnesspfad. Statt Fitness- und Spielgeräten lagern derzeit Stahlmatten, rote mit Mineralstoffen gedämmte Porotonsteine und fertige Betontreppen auf der Freifläche.

Eppsteins Magistratsmitglieder besichtigten in der vergangenen Woche die Baustelle, um sich über den Baufortschritt zu informieren. Noch rollen die großen LKW und laden Baumaterial am Straßenrand „In der Müllerwies“ ab, das der Kran auf die Baustelle hievt. Ende des Jahres sollen die Rohbauarbeiten abgeschlossen werden. „Dann wird es wieder ruhiger für die Anwohner in Staufenstraße und Müllerwies“, verspricht Architekt Werner Schmitt von der Projektbau GmbH Limburg. Sobald die Baugrube aufgefüllt ist, gibt es wieder mehr Platz auf den Straßen rund um die Baustelle.

Auch die Häuser nehmen allmählich ihre spätere Gestalt an. Ende 2019, spätestens im Frühjahr 2020, sind die drei Gebäude bezugsfertig, wenn die Arbeiten weiterhin planmäßig fortgesetzt werden. Bürgermeister Alexander Simon versteht den Unmut vieler Anwohner: „Eine so große Wohnanlage sieht im Rohbau immer massiv aus“, und versichert: „Das wirkt ganz anders, wenn die Gebäude fertig verputzt und die Grünanlagen bepflanzt sind.“

Von den insgesamt 50 Wohnungen werden die 13 Wohnungen im kleinsten Gebäude an der Ecke Staufenstraße zur Gimbacher Straße verkauft, 34 Wohnungen in den beiden zur Müllerwies ausgerichteten Gebäuden stehen zur Vermietung, drei Wohnungen erhält die Kirche und vermietet sie an die Diakoniestation Niedernhausen.

Hohe Standards führen zu hohen Preisen

Die insgesamt 220 Quadratmeter große Fläche im Erdgeschoss und die dazu gehörenden Stellplätze im Wert von insgesamt 900 000 Euro vermietet die Kirche der Diakonie zu einem günstigen Mietpreis, verrät Matthias Werner von der Talkirchenstiftung. Denn Quadratmeterpreise von mindestens 12 Euro und mehr, je nach Lage der Wohnung, kann die Sozialeinrichtung nicht bezahlen.

Eine weitere soziale Komponente sei angesichts der enormen Baukosten, der hohen Bau-Auflagen und fehlender Subventionen des Staates nicht möglich, sagt Werner. Für dauerhaft niedrige Mietpreise fehlen der Stiftung, so Werner, die finanziellen Mittel.

Rund 4000 Euro pro Quadratmeter kosten die Eigentumswohnungen. Investor ist First Climate, ein Unternehmen, das sich auf klimaneutrale Produktionen spezialisiert hat. Trotz der hohen Preise sind laut Werner bereits acht der 13 Eigentumswohnungen verkauft. Die Liste der Bewerber für die 34 Mietwohnungen ist lang. Fast alle Interessenten kommen aus Eppstein, einer aus Fischbach sei darunter, sagt Werner

Mit einem Marktwert von über 17 Millionen Euro für rund 4300 Quadratmeter Wohnfläche ist die Wohnanlage das größte Eppsteiner Bauprojekt seit über 20 Jahren. Dabei dürften die Bauteile unter der Erde die größten Kostenfaktoren sein: Bevor die Bodenplatte der Tiefgarage gegossen wurde, wurden 270 Eisenrohre für eine Pfahlgründung in den Boden gerammt. Viele Anwohner erinnern sich noch an den ohrenbetäubenden Lärm. 80 Zentimeter dicke Stahlträger an der Decke der Tiefgarage stützen die polygonalen Fundamente der Häuser. Die L-förmige Garage erstreckt sich unterirdisch unter allen drei Gebäuden. Über Aufzüge und Treppen sind die drei Gebäude mit den 44 Tiefgaragenplätzen und den zentralen Technikräumen für Wasser, Strom, Pellet-Heizungsanlage und Müllcontainer verbunden.

Ein großer Abstellraum wird mit Fahrradständern und Elektroanschlüssen für E-Bikes ausgestattet. Stromanschlüsse für Elektro-Autos waren zunächst nicht vorgesehen, jetzt wird es doch drei Anschlüsse geben. „Für 40 Stromtankstellen reicht das öffentliche Stromnetz nicht aus“, führt Architekt Schmitt aus, es sei aber möglich, Trafostation und weitere Anschlüsse nachzurüsten. Das gelte auch für die restlichen 32 Stellplätze, die rund ums Haus auf dem Gelände untergebracht werden.

Die Gebäude sind nach KFW 55 Standard gebaut. Dabei sei auf hohe ökologische Standards geachtet worden, sagt Schmitt: Die knapp 43 Zentimeter dicken Ziegelporotonsteine dämmen so gut, dass keine weitere Isolierschicht notwendig ist. Die Wohnungen selbst werden mit individuell steuerbaren Be- und Entlüftungsanlagen mit Wärmetauschern und Pollenfiltern ausgestattet.

Auf den Dächern erzeugen Photovoltaikanlagen Strom, den die Mieter oder Eigentümer vom Stromversorger im Rahmen des Tarifmodells „Mieterstrom“ kaufen können.bpa

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