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Amateurfunker gingen mit der Peilantenne auf Fuchsjagd

19.08.2010
 

Gegen diese Art der Fuchsjagd hätte selbst der strengste Tierschützer nichts einzuwenden gehabt. Fünf Peilsender, Füchse genannt, waren im Gebiet zwischen Bremthaler Waldparkplatz, Wildsachsen und Langenhain versteckt und mussten von den Teilnehmern der internationalen Deutschen ARDF-Meisterschaft gefunden werden. ARDF steht für Amateur Radio Direction Finder, wörtlich übersetzt „Amateurfunk Richtungsfinder“.

Vergangenes Wochenende trafen sich über 70 „Fuchsjäger“, darunter Teilnehmer aus Holland, Frankreich und England. Der Amateurfunkpeilsport ist eine exotische Nische im Amateurfunk. Diese Sportart ist eine Mischung aus Joggen, Orientierungslauf, Querfeldeinlauf und Funkempfangstechnik. Gepeilt werden entweder UKW- oder Kurzwellensender. Am Samstag war der Wettbewerb im zwei Meter Band, zu finden waren also UKW-Sender, die auf der 144-MHz-Frequenz senden. Am Sonntag ging die Hatz auf Kurzwellensender, dem 80-Meter- Band, 3,5 Mhz Sendefrequenz.
„Kurzwelle ist einfacher“, meinte der elfjährige Alexander Gütt, der Sonntag an den Start ging und den zweiten Platz in der Altersklasse M15 erreichte. Die Ausbreitung des UKW-Signals unterscheidet sich von der des Kurzwellensignales. Beim UKW kommt es durch Reflektionen im Gelände leicht zu Fehlweisungen. Der Organisator vom Deutschen Amateur Radio Club (DARC), Kai Pastor aus Mainz, hatte die „Füchse“ anspruchsvoll im Gelände verteilt. „Man musste sehr genau peilen und jederzeit wissen, wo man sich im Gebiet befindet. Sonst hat man hier keine Chance auf den Sieg“, urteilte dann auch der Franzose Patrice Vette, der auf dem dritten Platz des UKW-Wettbewerbs in seiner Altersklasse M40 landete.
Ausgestattet mit einer extra für diesen Sport überarbeiteten topografischen Karte, einem Orientierungslaufkompass und dem rund 500 Gramm schweren Empfänger mit großer Peilantenne gingen die Sportler in den Rundkurs. Viele hatten auch GPS-Empfänger dabei. Mit deren Aufzeichnungen lassen sich hinterher die gelaufenen Routen vergleichen, das ist nach dem Wettbewerb spannender Gesprächsstoff für die Teilnehmer.
Die „Füchse“ senden nacheinander für rund eine Minute mit ihrer eigenen Morsekennung, um danach solange zu schweigen, bis sie wieder an der Reihe sind. Das macht ihre Ortung langwierig und schwierig. Der Sportler peilt die Richtung des Senders mit Hilfe der empfangenen Lautstärke, der Peilstrahl wird in der Karte vermerkt. Die hügelige Topografie des Geländes reflektiert das Signal, wodurch Fehlweisungen entstehen. „Eine Regel der erfahrenen Fuchsjäger lautet: peile nie im Tal, denn alle Berge reflektieren“, erklärt Kai Pastor. Welchen Weg er als nächstes einschlagen sollte, kann der Sportler erst nach mehreren Peilungen aus unterschiedlichen Positionen entscheiden. Maximal zwei Stunden dauert der Lauf, zwischen drei bis fünf Füchse müssen je nach Altersklasse und Kategorie gefunden werden. Die optimale Strecke beträgt zwischen ca. fünf bis sieben Kilometer und ist versteckt in einem zwei mal vier Kilometer großem Gebiet. „Wir laufen 90 Prozent über normale Wege, querfeldein kostet zuviel Zeit“, erklärt Pastor.
Der heute relativ exotische Sport ist in Osteuropa, vor allem in Russland, der Ukraine und Tschechien sehr beliebt und verbreitet. Dort wird er auch öffentlich gefördert. Sehr gute Wettkämpfer kämen auch aus China, Japan, Korea, Kasachstan und Australien, neuerdings auch aus den USA, meint Pastor. Auch in der ehemaligen DDR wurde dieser Sport gefördert.
Kerstin Adner hat ihren Mann Tobias bei diesem Sport kennengelernt, die beiden kamen ursprünglich aus Erfurt, wohnen mittlerweile in Fischbach und sie arbeiten beide in Eppstein. Tobias Adner kam auf den vierten Platz in seiner Altersklasse M21. Adner schätzt besonders die familiäre Atmosphäre, man kennt sich untereinander und hat weltweit Freunde: „Durch das Hobby lernt man viele Gegenden sehr intensiv kennen.“
Mit rund 200 Euro pro Empfänger muss ein Einsteiger rechnen. „Doch zum Ausprobieren verleihen wir auch schon mal die Empfänger“, meint Pastor.
Wer international mitmischen will, muss die Peilung in beiden Disziplinen, Kurzwelle und UKW, beherrschen. Die Sieger aus Eppstein vertreten Deutschland bei der Weltmeisterschaft der Amateurfunkpeilsportler im September in Kroatien. ffw

Tobias Adner macht sich mit der großen Peilantenne auf den Weg.

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30.03.2017

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