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Jean Jaques umfangreiches Erbe hat jetzt einen Platz im Archiv

Hans Jakob Sauers Werke füllen zwei lange Regalreihen und das Wandregal, rechts oben hängt ein Selbstportrait des noch unversehrten jungen Mannes von 1940. Fotos: Beate Palmert-Adorff

Nachlässe und Unterlagen aus Haushaltsauflösungen erhält Stadtarchivarin Monika Rohde-Reith nahezu regelmäßig.

Hin und wider ist etwas ganz Besonderes darunter wie der Nachlass des 2015 verstorbenen Eppsteiner Architekten, Künstlers und ehemaligen Baustadtrats Hans Jakob Sauer, den Rohde-Reith vor wenigen Monaten von den Erben erhielt. Er enthält rund 200 Original-Bilder und 15 Ordner mit Federzeichnungen, darunter viele Darstellungen der historischen Eppsteiner Altstadt und der Stadtteile. Vieles signierte der unermüdlich Schaffende mit seinem Künstlernamen „Jean Jaques“.

Die Burg hat er im Laufe der Jahrzehnte unzählige Male ins Bild gesetzt: Im Scheinwerferlicht bei Nacht, von grünen Blättern umrahmt, von Schnee bedeckt oder im Nebel. Auch lose Blätter und ein umfangreiches Inventarverzeichnis gehören dazu: „Ich musste nur noch Platz im Regal schaffen“, freute sich Rohde-Reith, die Ordner und Mappen bereits gesichtet hat. Einmalige Bilder seien darunter, sagt die Archivarin. Sauers älteste Zeichnungen stammen von 1938, die Hintergasse hat er 1947 gezeichnet, die 1954 abgerissene Hainpforte hat er mehrmals und von allen Seiten mit der Feder festgehalten.

2010 organisierte der Kulturkreis zusammen mit Sauer und dessen Familie erstmals eine Ausstellung mit seinen Werken unter dem Titel: „Ein Leben für Eppstein und die Kunst – Hans Jakob Sauer, Jean Jaques, Architekt und Ingenieur, Musiker, Maler Zeichner“. Viele der damals gezeigten Bilder gingen jetzt ans Stadtarchiv, freut sich Rohde-Reith, die den Nachlass auch als Verpflichtung sieht, dass Jean Jaques Werk nicht in Vergessenheit gerät.

Besonders beeindruckt sei sie von den fast expressionistischen Bildern, in denen Hans Jakob Sauer Anfang der 1970er Jahre offensichtlich seine Kriegserlebnisse verarbeitet hat: Ein brennendes Kruzifix beispielsweise mit dem sich unter dem Blick maskenhafter Fratzen windenden Jesus oder der mit Pilotenkappe und eisernem Kreuz ausstaffierte Totenkopf, durch dessen Schädel sich ein Riss zieht, den Sauer 1973 unter dem sarkastischen Titel „Schön ist es, Soldat zu sein“ gemalt hat. Sauer, Jahrgang 1925, wurde als junger Mann zur Luftwaffe eingezogen und kam als 24-Jähriger nach einer Kopfverletzung einseitig blind und taub nach Eppstein zurück.

Seinen Plan, Musik zu studieren, musste er aufgeben. Stattdessen studierte er Kunst und Baugeschichte, erlernte das Zimmererhandwerk und wurde Architekt. Trotz der Beeinträchtigung blieb Sauer Musiker, war Organist und legte das Dirigentenexamen ab, leitete Chöre und Konzerte, etwa das Chorkonzert im Rahmen der Eppsteiner 650-Jahr-Feier 1968.

Die Schönheit seiner Heimatstadt Eppstein hat Sauer sein Leben lang fasziniert. Er hielt Häuser, Straßen und pittoreske Winkel in unzähligen Federzeichnungen fest und scheute sich auch nicht, seine historischen Ansichten den Bausünden der Neuzeit gegenüber zu stellen. Mit seinen Zeichnungen wollte er, ohne jegliche Heimattümelei, das Vergangene für die Nachwelt bewahren.

In den 15 Ordnern mit Zeichnungen finden sich auch Zeichnungen anderer Burgen entlang des Mains und des Rheins sowie Zeichnungen anderer historischer Gebäude, die auf zahlreichen Reisen und Ausflügen entstanden.

Das älteste Fachwerkhaus des Main-Taunus-Kreises, heute das Restaurant Pflasterschisser, bewahrte Sauer nach dem Brand von 1979 vor der Zerstörung. Er legte das gotische Fachwerk frei und baute das Haus wieder auf. Heute ist das Gebäude an der Kreuzung Burgstraße/Rossertstraße markanter Blickfang unterhalb der Burg.

Zu Sauers Unterlagen gehören neben luftig-leichten, fast hingetupften Aquarellen der Burg und der Eppstein umgebenden Taunuslandschaft auch Vorarbeiten, Skizzen, Baupläne, Abmessungen, beispielsweise von der Sanierung der Kemenate und des Bettelbubs oder für sein Buch über Eppsteiner Gewölbekeller. Der umfangreiche Nachlass soll so bald wie möglich ein eigenes Regal erhalten, sagt Rohde-Reith, die sich immer wieder mal Zeit nimmt, um in den Ordnern zu stöbern: „Für mich ist das jedes Mal so, als würde ich Hans Jakob besuchen gehen“, sagt die Stadtarchivarin. bpa

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