Vockenhausens Heimatdichter und Kommunalpolitiker Karl Geins ist tot. In der Nacht zum vorigen Donnerstag starb er nach langer Krankheit in seinem Haus in der Weingasse. Mit Theaterstücken wie „Das Baamstück“ oder „Schweinespeck und Scheuerbambel“ hat Karl Geins dem Vockenhausen der Nachkriegszeit ein Gesicht gegeben.
Als ebbelweinseeliger Ortsdiener Nickeles spielte er 1996 in seinem ersten eigenen Stück sogar noch selbst mit. Später beschränkte er sich aufs Regieführen und brachte in regelmäßigen Abständen ein neues Stück über seinen Heimatort heraus. Ein persönlicher Höhepunkt war für ihn das Jubiläumsjahr 2008: Zum 775-jährigen Bestehen seines Heimatorts organisierte er einen Mundartabend mit alteingesessenen Vockenhäusern und schrieb sein letztes Theaterstück, das Historienspiel „Der Mühlenarzt“, bei dem er auch Regie führte.
Geins Stücke leben vom Lokalkolorit. Mit feinem Humor schuf er volkstümliche Charaktere und griff Alltagsgeschichten auf. Die meisten hat der in der heutigen Weingasse aufgewachsene gebürtige Wiesbadener selbst erlebt und mit einer fiktiven Handlung aufgepeppt.
Schon vor einem Jahr stand für ihn fest, dass ein Jüngerer künftig die Theatertruppe der Humoristen übernehmen sollte. Er selbst bat Heiner Benz, in seine Fußstapfen zu treten und suchte gemeinsam mit seinem Nachfolger das neue Stück aus, das im kommenden Jahr aufgeführt werden soll.
Seinen großen Traum, ein Stück über den berühmten Komponisten Mendelssohn in Eppstein zu verfassen, das Legende und Historie verknüpfen sollte, hat er nicht mehr verwirklicht. Die Kraft für die aufwändigen Recherchen reichte einfach nicht mehr aus. Er litt schon seit Jahren an einer Krankheit, aber die zahlreichen Aktivitäten hielten ihn fit, wie er selbst noch im vorigen Jahr, kurz nach seinem 70. Geburtstag, im Gespräch mit der Eppsteiner Zeitung sagte. Bis 2008 war er Stadtverordneter, vor wenigen Wochen erst gab er sein Ortsbeiratsmandat zurück. 1968 war er Mitbegründer der FWG Vockenhausen, weil er überzeugt war, in der Kommunalpolitik am meisten für die Menschen am Ort bewirken zu können.
Bis zuletzt war er Vorsitzender der Schachvereinigung, der er schon seit über 50 Jahren angehörte. 1990 übernahm er den Vorsitz und sorgte dafür, dass die Pressemeldungen mit den Erfolgen aus der Hessenliga im „Blättchen“ standen. Für das Schachspielen opferte er vor vielen Jahren den Gesang: Denn Sängerbund und Schachvereinigung trafen sich beide am Donnerstagabend. Als passives Mitglied blieb er den Sängern jedoch treu.
Bei den Humoristen fand er seine geistige Heimat: 1978 trat der selbstständige Gebäudereiniger dem Verein bei, 1990 spielte er zum ersten Mal im Stück „Das Hörrohr“ mit. Seine eigenen Stücke, zu denen noch das 2004 aufgeführte „E’ Mädche’ aus Eppstaa“ gehört, gaben dem Verein eine besondere Identität und eine „typische Vockenhäuser Note“, wie Vereinskollege Winfried Horn betont. Deshalb wurde Geins in der jüngsten Jahreshauptversammlung zum ersten Ehrenvorsitzenden in der 110-jährigen Vereinsgeschichte gewählt. bpa
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| Karl Geins starb im Alter von 71 Jahren. |
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