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Wie Sehnsucht nach Anerkennung in die Sucht führen kann

27.5.2010
 
Trinken bis zum Abwinken – Steffi und Stefan.

Überzeugend spielten die Schauspieler Julia Stenke (25) und Viktor Wendtner (22) vom Weimarer Kultur-Express die Geschichte zweier Jugendlicher auf der Suche nach Freundschaft, Anerkennung und der Ablösung vom Elternhaus.

Die 7. bis 10. Klassen der Freiherr-vom-Stein-Schule verfolgten am vergangenen Donnerstag in zwei Aufführungen im Eppsteiner Bürgerhaus die Geschichte unter dem Titel „Alkohol“. Steffi und Stefan lernen sich nach einer Party kennen. Der 16-Jährige erklärt Steffi die Sterne am Himmel. Zu ihrer ersten Verabredung bringt er „was für die gute Stimmung“ mit, der erste Kuss muss gefeiert werden – mit Alkohol. Steffi, die sonst „nie etwas trinkt“, lässt sich von Stefan zu Orangensaft mit Wodka überreden und stellt fest: „Das schmeckt ja gut.“
Steffi ist eine gute Schülerin und will auf keinen Fall eine „Loserin“, eine Verliererin, sein. Doch sie vermisst Nähe und Geborgenheit. Ihre alleinerziehende Mutter hat keine Zeit für sie. So findet sie über ihren Freund Stefan Zugang in eine Clique, in der Alkohol immer dabei ist. Und auch Stefan hat sich durch den Alkohol einen Namen in der Gruppe gemacht. „Früher wurde ich nur verarscht, jetzt traut sich das keiner mehr“, prahlt er vor Steffi und überspielt geschickt seine Zukunftsängste.
Die beiden jungen Schauspieler zeigen, wie Sehnsucht nach Anerkennung und Lebenslust in die Sucht führen können. Steffi zieht sich von ihrer besten Freundin Marion zurück, weil die sie vor den Gefahren der Alkoholsucht warnt – ihre Mutter ist Alkoholikerin. „Partymachen“ und „Trinken bis zum Abwinken“ wird für Steffi und Stefan zum Alltag. Erst als die schulischen Leistungen am Tiefpunkt sind, ändert sich die Lage. Stefan erhält Hausarrest, und Steffi findet bei ihrer Freundin neuen Halt.
Das Wiedersehen nach zwei Monaten Trennung wird für Steffi und Stefan ein feucht-fröhlicher Abend und endet für Steffi mit 4,3 Promille Alkohol im Koma. Aus Angst lässt ihr Freund sie liegen und taumelt davon. Das Stück endet tragisch, das Ende aber bleibt offen.
Die vorgesehene Diskussionsstunde im Anschluss an die Aufführungen entfiel mangels Zeit – „aber die Schüler waren sehr aufmerksam und nehmen davon sicher etwas mit“, ist Viktor Wendtner überzeugt. Das Tournee-Theater aus Weimar ist auf Aufführungen in Schulen spezialisiert und greift gezielt aktuelle Probleme Jugendlicher auf, um sie in ihrer Lebenswelt abzuholen und zum Nachdenken anzuregen.
Der 16-jährige Vincent aus der 10. Klasse bestätigte den Eindruck: „Das war ganz eindrucksvoll und ist für die kleineren aus der 7. und 8. Klasse ganz wichtig. Für uns größeren kommt das zu spät. Ich hab’ von Komasaufen schon gehört, kenne aber keinen, der so bekloppt ist.“ Simone (14) aus der G8 fand das Theater „echt cool! Ich kenne einige, die auch manchmal zu viel trinken. Vielleicht denken die jetzt mal darüber nach.“
Lehrerin Heike Bletz, die die Theatergruppe engagiert hatte, bedauerte, dass für die Diskussion die Zeit nicht mehr ausreichte, hat aber inzwischen zusammen mit den Sozialarbeitern, den Drogenbeauftragten der Schule und den Klassenlehrern die ihr Klassen ins Theater begleitet hatten das Thema in den Klassen besprochen: „Besonders mit den jüngeren Schülern und Schülerinnen muss man das Thema aufarbeiten.“ Deshalb sei die Aufführung auch als Ergänzung der beiden Projekttage zur Alkoholprävention in den 7. und 8. Klassen zu verstehen. Der Main-Taunus-Kreis finanzierte im Rahmen der Sucht-Prävention einen Teil der Gage, die Cafeteria-Mütter der Freiherr-vom-Stein-Schule unterstützten die Aufführung mit 500 Euro. Und auch die Schüler und Schülerinnen sollten mit einem Euro Eintrittsgeld die Aufführung honorieren. jp

Trinken bis zum Abwinken – Steffi und Stefan.

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