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Kurzes Intermezzo der Nassauer

Gleich knallt´s: Mund auf, Finger in die Ohren… Foto: Helga Mischker

Beinahe wäre die Fehde zwischen den Nassauern und den Eppsteiner Herren ins Wasser gefallen. „Den Burgschauspielern hatte ich schon abgesagt“, berichtete Museumsleiterin Monika Rohde-Reith.

Am Mittag verzogen sich die Regenwolken, so dass die Führung planmäßig mit Kanonendonner und allen übrigen schauspielerischen Einlagen stattfinden konnte – sehr zur Freude der 17 Kinder, die mit ihren Eltern am Ostermontagsspaziergang teilnahmen. In eine warme Daunenjacke eingepackt nahm Rohde-Reith am Bahnhof insgesamt rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Empfang und entführte sie ins Jahr 1417.

Das mittelalterliche Eppstein war klein und ärmlich, berichtete Rohde-Reith, es gab keinen Bahnhof und die Gassen waren nicht gepflastert. So marschierte das Völkchen durch den imaginären Matsch die Burgstraße entlang durch das imaginäre Stadttor und weiter über den Wernerplatz zur Talkirche, danach den Ostaufgang hinauf zur Burg.

Rohde-Reith ließ dieses Jahr ein Ereignis aufleben, das ziemlich genau 600 Jahre zurückliegt: Die Nassauer besetzten die Burg und machten gegenüber Gottfried VII. Besitzansprüche geltend. Der ließ gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Eberhard die damals weiß verputzte Burg mit rotem Sandstein gerade ausbauen und um die Vorburg und die Zwinger erweitern. „Alles war gut, wären da nicht die Nassauer“, so Rohde-Reith.

Zankapfel der beiden Herrscherhäuser waren territoriale Streitigkeiten: Die Nassauer machten den Eppsteiner Herren den Hof Mechthildshausen streitig, der damals Gerichtsstätte (Comitia) war, und legten dazu eine vermutlich gefälschte Urkunde vor, nach der sie das Reichslehen besitzen. Sie behaupteten, dass die Eppsteiner Herren nur über das Unterlehen verfügten und wollten sie zur Annahme ihrer angeblichen Lehenshoheit zwingen. Gottfried VII. ließ sich das nicht bieten und so spitzte sich der Konflikt zu.

Rohde-Reith erläuterte, dass sich die territorialen Ansprüche damals auf eine Stammburg mit Pfarrkirche gründete sowie auf eine Comitia, einer Gerichtsstätte.

 

Nach der Belagerung der Burg gab’s Wein und Weck für alle

Deshalb war es so wichtig, die Gewalt über die Comitia Mechthildshausen zu bewahren. Die Hochgerichtsbarkeit begründete das Lehen über ein Gebiet, das sich damals vom Rheingau bis an den Schwarzbach bei Kriftel, vom Limes bis an den Rhein erstreckte.​

Die Grafen von Nassau verfügten lediglich über den Fronhof von Wiesbaden.

Auch dass die Herren von Eppstein eine Pfarrkirche hatten, war äußerst wichtig, erklärte Rohde-Reith in ihrem Vortrag in der Talkirche, denn die adeligen Grundherren standen in enger Verbindung mit den kirchlichen Institutionen. Die unfreien Bewohner Eppsteins waren damals verpflichtet, den Bedarf der Kirche an Nahrung, Kleidung, Heiz- und Baustoffen zu decken. Die Patronatsherren setzten den Pfarrer ein, verwalteten Güter und Zehnt und konnten Überschüsse für sich behalten.

Gottfried VII. war verheiratet mit Jutta von Diez, der Tochter des Grafen Adolf von Nassau-Dillenburg, und hatte damit gleichfalls Anspruch auf das Erbe der Grafschaft Diez. Dennoch kam es wegen Mechthildshausen zum Säbelrasseln der Nassauer.

Auf dem Wernerplatz machte die Kunde von der Belagerung der Burg die Runde. „Die Nassauer sind gekommen…“, rief die kostümierte Bürgerin Mechthild alias Beata Simon Edith Wißkirchen in der Rolle der Margarethe am Fenster des Pflasterschissers zu und stimmte damit auf das Scharmützel auf der Burg ein. Beide eilten den Ostaufgang hinauf um nach dem Rechten zu sehen. Dort trafen sie auf das verzweifelte Küchenmädchen Katharina (Luise Berger), die ihnen berichtete, dass die Nassauer in Abwesenheit des Herrn die Burg belagerten und sich an dessen Wein vergingen. Margarethe und Mechthild strebten auf den Burghof, um den bewaffneten Nassauern die Leviten zu lesen. Dort lud das Veldenzer Aufgebot den Nachbau einer Burgunderbeute durch und ließ es drei Mal knallen. Der Geruch von Schwarzpulver lag in der Luft, brennender Hartweizengries erzeugte den Rauch. Dirk Büttner in der Rolle des Gottfried VII. gelang es schließlich, die Nassauer zu vertreiben. Gerade mal einen halben Tag dauerte damals die Belagerung.

Die Nassauer erhoben weiterhin Anspruch auf die Comitia Mechthildshausen, daher kam es zu weiteren Auseinandersetzungen und Verwüstungen, bis 1456 eine vom Kaiser eingesetzte Kommission die Lehensforderung endgültig abschmetterte, schloss Rohde-Reith ihren Vortrag. Doch Gottfried feierte erst einmal seinen Sieg und lud sowohl seine Widersacher als auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ostermontagsspaziergang zu einem Glas Wein mit Weck ein.             mi

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