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Ein Brem-Thaler aus leckerem Teig fürs Stadtjubiläum

Das Bild, das für den Flyer ausgesucht wurde, und die frisch gebackenen Thaler-Prototypen.

Im Mittelalter waren die Bremthaler Leibeigene der Herren von Eppstein und mussten Frondienste leisten und Steuern abgeben. In Anlehnung an die Lehens-Verhältnisse zur Zeit der Stadterhebung 1318 hat der Bremthaler Heimat- und Geschichtsverein zum 700. Stadtjubiläum einen Brem-Thaler entworfen.

Der neue Brem-Thaler wird allerdings nicht als Sondermünze in Metall geprägt, sondern gebacken – „weniger haltbar, aber leckerer“, sagt Helmut Kleindienst vom Bremthaler Heimat- und Geschichtsverein. Kirchengemeinden und Vereine planen am Samstag, 18. August, vor dem historischen Backhaus in der Bornstraße 14 ein großes Back-Event. Dazu bauen sie in der Bornstraße oder auf dem Dorfplatz eine lange Backstraße auf.

Wer will, darf sich seinen eigenen Bremthaler ausrollen, ausstechen und backen. Das Mitbringen des eigenen Backblechs sei willkommen, sagt Kleindienst. Er stellte die Backaktion gemeinsam mit Sascha Lemberg vom Vereinsring und Pfarrer Moritz Mittag als Vertreter der Kirchen vor und brachte die ersten Prototypen zum Verkosten mit. Das Model stammt aus der Metall-Werkstatt von Ortsvorsteher Guido Ernst und zeigt im Zentrum einen aufrecht stehenden Bären und am Rand die Aufschrift „Bremt-Thaler“.

Die dritten Klassen der Comenius-Schule haben im Kunstunterricht Backhäuser für Plakat und Flyer gemalt. Über 40 Bilder entstanden zu diesem Thema: Auf den Bildern schleppen Gesellen schwere Mehlsäcke, feuert der Bäcker den Ofen an, verstauen Gesellen die fertigen Brotlaibe im Regal. Weil am Ende nur eines für Plakat und Flyer ausgesucht wurde, „aber eigentlich alle Bilder wunderschön sind, wollen wir sie beim Backfest ausstellen“, waren sich die Organisatoren einig.

Das Rezept für den Brem-Thaler hat Bäckermeisterin Thea Spahn entwickelt, die aus einer Bremthaler Bäckersfamilie stammt und zusammen mit ihrem Mann bis 2003 die Bäckerei in der Wiesbadener Straße betrieb: Die Vorgabe war ein Mürbeteig, nicht zu krümelig, aber auch nicht zu weich; leicht zu transportieren und haltbar soll er sein.

Die Bäckermeisterin bereitet nicht nur die rund 60 Kilogramm Teig vor, sie hat auch die Aufsicht bei der großen Backaktion am 18. August und achtet darauf, dass der Teig gleichmäßig dick ausgerollt wird. „Die genaue Stärke muss ich noch testen“, sagt sie und gesteht, dass es schon lange her sei, dass sie den Teig ohne Maschine ausrollen musste. Das mache ihr aber keine Sorgen. Sie hofft nur, dass das Wetter mitspielt: Zu heiß darf es nicht sein, damit der Teig sich nicht verflüssigt, zu kalt und regnerisch aber auch nicht.

Eigentlich habe man den alten, gemauerten Ofen im Backhaus aktivieren wollen, dann aber darauf verzichtet, weil der Steinofen sich nicht dafür eigne, lange Zeit gleichbleibende Temperatur zu halten, sagte Kleindienst. Deshalb ist das Backhaus zwar geöffnet, genau wie das Heimatmuseum, gebacken wird aber entweder in einer mobilen Backstation oder in den Backöfen im katholischen Pfarrheim, in der Emmausgemeinde, bei der Feuerwehr und in der Comenius-Schule. Zwischen 500 und 1000 Brem-Thaler wollen die Bremthaler an diesem Tag backen: Zum gleich Verzehren, als Mitbringsel in Zellophantüten eingepackt und natürlich als „Zehnten“ fürs Ritterfest auf Burg Eppstein am Wochenende nach der Backaktion. „Wir sind schließlich Teil der Stadt Eppstein und wollen unseren Anteil zur 700-Jahr-Feier beitragen“, betont Kleindienst.

„Unseren Brem-Thaler bringen wir wie damals den Zehnten als Gabe zum Jubiläum der Stadterhebung mit“, meinte Helmut Kleindienst. Als Zehnten wurde im Mittelalter eine etwa zehnprozentige Steuer in Form von Geld oder Naturalien an den Grundherrn oder die Kirche bezeichnet. Kleindienst spielte damit auch auf das nicht immer reibungslose Verhältnis zwischen Eppstein und Bremthal an. Nur unter Zwang durch die Landesregierung kam es 1977 zum Zusammenschluss zur neuen Stadt Eppstein. Heute bildet Bremthal den größten Stadtteil mit den meisten Einwohnern. „Wir hoffen, dass unser Backfest auch eine Demonstration wird“, sagte Kleindienst: „Wir wollen zeigen, dass wir viele sind und, dass wir zusammenhalten.“

Beim Ritterfest auf der Burg wollen die Bremthaler ihre Thaler ebenfalls unters Volk bringen. Die Comenius-Schüler haben bereits Bauchläden gebastelt, je drei Kinder und drei Erwachsene bieten beim Ritterfest die Brem-Thaler an. Möglichst historisch getreue Gewänder sucht Anne Annau aus.

Wer will, darf schon zum Backfest am 18. August historisch gewandet kommen. Es ist als Familientag geplant: Mit Straßencafé, Kinderbelustigung mit Hüpfburg und einfachen Spielen. Die Bremthaler Blaskapelle spielt auf, die Bremthaler Vereine helfen bei der Verköstigung und dem Kinderprogramm und beim Ausstechen und Backen der Brem-Thaler.

Das Geld, das beim Backfest eingenommen wird, spenden die Organisatoren an eine gemeinnützige Einrichtung für Kinder.bpa

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